Südafrikas Goldindustrie glänzt nicht mehr

Aktualisiert

Südafrikas Goldindustrie glänzt nicht mehr

Der Welt grösster Edelmetall- Produzent steckt in einer tiefen Krise: Im April hatte Südafrikas Bergbau- Industrie mit einer Jahresproduktion von 342,7 geförderten Tonnen Gold einen historischen Tiefststand verzeichnet, den es so seit 1931 nicht mehr gegeben hatte.

Bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal des Jahres lag die Produktion mit 72 Tonnen um weitere 18 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Am Kap schrillen die Alarmglocken.

Entlassungen

Die Branche, die rund 15 Prozent der weltweiten Goldförderung repräsentiert und noch gut fünf Prozent zu Südafrikas Bruttoinlandprodukt beisteuert, leidet unter der starken Landeswährung und entlässt in grossem Umfang Arbeiter.

Der Chefökonom der Johannesburger Bergwerkskammer, Roger Baxter, begründete bei der Vorstellung der jüngsten Zahlen den Rückgang mit den bekannten Problemen durch die währungsbedingte Umstrukturierung. Obwohl der Goldgehalt des geförderten Gesteins ebenso wie der Kilopreis für das gelbe Metall zunahmen, stiegen die Betriebskosten ebenfalls weiter.

Zwar erzielte die Branche pro Kilogramm Gold einen Profit von 17 000 Rand (2150 Euro). Doch bei Berücksichtigung der hohen Kosten für den Umstrukturierungsprozess ergab sich ein Verlust von 1438 Rand (182 Euro) pro gefördertem Kilogramm Gold.

Problem Landeswährung

Ein weiterer Grund: Kosten entstehen der Branche in der Landeswährung Rand, der Erlös wird in Dollar erzielt. Doch der Rand gewann seit 2002 um 43 Prozent an Wert. Sein nachhaltiges Erstarken macht grossen Teilen der Wirtschaft am Kap zu schaffen und verursacht bei Unternehmern und Gewerkschaftern gleichermassen Sorgen.

Denn die mit durchaus guten Wirtschaftsdaten glänzende Volkswirtschaft verliert Arbeitsplätze, obwohl sie angesichts der Massenarbeitslosigkeit im Lande dringend neue schaffen müsste.

Der Goldbergbau, der vor gut 100 Jahren zur Gründung der Stadt Johannesburg führte, war zu Zeiten der Apartheid einer der wichtigsten Arbeitgeber für ungelernte Südafrikaner.

Beim kostspieligen und mühsamen Abbau des Edelmetalls aus zum Teil bis zu drei Kilometern Tiefe hatten die Unternehmen damals von der Bereitstellung billiger schwarzer Arbeitskräfte profitiert. Heute beschäftigt die Industrie weniger als 100 000 Menschen.

Elf Jahre nach der demokratischen Wende am Kap steht die Branche zudem unter dem Einfluss des Wandels, der ihr nach dem Willen der Regierung durch ein Quotensystem zunehmend schwarze Manager und Aktionäre bescheren soll.

Streik

Beim ersten branchenweiten Streik seit 18 Jahren, der den Goldbergbau am Kap vor wenigen Wochen erschütterte, haben die Bergarbeiter gerade Lohnerhöhungen zwischen sechs und sieben Prozent durchgesetzt. Doch zehntausende Kumpel haben ihren Arbeitsplatz bereits verloren, und zehntausenden anderen droht bei anhaltendem Rückgang der Produktion ebenfalls die Entlassung.

(sda)

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