Aktualisiert 27.06.2014 11:29

TodesdrohungenSudanesische Christin flüchtet in US-Botschaft

Die im Sudan zum Tode verurteilte Christin ist nach einer erneuten Festnahme wieder frei. Die Frau sei in der US-Botschaft der Hauptstadt Khartum, sagte ihr Anwalt.

Mariam Jahia Ibrahim Ischag und ihr Mann, ein aus dem Südsudan stammender US-Bürger, suchten Zuflucht auf dem Boden der US-Botschaft in der sudanesischen Haupstadt Khartum. Sie seien nach Todesdrohungen der Ansicht gewesen, dass sie dort in Sicherheit seien, sagt Ischags Anwalt Mohanad Mustafa am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Der Sprecher der Botschaft war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Ischag war am Montag aus dem Gefängnis freigekommen, nachdem ein Berufungsgericht das Todesurteil gegen sie aufgehoben hatte. Am Dienstag wurde sie am Flughafen von Khartum jedoch erneut festgenommen, als sie zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen Kindern in die USA ausreisen wollte.

Nach Angaben ihres Anwalt darf Ischag das Land vorerst nicht verlassen, weil sie sich in einem Strafverfahren wegen Urkundenfälschung verantworten muss.

Die 26-Jährige war festgenommen worden, weil sie mit einem südsudanesischen Pass ausreisen wollte. Nach Auffassung der sudanesischen Behörden ist das illegal. Die südsudanesische Botschaft in Khartum erklärte dagegen, die Papiere seien gültig.

Im Gefängnis Tochter geboren

Ischag war Mitte Mai zum Tod durch den Strang verurteilt worden, weil sie nach sudanesischem Recht durch die Heirat mit einem Christen vom islamischen Glauben abgefallen war.

Die junge Frau wurde ausserdem wegen Ehebruchs zu einhundert Peitschenhieben verurteilt. Zwölf Tage später brachte sie im Gefängnis in Ketten eine Tochter zur Welt. Politiker und Menschenrechtsorganisationen hatten sich für ihre Freilassung eingesetzt.

Laut der sudanesischen Auslegung des islamischen Rechts der Scharia darf eine Muslimin keinen Christen heiraten. Tut sie es dennoch, wird dies als Ehebruch gewertet.

Ischag wurde von ihrer äthiopischen Mutter im christlich-orthodoxen Glauben erzogen, nachdem ihr muslimischer Vater die Familie verlassen hatte, als sie fünf Jahre alt war. Im Sudan gelten Kinder eines muslimischen Vaters jedoch automatisch als Muslime, der Übertritt zu einem anderen Glauben ist verboten. (sda)

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