Aktualisiert 23.02.2011 12:56

Erdbeben in Neuseeland

Suche nach Überlebenden zu gefährlich

Die Suche nach Überlebenden des Erdbebens von Christchurch ist teilweise abgebrochen worden. 75 Leichen sind bisher geborgen, 300 Menschen werden vermisst.

Allein im Canterbury-Television-Gebäude wurden 50 Menschen vermutet, die nach Einschätzung der Polizei das Beben aber ohnehin nicht überlebt haben dürften. «Wir glauben, dass es dort keine Überlebenschance gab», sagte Einsatzleiter David Lowry.

Die teils ausgebrannte Ruine des Gebäudes drohe einzustürzen und es sei zu gefährlich für die Helfer, dort weiterzusuchen, sagte Lowry. Frühere Berichte, wonach mindestens 15 Menschen in dem Gebäude überlebt hätten, erwiesen sich als falsch.

Die Helfer hätten seit Stunden keinerlei Lebenszeichen aus den Trümmern gehört. In dem Gebäude werden auch elf japanische Studenten vermutet.

Auch das 26-stöckige Grand Chancellor Hotel in der Nähe stand unter akuter Einsturzgefahr. Christchurch wurde immer wieder von deutlich spürbaren Nachbeben erschüttert.

Ausgangssperre

Das Beben war am Dienstagmittag passiert, als in der Innenstadt von Christchurch mit 390 000 Einwohnern Hochbetrieb herrschte. Die Regierung rief den nationalen Notstand aus. Damit erhält das Amt für Zivilverteidigung weitreichende Befugnisse, um die Rettungsaktion mit Kräften aus dem ganzen Land zu koordinieren.

Für Teile von Christchurch wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Wer sich nach 18.30 Uhr Ortszeit noch in dem abgesperrten Gebiet in der Innenstadt auf der Strasse aufhalte, werde festgenommen, kündigte die Polizei am Mittwoch an. Das Gebiet sei zu gefährlich, da dort noch Gebäude vom Einsturz bedroht seien.

Ein Polizeivorsteher erklärt ein Stadtgebiet zur gesperrten Zone:

«Fürchterliches Ausmass»

Regierungschef John Key sprach von «Tod und Zerstörung in fürchterlichem Ausmass». Er hatte das Erdbebengebiet am Dienstag besucht. «Familien haben ihre Angehörigen verloren, Freunde ihre Freunde. Dieser Verlust ist das Schlimmste», sagte Regierungschef Key. «Gebäude sind nur Gebäude, Strassen nur Strassen, aber die Menschen sind unersetzlich.»

Am Mittwoch waren mehr als 200 Retter im Einsatz, um nach Verschütteten zu suchen. 500 weitere waren auf dem Weg nach Christchurch, unter anderem auch aus Australien.

Gut 120 Menschen waren in den Stunden nach dem Beben aus den Trümmern befreit worden. Die Stadtverwaltung richtete an einem Militärstützpunkt eine Leichenhalle ein. 55 Todesopfer seien identifiziert worden, sagte Bürgermeister Bob Parker. Er hoffe, das viele der zunächst vermisst Gemeldeten im Laufe des Tages auftauchen.

Kleine Lichtblicke

Einen Lichtblick konnten die Helfer aus dem schwer beschädigten Pyne-Gould-Guinness-Gebäude melden: Die Australierin Anne Voss wurde nach mehr als 22 Stunden gerettet (siehe Video unten).

Sie hatte sich mit einem Hechtsprung unter ihren Schreibtisch gerettet, war dort aber eingeklemmt. Sie rief ihre Familie und das australische Fernsehen von dort aus mit dem Handy an. Voss hatte andere Überlebende in den Ruinen um Hilfe rufen gehört.

Rettung nach über 24 Stunden in den Trümmern:

(Videos: AP Television) (sda)

Frau 24 Stunden nach Erdbeben aus Trümmern gerettet

Mehr als 24 Stunden nach dem schweren Erdbeben in Neuseeland haben die Rettungskräfte am Mittwoch eine Frau lebend aus den Trümmern geborgen. Unter den Anwesenden brach Jubel aus, als die Büroangestellte aus einem zerstörten Gebäude in der Stadt Christchurch gerettet wurde.

Die Frau wurde sofort zu ihrem Ehemann gebracht, der die Rettungsaktion verfolgt hatte, wie Bürgermeister Bob Parker sagte. Bei dem Beben der Stärke 6,3 kamen am Dienstag mindestens 75 Menschen ums Leben. Mit einem weiteren Anstieg der Opferzahl wurde gerechnet, da noch etwa 300 Menschen vermisst wurden.

Irrtum bei Rettung: Gefundene Frau war nicht Anne Voss

Sydney Jubel über die vermeintliche Rettung eines Erdbebenopfers in Christchurch ist am Mittwoch in Verzweiflung umgeschlagen. Eine Frau, die nach 22 Stunden gerettet worden ist, war nicht diejenige, die sich am Dienstag per Handy bei ihrer Familie und einem Fernsehsender gemeldet hatte.

Die Australierin Anne Voss, die dem Fernsehpublikum berichtete, dass sie eingeklemmt unter einem Schreibtisch auf Rettung warte, wurde entgegen ersten Berichten am Mittwoch noch vermisst, berichteten australische Medien.

Retter hatten im schwerbeschädigten Pyne Gould Guinness-Gebäude eine Frau namens Anne gefunden, die sagte, sie sei unter einem Tisch eingeklemmt. Sie dachten, es handle sich um Anne Voss. In Wirklichkeit war die gerettete Frau Anne Bodkin, berichtete die Polizei später.

Auch sie wurde erst nach 22 Stunden gerettet. Von Anne Voss fehlte dagegen jede Spur. Ihr war in der Nacht die Batterie ihres Handys ausgegangen.

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