«Stunde der Wahrheit»
Aktualisiert

«Stunde der Wahrheit»

Einen Tag nach dem Ableben von Palästinenserpräsident Jassir Arafat steht in der Presse eine Frage im Mittelpunkt: Kommt der blockierte Friedensprozess nach Arafats Tod wieder in Gang?

«Stunde der Wahrheit» titelt denn auch der Zürcher «TagesAnzeiger». Und die Medien sind sich einig: Wenn Arafat wirklich das Haupthindernis zu einer friedlichen Lösung war, müsste nun der Weg frei sein.

Arafat habe für einen unabhängigen Staat gekämpft und die palästinensche Bewegung getragen. Vielleicht gibt sein Tod seinem Traum einen allerletzten Sinn, schreibt die «Tribune de Genève». Laut «Quotidien Jurassien» läutet der Tod des palästinensischen Führers eine neue Zeit ein.

Allerdings dürften laut «TagesAnzeiger» die Palästinenser auch künftig nichts weniger als einen tragfähigen Frieden akzeptieren und sich gegen jedes Diktat wehren. «An den USA und den Europäern wird es liegen, als Vermittler einen gerechten Ausgleich durchzusetzen», ist der «TagesAnzeiger» überzeugt.

Dynamik nutzen

Für die Berner Zeitung «Der Bund» ist es fraglich, ob die Palästinenser in der Lage sein werden, die Dynamik, welche Arafats Tod ausgelöst hat, zu ihren Gunsten zu nutzen. «Die Chance zum Frieden ist offensichtilch; die nächste, auch das ist klar, wird so schnell nicht kommen.»

Wie es Innenpolitisch weiter gehen wird, hängt laut «BaslerZeitung» auch vom Verhalten der Besatzungsmacht ab. Israels Ministerprsident Ariel Scharon müsste bereit sein, der neuen palästinensischen Führung mit humanitären Erleichterungen und militärischer Zurückhaltung den Rücken zu stärken.

Scharon habe nun die Chance, die Weichen für ein friedliches Nebeneinander mit den Palästinensern zu stellen, schreibt die «Berner Zeitung». Arafat sei nicht als Märtyrer gestorben, sondern- wie andere - an Krankheit und Alter, ist die Kommentatorin überzeugt. Jetzt müsse politische Arbeit die Zeit der Helden und Mythen ablösen.

Zwei Gesichter

Stark thematisiert werden in den Kommentaren auch die zwei Gesicher von Arafat. Der Wandel vom Guerilla zum Staatsmann findet denn auch den Weg in fast alle Schweizer Tageszeitungen.

«Die Uniform mit den militärischen Insignien hat er nie abgelegt», vermerkt «Die Südostschweiz». Seinem Volk habe er letztlich nur Zerstörung gebracht.

Notiz: Die Meldung bsd005 wurde ergänzt.

(sda)

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