Sturm auf Capitol: So verlief der Sturm auf das Capitol
Publiziert

Chaos-Chronologie So verlief der Sturm auf das Capitol

Trump-Anhänger stürmen gewaltsam das Capitol und verwüsten den US-Kongress. 20 Minuten zeigt die Chronologie der Ereignisse in Washington.

Darum gehts

  • Das Capitol in Washington wurde am Mittwoch von Trump-Supportern gestürmt.

  • Die Proteste dauerten über vier Stunden.

  • Twitter sperrte den Account von Präsident Donald Trump.

In einer beispiellosen Attacke auf das Zentrum der US-Demokratie haben wütende Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump das Capitol in Washington gestürmt. Wie verlief das Chaos in Washington? 20 Minuten zeigt die Chronologie des Capitol-Sturms.

12 Uhr (Ortszeit)

Zehntausende Trump-Anhänger aus verschiedenen US-Staaten versammeln sich in Washington, um eine Rede ihres Präsidenten zu verfolgen. Es seien sehr viele gekommen, viel mehr, als die TV-Kameras zeigen wollten, sagt Donald Trump zur Begrüssung. «Die Medien sind das grösste Problem, das dieses Land hat.» In seiner Rede spricht Trump erneut über seine Niederlage. «Wir werden niemals aufgeben» oder eine Niederlage eingestehen, so Trump weiter. «Wir haben diese Wahl gewonnen, und wir haben sie mit einem Erdrutsch gewonnen». Es handle sich um reinen Diebstahl. Trump feuert seine Anhänger an, vor das Capitol zu ziehen.

13 Uhr

Im Capitol versammelt sich der Kongress um den Wahlsieg von Joe Biden zu bestätigen. Die Prozedur ist eigentlich eine reine Formalität. Unter Trump gilt das nicht mehr: Beobachter erwarten eine politische Konfrontation, wie es sie in dieser Form nach dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) nie gegeben hat.

14 Uhr

Rund um das Capitol haben sich Tausende Trump-Supporter versammelt. Sie besteigen die Treppen des Gebäudes. Es kommt zu Zusammenstössen mit der Capitol-Polizei. Auf Fernsehbildern ist zu sehen, wie Anhänger über Absperrungen klettern. Die Polizei ordnet die Räumung von Kongress-Büros wegen den Protesten an. Die Sitzung im Kongress wird unterbrochen. Über das Capitol wird ein Lockdown verfügt. Bilder aus dem Gebäudeinneren zeigen, wie der Saal der Abgeordneten von bewaffneten Secret-Service-Agenten geschützt wird.

Sicherheitskräfte sichern das Gebäude. 

Sicherheitskräfte sichern das Gebäude.

AFP

14.45 Uhr

Die Trump-Anhänger haben sich Zugang zum Abgeordnetenhaus verschafft, sie streamen live aus den Räumlichkeiten. Bilder in den Sozialen Medien zeigen einen Anhänger auf dem Stuhl von Vizepräsident Mike Pence. Wenige Minuten später fallen die ersten Schüsse. Eine 44-jährige Trump-Anhängerin wurde angeschossen und die Bilder gehen um die Welt. Die Frau wird ins Spital gebracht, wo sie verstirbt. Laut eines Polizeisprechers wurden die Schüsse von einem Beamten der Capitol-Police abgegeben.

15.10 Uhr

Die Abgeordneten werden aus dem Capitol gebracht. Da Tränengas eingesetzt wird, fordertedie Polizei die Abgeordneten auf, Gasmasken aufzusetzen.

15.15 Uhr

Trump meldet sich via Twitter direkt an seine Anhänger. «Bleibt friedlich», schreibt er. Der Präsident weiter: «Respektieren Sie das Gesetz.»

15.45 Uhr

Nach der Erstürmung des Kongress-Gebäudes in Washington durch militante Anhänger von Präsident Trump werden Soldaten der Nationalgarde in die US-Hauptstadt entsandt. Die Nationalgarde sei aktiviert worden, teilt eine Sprecherin des Weissen Hauses mit.

15.50 Uhr

US-Vizepräsident Mike Pence verurteilt die turbulenten Geschehnissen rund um das US-Capitol in Washington. «Friedlicher Protest ist das Recht jedes Amerikaners, aber dieser Angriff auf unser Capitol wird nicht toleriert werden und jene, die daran beteiligt sind, werden mit der ganzen Härte des Gesetzes zur Verantwortung gezogen», twittert Pence.

16.15 Uhr

Der gewählte US-Präsident Joe Biden verurteilt die dramatischen Ereignisse scharf. «Zu dieser Stunde wird unsere Demokratie beispiellos angegriffen», sagte Biden. Die Gewalt müsse enden.

16.17 Uhr

Trump wendet sich erneut an seine Anhänger. Er fordert die Demonstranten am Capitol auf, friedlich nach Hause zu gehen. Er verstehe den Ärger über den Ausgang der Wahl, aber «wir müssen Frieden haben, wir müssen Recht und Ordnung haben» und die Sicherheitskräfte respektieren, sagt Trump in einer auf Twitter verbreiteten Videobotschaft. Niemand dürfe verletzt werden, mahnt er. Auf Twitter schreibt er: «Das sind Dinge und Ereignisse, die passieren.» Es sei eine harte Zeit, es habe Betrug bei der Präsidentschaftswahl gegeben. Man habe ihm und seinen Anhängern die Wahl gestohlen, behauptet der abgewählte Präsident – erneut ohne jeden Beleg. «Ich weiss, wie ihr euch fühlt, aber geht nach Hause.» Trump sagt an die Adresse der Protestler: «Wir lieben euch. Ihr seid etwas ganz Besonderes.» Der Tweet wird von Twitter mit einem Warnhinweis versehen.

16.30 Uhr

In der Nähe des US-Capitols wird mindestens ein explosiver Sprengsatz gefunden. Er stelle aber keine Bedrohung mehr da, heisst es laut Nachrichtenagentur AP aus Ermittlerkreisen.

17.30 Uhr

Die Polizei beginnt mit der Räumung des Platzes vor dem Capitol. Videos in den Sozialen Medien zeigen Trump-Supporter, die aus dem Gebäude geführt werden.

18 Uhr

Die von der Bürgermeisterin von Washington angeordnete Ausgangssperre tritt in Kraft.

18.06 Uhr

Nach fast vierstündigen Unruhen ist die gewaltsame Besetzung des US-Capitols in Washington nach offiziellen Angaben beendet. «Das Capitol ist gesichert», heisst es in einer Durchsage für die noch im Repräsentantenhaus verbliebenen Abgeordneten. In dem abgeriegelten Raum, in dem sie ausharrten, brandet Applaus auf.

19 Uhr

Twitter hat erstmals den Account von US-Präsident Donald Trump blockiert und droht ihm mit einer dauerhaften Sperrung. Der Internetdienst fordert, dass Trump Tweets entferne, in denen er Gewalt entschuldige.

20 Uhr

Nach der gewaltsamen Erstürmung des US-Parlamentssitzes kommt der Kongress wieder im Capitol zusammen. Zunächst nimmt der Senat seine Beratungen zur Zertifizierung des Präsidentschaftswahlergebnisses wieder auf. Die Sitzung dauert noch an.

Bilanz

Die Polizei zog am Abend noch eine Bilanz über den Einsatz beim Capitol. Bei den Zusammenstössen seien mindestens 14 Polizisten verletzt worden, zwei davon schwer. Einer der Schwerverletzten sei von Demonstranten in die Menge gezogen und dort angegriffen worden. Der zweite habe erhebliche Gesichtsverletzungen erlitten, als er von einem Projektil getroffen worden sei.

Vier Menschen kamen ums Leben. Eine Frau sei am Mittwoch (Ortszeit) im Kongressgebäude von einem Polizisten angeschossen worden und später im Krankenhaus gestorben, sagte der Chef der Polizei in der US-Hauptstadt, Robert Contee, in der Nacht zu Donnerstag. «Darüber hinaus wurden heute drei weitere Todesfälle aus der Umgebung des Kapitols gemeldet. Eine erwachsene Frau und zwei erwachsene Männer scheinen an unterschiedlichen medizinischen Notfällen gelitten zu haben, die zu ihrem Tod führten.»

Contee sagte, zwei Rohrbomben seien gefunden worden. In einem Fahrzeug seien ausserdem Molotow-Cocktails entdeckt worden. Bis zum Abend habe die Polizei 52 Personen festgenommen – vier wegen verbotenem Waffenbesitz und 47 wegen Verstosses gegen die nächtliche Ausgangssperre, die um 18.00 Uhr (Ortszeit) in Kraft trat.

(fss/dpa/afp)

Deine Meinung