Studie zu Gewalt in Thailand gefordert
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Studie zu Gewalt in Thailand gefordert

Der amtierende UN-Menschenrechtshochkommissar Bertrand Ramcharan hat am Freitag von den thailändischen Behörden eine Untersuchung des jüngsten Militäreinsatzes gegen mutmassliche Separatisten verlangt.

Nach UN-Verträgen dürften Sicherheitskräfte keine übermässige Gewalt ausüben, erklärte er. Ramcharan forderte eine rasche und transparente Untersuchung, die Menschenrechte aller Beteiligten müssten gewahrt werden. Die Regierung verteidigte indessen abermals das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte.

Die hohe Zahl der Todesopfer sei bedauerlich, erklärte Aussenamtssprecher Sihasak Phuangketkeow vor Journalisten. Die Regierung habe aber keine andere Wahl gehabt, als die Situation mit harten Gegenmassnahmen zu einem raschen Ende zu bringen. Er räumte ein, dass es im Süden des Landes «ein separatistisches Element» gebe. Bei dem blutigen Militäreinsatz am Mittwoch waren 108 mutmassliche Separatisten und fünf Sicherheitskräfte getötet worden. Die meisten Opfer waren Jugendliche. Nach Polizeiangaben vom Freitag wurden bei den Leichen einiger Getöteter Schriften in arabischer Sprache gefunden, in denen die Schaffung eines muslimischen Heimatlandes in Thailand gefordert wird.

Nach den Worten eines ranghohen Regierungsberaters ist die jüngste Gewalt auf separatistische Bestrebungen einer muslimischen Gruppierung zurückzuführen. Mit Drogenhandel habe die Bewegung wenig zu tun, sagte General Kitti Rattanchaya, der für den Süden des Landes zuständige Sicherheitsberater. Er schien damit Aussagen von Ministerpräsident Thaksin Shinawatra zu widersprechen, der einen Teil der Angreifer am Freitag abermals mit Drogenabhängigkeit in Verbindung brachte. «Das Ziel dieser Terrororganisation ist Separatismus und die Errichtung eines muslimischen Staats», sagte Kitti. Darauf arbeiteten die Aufständischen bereits seit fast einem Jahrzehnt hin, indem sie die Menschen aufstachelten und Kämpfer in Religionsschulen ausbildeten.

Riesewarnungen ausgeweitet

Die islamistische Gruppierung Pattani Vereinigte Befreiungsorganisation (PULO) warnte Reisende vor dem Besuch von fünf südthailändischen Provinzen sowie deren Nachbarprovinzen Phuket, Pangnga, Krabi und Pattalung. Dort befinden sich Touristenziele, die jährlich von Millionen Menschen besucht werden. «Die Menschen in Pattani sind für nichts verantwortlich, was Ihnen nach dieser Warnung passiert», heisst es auf ihrer Website, deren Authentizität nicht überprüft werden konnte. Alle Muslime wurden zum Kampf gegen «die Siamesen» aufgefordert. Thailand war früher als Siam bekannt.

Auch Australien und Neuseeland warnten vor Reisen in die Region. Die Warnung aus Canberra bezog sich auf vier südthailändische Provinzen sowie den malaysischen Staat Sabah. Das neuseeländische Aussenministerium warnte erklärte, die Warnung vor Reisen in den Süden gelte nicht für Touristeninseln wie Phuket und Koh Samui.

Malaysia erklärte sich unterdessen bereit, thailändischen Flüchtlingen vorübergehend Schutz zu gewähren. Auf Dauer würden jedoch keine Flüchtlingslager eingerichtet, sagte Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi. Ob bereits Menschen aus dem Süden Thailand im Norden Malaysias Zuflucht gesucht haben, blieb unklar. (dapd)

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