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Alkohol-Konsum bei Jugendlichen steigtSuchtexperte appelliert an Behörden – «Bitte schliesst die Schulen nicht!»

Aktuelle Zahlen des Blauen Kreuzes zeigen, dass der Konsum von Alkohol und Tabakprodukten bei Jugendlichen 2020 im Vergleich zum Vorjahr zugenommen hat. Eine mögliche Erklärung ist die Corona-Krise.

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Jugendliche haben gemäss Befragung des Blauen Kreuzes 2020 mehr Alkohol konsumiert als im Vorjahr. 

Jugendliche haben gemäss Befragung des Blauen Kreuzes 2020 mehr Alkohol konsumiert als im Vorjahr.

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Zugenommen hat auch der Konsum von Zigaretten und Shishas.

Zugenommen hat auch der Konsum von Zigaretten und Shishas.

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Die Covid-Krise sei nicht spurlos an den Kindern und Jugendlichen vorbeigegangen, sagt Markus Wildermuth vom Blauen Kreuz: «Gerade wenn die familiäre Situation, etwa aufgrund von Arbeitslosigkeit oder unsicheren Perspektiven instabiler wird, kann dies auch Auswirkungen auf den Substanzkonsum haben.»

Die Covid-Krise sei nicht spurlos an den Kindern und Jugendlichen vorbeigegangen, sagt Markus Wildermuth vom Blauen Kreuz: «Gerade wenn die familiäre Situation, etwa aufgrund von Arbeitslosigkeit oder unsicheren Perspektiven instabiler wird, kann dies auch Auswirkungen auf den Substanzkonsum haben.»

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Darum gehts

  • Laut Zahlen des Blauen Kreuzes ist der Alkohol- und Tabakkonsum bei Jugendlichen im Jahr 2020 gestiegen.

  • Suchtexperte Markus Wildermuth führt die Zunahme unter anderem auf die Corona-Pandemie zurück.

  • Er hofft inständig, dass die Schulen offen bleiben. Andernfalls werde der Suchtmittelkonsum weiter steigen.

Das Blaue Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg befragt im Kanton Bern jährlich Oberstufenschülerinnen und
-schüler im Alter von 12 bis 17 Jahren anonym zu ihrem Suchtmittelkonsum. 2020 gingen bei der Fachorganisation für Suchtfragen Rückmeldungen von insgesamt 974 Jugendlichen ein.

Die Auswertung lässt aufhorchen: Die Konsumzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr teils stark angestiegen. So liegt der Anteil Jugendlicher, die wöchentlich Alkohol konsumieren, bei 4.4 Prozent – 2019 waren es lediglich 1.7 Prozent. Mehr als jeder Zehnte (11.1 %) trinkt monatlich (2019: 5.7 %). Schliesslich gaben mehr als fünf Prozent (5.3 %) an, zumindest zwei Mal betrunken gewesen zu sein (2019: 3.3 %).

«Corona ging nicht spurlos an Jugendlichen vorbei»

Zugenommen hat gemäss aktueller Auswertung auch der Konsum von Zigaretten und Shishas. 6.6 Prozent der Befragten rauchen mindestens einmal im Monat – fast doppelt so viele wie noch im Vorjahr (3.5 %). Zudem griffen 7.7 Prozent monatlich zu Schnupftabak oder Snus (2019: 4.6 %). Nur leicht angestiegen ist hingegen der Konsum von E-Zigaretten und Cannabis.

Markus Wildermuth vom Blauen Kreuz führt den steigenden Alkohol- und Tabakkonsum vor allem auf Corona zurück. «Wir gehen davon aus, dass die Covid-19-Krise nicht spurlos an den Kindern und Jugendlichen vorbeigeht. Gerade wenn die familiäre Situation, etwa aufgrund von Arbeitslosigkeit oder unsicheren Perspektiven instabiler wird, kann dies auch Auswirkungen auf den Substanzkonsum haben», lässt er sich in einer Mitteilung zitieren. Die Erfahrung zeige: Je angespannter die finanzielle Lage der Eltern, desto höher das Risiko von missbräuchlichen Substanzen bei den Kindern.

Höhere Verfügbarkeit von Alkohol

Ausserdem vermutet Wildermuth, dass das gemeinsame Trinken in Zeiten stark beschränkter Freizeit-Optionen als Kompensation dienen könne. Zugespitzt: Fällt das Fussballtraining weg, muss sich die Jugend eben anderswie austoben. Und weil die heimische Minibar infolge des Gastro-Lockdowns tendenziell besser gefüllt war beziehungsweise ist als in normalen Zeiten, ist auch die Verfügbarkeit für den Nachwuchs – beispielsweise bei Hauspartys – grösser als sonst.

Der Suchtexperte appelliert an Bund und Kantone, die Schulen offen zu behalten. Als Ort der sozialen Kontakte seien die Bildungsstätten für das psychische und soziale Wohl der Jugendlichen enorm wichtig. «Eine erneute Schliessung würde die Probleme gerade in jenen Familien zusätzlich verschärfen, die sich ohnehin schon in einer schwierigen Lage befinden», sagt Wildermuth zu 20 Minuten. Und dies wiederum, so befürchtet der Fachmann, würde den Suchtmittelkonsum der Jugendlichen weiter befeuern.

Kantone sollen vorbereitet sein

Zumindest im Moment sieht es nicht nach einem Schul-Shutdown aus. «Wir haben nicht vor die Schulen zu schliessen», erklärte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien. Gleichzeitig stellte er klar, dass diese Frage in der Kompetenz der Kantone liege. Diese müssten sich überlegen, welche Massnahmen in den Schulen getroffen werden könnten, sollte sich die epidemiologische Lage in den kommenden Wochen verschlechtern.

Hast du oder jemand, den du kennst, ein Problem mit Alkohol?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

MyDrinkControl, Selbsttest

(sul)

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47 Kommentare
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Alkis

07.01.2021, 08:44

Wenn die Jugendlichen saufen wollen, dann tun sie es auch. Ob nach der sSchule oder nach dem Fernunterricht spielt keine Rolle. Viele saufen nur, weil es andere auch tun. Mitläufer eben. Das hat mit der Schule nichts zu tun. Niemand zwingt die Jugendlichen zum Saufen, dass tun sie selber. Das Elternhaus ist wohl bei solche Jugendlichen auch nicht das Beste. Man sollte bei den Eltern und bei den Jugendlichen ansetzen. Mir ist es egal wenn solche Aklis sich zu Tode saufen.

Anna Domina der Film

07.01.2021, 08:44

Haben wir nun 8 Millionen Experten in der Schweiz ?

not the only one

07.01.2021, 08:36

hmm, wenn mir langweilig wurde als 16-jährige zu hause bei den eltern auf dem land, habe ich in meinem kleinen zimmer gymnastikübungen gemacht oder englisch gelernt, oder ein buch gelesen, musik gehört oder bin nach draussen pingpong spielen. nun gut, die heutigen 16-jährigen finden das wohl langweilig, sich selber zu beschäftigen.