Toni-Areal, Zürich: Studierende bei Schulfest in Handschellen gelegt
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Toni-Areal, ZürichStudierende bei Schulfest in Handschellen gelegt

Das Eröffnungsfest der Zürcher Hochschule der Künste endete mit einem Polizeieinsatz – mehrere Studierende kassieren Anzeigen. Sie kritisieren vor allem das Vorgehen der Schule.

von
rom
An der Zürcher Hochschule der Künste feierten am Wochenende Tausende die Eröffnung. Einige wollten aber länger tanzen und bekamen es deswegen mit der Polizei zu tun.

An der Zürcher Hochschule der Künste feierten am Wochenende Tausende die Eröffnung. Einige wollten aber länger tanzen und bekamen es deswegen mit der Polizei zu tun.

Über 10'000 Besucherinnen und Besucher feierten am Wochenende an der Creative City auf dem Toni-Areal in Zürich ein rauschendes Fest. Doch für einige endete die Eröffnung des neuen Standorts der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) unschön: Als die Party in der Nacht auf Sonntag um zwei Uhr zu Ende war, forderte die Security die Leute umgehend auf, das Gebäude zu verlassen. «Weil wir normal rund um die Uhr Zutritt haben und zudem noch nicht genug hatten, veranstalteten wir mit rund 20 Leuten vor dem Eingang ein spontanes Konzert mit Handorgel und Gitarre», sagt ein ZHdK-Student.

Es dauerte allerdings nicht lange, bis die Stadtpolizei Zürich auf dem Toni-Areal aufkreuzte. «Sie haben einen der Tanzenden zur Rede gestellt», sagt der Student. Doch damit nicht genug: «Wer sich bei den Polizisten erkundigen wollte, was das Ganze soll, wurde prompt in Handschellen gelegt.» Ferner sei eine Person von der Polizei hart angegangen worden. «Wir haben sie zur Kontrolle ins Spital gebracht», sagt der Student.

Mehrere Lärmklagen von Nachbarn

«Der Skandal ist für mich weniger der Polizeieinsatz als vielmehr das Vorgehen der ZHdK», sagt der Student weiter. Diese habe von den Studierenden seit Wochen verlangt, ein kreatives Fest auszurichten. «Aber wenn dann nicht alle Leute die Party quasi per Knopfdruck beenden, ruft man gleich die Polizei.» Sie hätten keine Verstärker benutzt und seien nicht übermässig laut gewesen. «Eine Hochschule der Künste, die auf diese Weise gegen Kunst vorgeht, das ist nur noch absurd.»

Gemäss Stapo-Medienchef Marco Cortesi war die Polizei von der ZHdK und von Anwohnern gegen drei Uhr wegen Lärmklagen gerufen worden. Zudem hatte der Sicherheitsdienst der ZHdK Probleme, weil einige Festbesucher das Gebäude nicht verlassen wollten. Entsprechend sei die Polizei mit mehreren Patrouillen ausgerückt. «Handschellen waren bei einigen Leuten notwendig, weil sie sich den Anweisungen, die Party auf dem Areal zu beenden, widersetzt haben», sagt Cortesi. 5 bis 10 Personen kassieren nun Anzeigen wegen Nichtbefolgens einer polizeilichen Anordnung und Hinderung einer Amtshandlung.

«Sonst keine Zwischenfälle»

Die ZHdK bedauert laut Sprecherin Heike Pohl, dass es zu diesem Zwischenfall gekommen ist: «Es ist uns ein Anliegen zu betonen, dass das zehn Stunden dauernde Fest ansonsten ohne Probleme verlief.» Studierende und Mitarbeitende seien im Vorfeld über die aussergewöhnliche Schliessung des Areals nach Festende für Reinigungsarbeiten informiert worden – normalerweise ist der Campus während 24 Stunden zugänglich. Pohl: «Zudem stellt sich die ZHdK auf den Standpunkt, dass für Vorgänge, die sich ausserhalb des Toni-Areals im öffentlichen Raum abspielen, für alle Leute die gleichen Regeln gelten – also dass man beispielsweise die Nachtruhe respektiert.»

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