Aktualisiert 19.10.2004 17:04

Sturzflug mit Bundesratsjet löst Strafverfahren gegen Piloten aus

Die beiden Piloten, die im Dezember 2002 einen Sturzflug des Bundesratsjets über dem Bodensee verursacht hatten, müssen sich in einem Strafverfahren verantworten.

Wie die Bundesanwaltschaft (BA) am Dienstag auf Anfrage der AP bekannt gab, wird wegen fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs ermittelt.

Das Strafverfahren richtet sich gegen beide Piloten, wie BA-Sprecher Hansjürg Mark Wiedmer sagte. Ermittelt werde wegen Artikel 237, Ziffer 2 des Strafgesetzbuchs. Dieser stellt die fahrlässige Störung des öffentlichen Verkehrs unter Strafe, wenn dadurch Leib und Leben von Menschen in Gefahr gebracht werden. Im Falle einer Verurteilung müssen die Piloten mit Gefängnis oder Busse rechnen.

Man wolle den Zwischenfall nicht dramatisieren, sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft weiter. Der Untersuchungsbericht des Büros für Flugunfalluntersuchungen (BFU) zeige aber, dass eine vergleichsweise böse Situation relativ glimpflich ausgegangen sei. Damit könne die Angelegenheit auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Nun stelle sich die Frage nach der strafrechtlichen Verantwortung der beiden Piloten.

Gemäss dem vergangene Woche veröffentlichten BFU-Bericht waren die beiden Piloten dafür verantwortlich, dass der Bundesratsjet am 2. Dezember 2002 nach dem Start auf dem Flugplatz Altenrhein (SG) über dem Bodensee in einen Sturzflug überging und mit hoher Geschwindigkeit auf den Boden zuraste. Der fliegende Pilot konnte die «Cessna» rund 600 Meter über Boden abfangen und sicher in Altenrhein landen. Die fünf Insassen - neben den beiden Piloten und Metzler-Arnold befanden sich auch der Mann der Bundesrätin und eine Flugbegleiterin an Bord - kamen mit dem Schrecken davon.

Der fliegende Pilot wurde in einem Disziplinarverfahren des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL) gebüsst und musste sich einer Zusatzausbildung unterziehen; der Kopilot blieb bisher unbehelligt. Wie BAZL-Sprecherin Celestine Perissinotto am Dienstag auf Anfrage sagte, wird nun angesichts des von der Bundesanwaltschaft eröffneten Strafverfahrens geprüft, ob weitere Massnahmen zu treffen sind. Dies geschehe im Rahmen der normalen Überwachung des Lufttransportdienstes des Bundes, bei dem die beiden Piloten angestellt sind. (dapd)

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