Hongkong: Sturm auf Parlament – Polizei setzt Tränengas ein
Aktualisiert

HongkongSturm auf Parlament – Polizei setzt Tränengas ein

Um ins Parlamentsgebäude von Hongkong einzudringen, zertrümmerten Demonstranten Fensterscheiben. Die Polizei setzte Pfeffersprays ein und nahm mehrere Personen fest.

von
lüs

Die seit fast zwei Monaten andauernden Proteste für mehr Demokratie in Hongkong sind in der Nacht zum Mittwoch eskaliert: Eine kleine Gruppe von Aktivisten versuchte, das Parlamentsgebäude der Finanzmetropole zu stürmen. Dabei kam es zu Zusammenstössen mit den Sicherheitskräften. Sechs Menschen wurden festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Die Protestführer verurteilten die Konfrontation, warfen der Hongkonger Führung jedoch zugleich vor, auf Forderungen der Demonstranten nicht einzugehen.

Schon seit mehr als 50 Tagen verlangen die Demonstranten eine freie Kandidatenkür bei der für 2017 geplanten Wahl des Regierungschefs in der halbautonomen Metropole. Doch die Regierung in Peking will nur handverlesene Bewerber ins Rennen schicken. Zuletzt taten sich die Aktivisten allerdings schwer, die Dynamik der Demokratiebewegung aufrecht zu halten. Die Führung in Hongkong scheint sich auf die Strategie verlegt zu haben, die Proteste auszusitzen - in der Hoffnung, dass sie vollends im Sand verlaufen.

Fernando Cheung verurteilt Gewalt

Der wachsende Frust unter den Demonstranten entlud sich nun vor dem Parlament. Mit Metallstangen und Asphaltplatten schlugen sie am späten Dienstagabend die Türen des Gebäudes ein. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken, mit Schutzschildern drängten die Beamten die Protestler ab. Laut der Polizei attackierten die Aktivisten wiederholt die Barrikaden der Sicherheitskräfte, drei Beamte wurden verletzt.

Der prodemokratische Abgeordnete Fernando Cheung wollte eingreifen, wurde jedoch von einigen Demonstranten zur Seite gezerrt. Cheung und einige seiner Kollegen verurteilten die Gewalt. Diese untergrabe die friedliche Protestbewegung.

Auch eine der beiden federführenden Studentengruppen distanzierte sich von den Unruhen. «Wir stimmen mit dem Grund für diese Aktionen nicht überein», sagte der 18-jährige Joshua Wong, Anführer der Bewegung Scholarism. Die dritte an den prodemokratischen Protesten beteiligte Organisation Occupy Central teilte mit, die Verantwortlichen für die Gewalt hätten die Menge mit «falschen Informationen» zur Attacke des Parlamentsgebäudes verleitet.

Über Vorlage wird noch debattiert

So war Berichten zufolge ein Gerücht im Umlauf, wonach die Abgeordneten ein Gesetz hätten verabschieden sollen, das eine mögliche Einschränkung der Internetnutzung vorsehe. Tatsächlich wird über eine solche Vorlage noch debattiert.

Wenige Stunden vor den Handgemengen hatten die Behörden auf eine richterliche Anordnung hin einige Barrikaden der Aktivisten geräumt, die sich in der Nähe des Parlamentsgebäudes befanden. Es wird damit gerechnet, dass noch diese Woche weitere Absperrungen an einer zweiten Protestzone im Stadtteil Mongkok von den Sicherheitskräften abgebaut werden. (lüs/sda)

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