Südafrika: Das «Halsband» kehrt zurück
Aktualisiert

Südafrika: Das «Halsband» kehrt zurück

Die brutalen Übergriffe auf Einwanderer in Südafrika haben bereits über 40 Menschen das Leben gekostet. Dabei tauchte eine grausame Methode wieder auf, die zu Zeiten der Apartheid häufig angewendet wurde.

Seit Donnerstag patroulliert die südafrikanische Armee in den Townships von Johannesburg. Sie soll die gewalttätigen Übergriffe auf Einwanderer und Flüchtlinge aus anderen Teilen Afrikas unterbinden. Allein aus Simbabwe sollen rund drei Millionen Menschen vor der politischen und wirtschaftlichen Misere nach Südafrika geflohen sein.

Die dortige Bevölkerung sieht in den Neuankömmlingen eine unerwünschte Konkurrenz um die knappen Arbeitsplätze. Mehr als 40 Prozent der Südafrikaner leben in Armut. Die unwürdigen Wohnverhältnisse in den Townships und steigende Lebensmittelpreise heizten die Ressentiments zusätzlich an. Über das Ausmass und die Brutalität der Übergriffe der letzten Tage zeigen sich jedoch selbst Beobachter in Südafrika ratlos.

Strafe für «Kollaborateure»

Ein Aspekt wirkt dabei besonders verstörend. Gemäss Medienberichten kam auch das «Halsband» zur Anwendung. Hinter diesem beschönigenden Ausdruck verbirgt sich eine grausige Mordmethode: Ein mit Benzin gefüllter Autoreifen wird den Opfern um den Hals gelegt und angezündet. Während der Apartheid in den 80er und 90er Jahren wurde sie in den Townships oft angewendet, um «Kollaborateure» und Kriminelle zu bestrafen.

Häufig wurden solche Lynchmorde im Namen des African National Congress (ANC) verübt, der heutigen Regierungspartei. Nelson Mandelas Ex-Frau Winnie soll sie gebilligt haben, schreibt die «Daily Mail». Heute sind Simbabwer und Moçambiquaner die Opfer. Angesichts der Gewalt versuchen viele, in ihre Heimat zurückzukehren. Eine Frau aus Simbabwe erzählte der BBC, wie ein Mann aus Moçambique in seiner Hütte bei lebendigem Leib verbrannt wurde: «Seine Schreie verfolgen mich. Ich habe eine solche Barbarei noch nie erlebt.»

Politiker aus allen Lagern haben die Gewalt verurteilt. Erzbischof Desmond Tutu erinnerte daran, dass die Nachbarländer während der Apartheid viele südafrikanische Flüchtlinge aufgenommen hatten. Die Unruhen werden als schwerer Rückschlag für Südafrika gesehen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Fussball-WM, die in zwei Jahren stattfinden soll.

(pbl)

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