11.07.2020 11:22

Maddie McCann

Suche nach Leiche in drei Schächten – «fundamentale Beweise» gefunden

Diese Woche führte die portugiesische Polizei im Fall der seit 2007 vermissten Maddie McCann mehrere Suchaktionen durch. Zuvor sei sie auf Material gestossen, das den deutschen Hauptverdächtigen belastet.

von
Ann Guenter
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Diese Woche nahm die Polizei auf der Suche nach der Leiche von Maddie McCann drei Brunnenschächte in der Algarve ins Visier (Foto stammt von einer Suchaktion im Jahr 2014).

Diese Woche nahm die Polizei auf der Suche nach der Leiche von Maddie McCann drei Brunnenschächte in der Algarve ins Visier (Foto stammt von einer Suchaktion im Jahr 2014).

KEYSTONE
Die dreijährige Britin war 2007 aus dem Bett eines Hotelzimmers in Praia da Luz entführt worden.

Die dreijährige Britin war 2007 aus dem Bett eines Hotelzimmers in Praia da Luz entführt worden.

keystone-sda.ch
Erst dieses Jahr trat er als Hauptverdächtiger in Erscheinung: Christian Brückner, der zwischen 1995 und 2017 in der Algarve lebte.

Erst dieses Jahr trat er als Hauptverdächtiger in Erscheinung: Christian Brückner, der zwischen 1995 und 2017 in der Algarve lebte.

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Darum gehts

  • Im Fall Maddie McCann hat die Polizei offenbar «fundamentale Beweise» gefunden.
  • Diese Woche suchte sie in der Algarve in drei Brunnenschächten nach der Leiche des Kindes.
  • Neu weiss man, dass der Hauptverdächtige sich 2017 bei Praia da Luz vor Kindern entblösste.
  • Christian Brückner gilt als «Psychopath mit pädophilen Neigungen».

Die Suchaktionen der Polizei fanden im rund zwanzig Minuten von Praia da Luz entfernten Vila do Bispo statt. Im Visier standen drei Brunnenschächte, wie der portugiesische Staatssender RTP berichtet. Offenbar wurde nicht gefunden, was gesucht wurde. Zuvor habe man aber «fundamentale Beweise» entdeckt, die den Hauptverdächtigen Christian Brückner (43) belasten sollen. Der Deutsche wird verdächtigt, die kleine Britin 2007 aus dem Bett eines Hotelzimmers entführt und wohl auch umgebracht zu haben.

Als die Dreijährige in der Nacht vom 3. Mai 2007 verschwand, lebte der unter anderem wegen Kindesmissbrauchs und Kinderpornographie verurteilte Brückner rund 25 Minuten Fusschmarsch von Praia da Luz entfernt in einem heruntergekommenen Haus auf einem Hügel. Ein Pfad führte zum Strand, an dem die McCanns mit ihren Kindern spielten. Das Haus ist umgeben von stillgelegten Brunnen. 18 Monate, bevor Maddie verschwand, hatte Brückner in der Nähe des Strandes eine 72-jährige Frau vergewaltigt (siehe Karte in der Bildstrecke). In seinem Haus soll er ausserdem ein Mädchen gefesselt und zu Oralverkehr gezwungen haben. Er scheint sich auf wehrlose Opfer fokussiert zu haben, ob alt oder jung. In einem Gutachten des deutschen Bundeskriminalamts BKA wird Brückner als «Psychopath mit pädophilen Neigungen» bezeichnet.

«Es hat als Einbruch begonnen und als Entführung geendet»

Tatsächlich lässt einem ein «Spiegel TV» vorliegender Chatverlauf Brückners alias «WahnsinnderHolger»mit einem Kollegen die Haare zu Berge stehen (siehe Bildstrecke). Seinen Lebensunterhalt in Portugal verdiente sich Brückner durch Drogenhandel und Einbrüche in Hotelanlagen. Es sei wahrscheinlich, so ein Profiler der deutschen Polizei zu «Spiegel TV», dass Brückner, wie er es oft zuvor getan hatte, in das Apartment der McCanns einbrechen wollte: «Es lag günstig an der Strasse, er ist von aussen leicht hinein – und auch wieder weg gekommen und bei dieser Gelegenheit hat er dieses dreijährige Mädchen dort schlafen sehen. Möglicherweise hat sich sein Motiv im Laufe der Tat gewandelt: Es hat als Einbruch begonnen und als Entführung geendet.»

Was Brückner ebenfalls belastet: Maddie war zwischen 21:10 und 22 Uhr verschwunden. In genau dieser Zeitspanne wird mit einem Handy telefoniert, dessen Nummer laut BKA «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Christian Brückner nutzte». Am Tag nach Maddies Entführung meldete er ausserdem sein Auto ab.

2017 in Praia da Luz vor Kindern entblösst

Brückner sitzt derzeit wegen einer anderen Straftat in Zusammenhang mit Drogen in Haft in Deutschland. Letzte Woche hatte die portugiesische Journalistin Sandra Felgueiras publik gemacht, dass er 2017 in der Nähe von Praia da Luz verhaftet worden war, weil er sich vor Kindern entblösst haben soll. Die portugiesische Polizei sah dennoch keinen Anlass, sich im Fall Maddie genauer mit dem Mann zu befassen. Statt dessen verdächtigte der erste mit dem Fall befasste Ermittler die Eltern, Maddie getötet zu haben.

Während die britische Polizei noch immer von einem Vermisstenfall spricht, gehen ihre deutschen Kollegen vom Tod des Mädchens aus.

Parallelen vorhanden?

Die Fälle Tristan und Inga

Mittlerweile untersuchen deutsche Ermittler mögliche Parallelen zu anderen Vermisstenfällen. So überprüft die Frankfurter Staatsanwaltschaft einen möglichen zum Fall Tristan Brübach (13), dessen verstümmelte Leiche 1998 im Frankfurter Stadtteil Höchst gefunden worden war. Zudem untersucht die Staatsanwaltschaft Stendal mögliche Verbindungen zum Verschwinden der fünfjährigen Inga im Jahr 2015. Neben weiteren Fällen in Deutschland machten auch belgische und niederländische Ermittler alte Akten noch einmal auf.

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95 Kommentare
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Guenther

12.07.2020, 08:33

Irgendwie verstörend, dass VERDÄCHTIGE hier mit Namen und Bild präsentiert werden. In einem Rechtsstaat gilt die Unschuldsvermutung. Allzu oft versucht die Polizei Leuten etwas anzuhängen, um den erfolgsdruck loszuwerden. Aber damit die Herkunft von VERURTEILTEN zu nennen, damit haben die Medien offenbar zunehmend Probleme... Es darf eben nicht sein, was nicht sein soll.

Sebi Müller

12.07.2020, 07:55

schlambige Polizeiarbeit von Beginn weg und es endet wohl wegen Verjährung wie der Fall Kristallhöle

tinu

12.07.2020, 07:41

Es wird wohl erst ein bisschen mehr Frieden herrschen, wenn man solche und ähnliche Täter nicht mehr raus lässt. Und darüber hinaus die Knast Bedingungen verschärft, das spricht sich rum und kostet weniger Geld.