Neue Eiszeit, Hunger: Studie zeigt, was ein Atomkrieg heutzutage auslösen könnte

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Neue Eiszeit, HungerStudie zeigt, was ein Atomkrieg heutzutage auslösen könnte

Russland droht seit Beginn des Ukraine-Kriegs mit dem Einsatz von Atomwaffen. Ein Forscherteam aus den USA hat nun Szenarien ausgemalt, was tatsächlich die Folgen einer nuklearen Explosion wären – sie sind beängstigend.

von
Karin Leuthold
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Die Gefahr eines Atomkriegs ist seit dem Beginn des Ukraine-Konflikts schlimmer als je zuvor.

Die Gefahr eines Atomkriegs ist seit dem Beginn des Ukraine-Konflikts schlimmer als je zuvor.

AFP
Erst am 21. Juli 2022 hat der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko angesichts des Kriegs in Osteuropa vor einem «Atomkrieg» gewarnt. Lukaschenko rief den Westen, die Ukraine und Russland auf, den Konflikt zu beenden, um eine drohende atomare Eskalation abzuwenden. 

Erst am 21. Juli 2022 hat der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko angesichts des Kriegs in Osteuropa vor einem «Atomkrieg» gewarnt. Lukaschenko rief den Westen, die Ukraine und Russland auf, den Konflikt zu beenden, um eine drohende atomare Eskalation abzuwenden. 

imago images/SergeyNivens
Bei einer Explosion werden Rauch und Russ in die obere Atmosphäre ausgestossen, dadurch werden die Sonnenstrahlen blockiert. Dies würde zu einem globalen Temperatursturz von 7,2 °C und schliesslich zu Ernteausfällen führen. 

Bei einer Explosion werden Rauch und Russ in die obere Atmosphäre ausgestossen, dadurch werden die Sonnenstrahlen blockiert. Dies würde zu einem globalen Temperatursturz von 7,2 °C und schliesslich zu Ernteausfällen führen. 

imago images/ZUMA Wire

Darum gehts

  • Russland droht seit Beginn des Konflikts in der Ukraine mit dem Einsatz von Atomwaffen.

  • Eine US-Studie hat anhand von Simulationen die Szenarien aufgezeigt, die ein Nuklearkrieg auslösen könnte.

  • Nicht nur würden Menschen sterben, es wäre auch das Ende für die Ozeane.

Die Bedrohung durch einen Atomkrieg ist seit dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine so hoch wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Ein Team von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen US-Universitäten hat nun Computersimulationen mit Klimamodellen erstellt – was passieren würde, wenn in der heutigen Welt Atombomben hochgehen würden, ist schlichtweg furchtbar.

Eine in der Fachzeitschrift AGU Advances veröffentlichte Studie beschreibt die Folgen eines Atomkriegs – vom regionalen Konflikt bis zum nuklearen Schlagabtausch zwischen Russland und den USA, bei dem etwa 4400 100-Kilotonnen-Atomwaffen gegen Metropolen und Industriegebiete der jeweils anderen Seite eingesetzt würden. 149 Milliarden Kilogramm Rauch und schwarzer Kohlenstoff würden dann in die obere Atmosphäre ausgestossen, dadurch würden die Sonnenstrahlen blockiert. Innerhalb eines Monats würde dies zu einem globalen Temperatursturz von 7,2 °C und schliesslich zu Ernteausfällen führen. Millionen oder sogar Milliarden Menschen könnten verhungern.

Sterben die Algen, sterben die Ozeane aus

Die Ozeane könnten noch stärker in Mitleidenschaft gezogen werden, denn die Auswirkungen eines nuklearen Konflikts könnten Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, andauern. Der Planet würde dann in eine «kleine, nukleare Eiszeit» stürzen: Die Meerestemperaturen würden drastisch sinken, insbesondere in den nördlichen Weltmeeren. Wichtige Häfen wie Peking, Kopenhagen und St. Petersburg würden zufrieren, was den Welthandel stark belasten würde.

Auch für die Meereslebewesen wären die Bildung dicker Eisschichten und der Mangel an Sonnenlicht katastrophal, da es zu einem Massensterben von Meeresalgen kommen würde. Da Algen einen grossen Teil des marinen Nahrungsnetzes ausmachen, würden auch all die Organismen und Tiere sterben, die in der Nahrungskette über ihnen stehen.

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Egal, wer wen bombardiert – die Folgen sind global

Die verheerenden Auswirkungen würden weltweit spürbar sein – unabhängig davon, wo und von wem die Atombomben gezündet wurden, erklärt Cheryl Harrison, Forscherin an der Louisiana State University und Hauptautorin der Studie, via Twitter. «Sobald der Rauch in die obere Atmosphäre aufsteigt, breitet er sich global aus und wirkt sich auf alle aus», so Harrison.

Derzeit gibt es weltweit etwa 13'000 Atomwaffen, die sich auf neun Länder verteilen. Die überwältigende Mehrheit der Sprengköpfe befindet sich in den Händen der USA und Russlands, während etwas mehr als 1000 von Frankreich, China, Grossbritannien, Pakistan, Indien, Israel und Nordkorea gehalten werden.

Die Ergebnisse der Simulationen sind eindeutig: «Wir müssen alles tun, um einen Atomkrieg zu vermeiden. Zu gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Effekte für alle katastrophal sind», warnt Cheryl Harrison zum Schluss.

Schweizer fürchten sich vor einem Atomkrieg

Laut einer repräsentativen Umfrage im März 2022 von 20 Minuten und Tamedia wecken die Atomwaffen-Drohungen des russischen Präsidenten in der Schweiz die Angst vor einem nuklearen Angriff. Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine kam es in der Schweiz zu einem Run auf Geigerzähler, Jodtabletten und Notvorräte. Viele Menschen bereiten sich zunehmend auf den Katastrophenfall vor und wollen von den Behörden etwa wissen, wo sie im Ernstfall den nächsten Luftschutzraum finden. 

Wie berechtigt diese Sorgen sind, beantworteten die Abrüstungsexperten Oliver Thränert und Marc Finaud.

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