Experten-Interview: «Subventionen bekommen, weil man Bauer ist»
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Experten-Interview«Subventionen bekommen, weil man Bauer ist»

Das Parlament will die Direktzahlungen für Bauern erhöhen. Der Ökonom Rolf Weder findet, es sei Zeit, den Jungbauern zu signalisieren, dass sie künftig nicht vom Staat finanziert werden.

von
Elisabeth Rizzi
In einem staatlichen Unterstützungssystem gross gewordene Bauern kann man nicht einfach fallen lassen. (Foto: colourbox.com)

In einem staatlichen Unterstützungssystem gross gewordene Bauern kann man nicht einfach fallen lassen. (Foto: colourbox.com)

Bauern kriegen heute mit 2,5 Mia. Fr. fast so viel Direktzahlungen vom Bund, wie die Sozialhilfeausgaben betragen. ­Sehen Sie darin ein Problem?

Rolf Weder: Der Vergleich ist gut. Der Staat verwendet in beiden Fällen Steuergelder, um Personen zu helfen, die selber nicht genug verdienen. Doch die Direktzahlungen für die Bauern sind vermehrt an Leistungen – etwa in der Landschaftspflege – geknüpft.

Ist Landschaftspflege einen solchen Preis wert?

Die Richtung stimmt grundsätzlich schon. Der Teufel liegt jedoch in der detaillierten Ausgestaltung dieser Direktzahlungen. Das Ganze ist im Moment zu kompliziert.

Der Nationalrat will die Landwirtschaft noch stärker subventionieren: 5,6 Mia. Franken Direktzahlungen für 2012/13. Was halten Sie davon?

Das ist sehr viel Geld. Die hohe Zahl zeigt, dass das Schutzniveau der Schweizer Landwirtschaft im internationalen Vergleich extrem hoch ist. Die Erhöhung ist dann kein Fehler, wenn die Direktzahlungen die Preisstützungen über Subventionen und Importschutz wirklich ersetzen.

Was heisst das?

Die Bauern werden zusätzlich zu den genannten Direktzahlungen immer noch über Preisstützungen unterstützt. Ich vermisse also die Botschaft, dass die Preisstützungen eliminiert werden.

Heute gibt es 60 000 Bauernhöfe. 25 000 würden reichen.

Die Tendenz geht in diese Richtung. 1990 gab es noch 90 000. Eine weitere Öffnung wird den Wandel verstärken.

Experten schlagen vor, Subventionen an Jungbauern zu streichen. Sind Sie einverstanden?

Ich glaube, dass man die in einem staatlichen Unterstützungssystem gross gewordenen Bauern nicht einfach «fallen lassen» kann. Jungbauern sollte man aber klar signalisieren, dass sie langfristig nicht damit rechnen können, zwei Drittel ihres Einkommens vom Staat und über staatlich erhöhte Preise zu erhalten.

Man soll sie also schrittweise vom Staatstropf entwöhnen?

Für konkrete, gesellschaftlich gewünschte Leistungen wie im Tierschutz oder in der Landschaftspflege nicht. Streichen sollte man direkt nach der Ausbildung die reinen Transfers – man erhält Subventionen, weil man ein Bauer ist – und die Produktionsunterstützungen.

Das bedeutete, dass viele zu Sozial- bzw. IV-Fällen würden.

Nein. Unternehmerisch denkende Jungbauern in grösseren Betrieben werden ihre Chancen sehen und dem Staat kaum zur Last fallen. Andere steigen gar nicht erst ein.

*Rolf Weder ist Professor für Aussenwirtschaft und Europäische Integration an der Uni Basel.

WAK behandelt Direktzahlungen

In der Wintersession beschloss der Nationalrat, die Landwirtschaft 2012 und 2013 mit mehr Geld zu unterstützen; nämlich mit 6,858 Milliarden Franken. Der Löwenanteil von 5,626 Milliarden soll auf Direktzahlungen entfallen. Heute debattiert die Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) des Ständerats über das konfliktträchtige Thema. 2009 betrug das landwirtschaft­liche Einkommen je Betrieb 60 300 Franken.

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