Windige Veranstalter: Stümperei oder Bschiss? Ärger um Elektro-Festival
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Windige VeranstalterStümperei oder Bschiss? Ärger um Elektro-Festival

Ohne überhaupt eine Location zu buchen, verkauften zwei Veranstalter Tickets für ein Festival in Kreuzlingen. Nun melden sich geprellte Käufer und wollen ihr Geld zurück.

von
tso
Auf der Website von Beyond Neverland läuft noch immer der Countdown, der die Tage bis zum Festivalstart herunterzählt.

Auf der Website von Beyond Neverland läuft noch immer der Countdown, der die Tage bis zum Festivalstart herunterzählt.

Die Facebookseite «Beyond Neverland» hat 2516 Likes und zeigt einen professionell gemachten Trailer. Eingeladen zum gleichnamigen Festival sind rund 40'000 Gäste, es gab unzählige Kommentare von jugendlichen Usern. Auf der Website Beyondneverland.eu läuft ein Countdown, der die Tage bis zum Festivalbeginn herunterzählt.

Steigen sollte das Festival der elektronischen Tanzmusik vom 8. bis 10. August 2014 in der Kreuzlinger Bodensee-Arena. Der Vorverkauf startete am 15. Januar und stiess laut Facebook-Eintrag auf grosse Nachfrage. Nur: Die Bodensee-Arena selbst hatte keinen Schimmer von der Veranstaltung. «Wir staunten nicht schlecht, als wir vom Vorverkauf erfuhren», so Geschäftsleitungsmitglied Barbara Hummel. «Natürlich haben wir den Veranstaltern umgehend verboten, weitere Tickets zu verkaufen.» Erst danach habe ein Kontakt mit den vorgeblichen Veranstaltern stattgefunden.

Bereits hatten jedoch ahnungslose Käufer mehrere Dutzend Tickets bestellt: «Ich habe zwei Early-Bird-Eintritte gekauft», so 20 Minuten-Leserin Jasmin S. «Doch die Tickets kamen nie.» Jasmin S. beschwerte sich per Facebook-Kommentar und wollte ihr Geld zurück. «Schliesslich teilte man mir mit, die Tickets seien per Einschreiben verschickt worden. Die Post habe sie offenbar verloren», so die 26-Jährige. «Doch dort heisst es, die Sendung sei nie aufgegeben worden.»

Facebook-Kommentare gelöscht

Inzwischen hinterlassen immer mehr geprellte Käufer wütende Kommentare auf Facebook und warnen vor dem Ticketkauf. Nur wenig später werden die Einträge jeweils vom Veranstalter gelöscht.

Eine andere Leserin, die anonym bleiben möchte, bekam zwar nach langem Drängen ein Ticket – von Hand eingeworfen in den Briefkasten und ohne Poststempel. Aber auch sie beschwerte sich und wollte ihr Ticket zurückgeben. Schliesslich bekam sie einen Anruf mit unterdrückter Nummer auf ihr Handy: Ein gewisser Jürg wollte sich mit ihr am Bahnhof treffen, um das Ticket gegen Geld umzutauschen.

McDonald's als Sponsor?

Offenbar ziehen die Veranstalter, von denen selbst bei der Bodensee-Arena nur die Vornamen bekannt sind, nicht nur ahnunglose Kunden über den Tisch: Auf ihrer Website geben sie McDonald's als Sponsor an. Weder die Filialen in Konstanz noch in Kreuzlingen wissen aber davon, geschweige denn Mc Donald's Schweiz, wie eine Sprecherin mitteilt.

Mittlerweile haben die Veranstaler kalte Füsse bekommen und vermelden auf Facebook die Absage des Festivals: «Leider ist der vorgeschlagene Termin aus logistischen Gründen nicht umsetzbar. An diesem besagten Wochenende werden über 100 000 Gäste wegen des alljährlichen Seenachtsfestes in Konstanz und Kreuzlingen erwartet.» Da das Interesse an ihrer Veranstaltung so gross gewesen sei, hätten die Behörden um die Sicherheit der Festivalbesucher gefürchtet, begründen die Veranstalter die Absage.

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