Aktualisiert

Sudan bricht diplomatische Beziehungen zum Tschad ab

Der Sudan hat den Tschad als Drahtzieher der jüngsten Rebellenangriffe auf seine Hauptstadt gebrandmarkt und die Beziehungen zum Nachbarland abgebrochen.

Die Rebellen aus der Unruheprovinz Darfur würden vom Präsidenten des Tschad, Idriss Deby, unterstützt, sagte Sudans Präsident Omar Hassan al-Baschir am Sonntag im staatlichen Fernsehen. Der Tschad wies eine Verwicklung in die Angriffe vom Samstag zurück.

Die Beziehungen zwischen dem Sudan und dem Tschad waren bereits seit längerem angespannt. Beide Regierungen werfen dem jeweiligen Nachbarland vor, regierungsfeindlichen Rebellen als Rückzugs- und Nachschubgebiet zu dienen.

Der von Unruhen und Rebellenangriffen besonders betroffene Osten des Tschad, in dem auch eine Friedenstruppe der EU im Einsatz ist, grenzt an Darfur. Die von dort stammenden Rebellen der Bewegung Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) drangen am Samstag bis in Vororte der sudanesischen Hauptstadt vor.

Die Regierung verhängte eine Ausgangssperre in Khartum. Am Sonntag wurde diese bis auf den Ort des Angriffs aufgehoben. Dort, im Aussenbezirk Omdurman, suchten Soldaten noch nach versprengten Rebellen. Es war das erste Mal in dem bereits seit Jahrzehnten dauernden Konflikt, dass die Rebellen bis auf die Hauptstadt vorrücken konnten.

Politische Lösung wird komplizierter

Die Afrikanische Union (AU) zeigte sich in einer Stellungnahme «tief besorgt» über die Eskalation des Darfur-Konflikts bis nach Khartum. Der Angriff der Rebellen könne die Bemühungen um eine politische Lösung des Darfur-Konflikts nur weiter komplizieren, warnte die Kommission der AU am Sonntag.

Sie rief alle Konfliktparteien auf, von einer weiteren Eskalation abzusehen und kündigte an, Kommissionspräsident Jean Ping werde in den nächsten Tagen in den Sudan reisen.

Auch die EU verurteilte den jüngsten Gewaltausbruch im Sudan. Es gebe keine militärische Lösung für die Darfur-Krise und die Probleme des Sudans im allgemeinen, erklärte EU-Chefdiplomat Javier Solana am Sonntag in Brüssel.

Die jüngsten Vorfälle könnten jedoch ein Auslöser sein, die Krise in Darfur dauerhaft zu lösen. Dazu gehöre auch die Verbesserung der Beziehungen zum Nachbarland Tschad, sagte Solana weiter.

Internationalen Schätzungen zufolge sind im Darfur-Konflikt in den vergangenen fünf Jahren rund 200 000 Menschen getötet und mehr als zwei Millionen Menschen vertrieben worden. Die überwiegend nicht-arabischen Rebellen werfen der muslimisch dominierten Regierung vor, ihre Siedlungsgebiete zu vernachlässigen und Angriffe arabischer Milizen auf die Dörfer dort zu unterstützen.

(sda)

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