Winkt jetzt sogar die WM?: Südamerikaner feiern Schweizer als «Peru-Özil»
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Winkt jetzt sogar die WM?Südamerikaner feiern Schweizer als «Peru-Özil»

Noch vor wenigen Wochen sass Robin Wildhaber (20) bei Promotion-League-Club Bellinzona auf der Ersatzbank. Jetzt träumt der ehemalige Junioren-Internationale von einer WM-Teilnahme mit Peru.

von
Florian Gnägi
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Robin Wildhaber will hoch hinaus.

Robin Wildhaber will hoch hinaus.

UTC La Cajamarca
Der 20-Jährige spielte noch bis vor kurzem für die AC Bellinzona in der Promotion League.

Der 20-Jährige spielte noch bis vor kurzem für die AC Bellinzona in der Promotion League.

Website AC Bellinzona
Seit März ist er nun bei Universidad Técnica de Cajamarca in Perus höchster Liga unter Vertrag.

Seit März ist er nun bei Universidad Técnica de Cajamarca in Perus höchster Liga unter Vertrag.

Instagram/UTC_paginaoficial

Darum gehts

«Ich musste unter Polizeischutz aus dem Stadion getragen werden, da mich die gegnerischen Fans beleidigt und provoziert haben», schildert Robin Wildhaber im Gespräch mit 20 Minuten die Szene, als er bei seinem Debüt für Universidad Técnica de Cajamarca in der höchsten peruanischen Liga beim Gastspiel in Ayacucho nach wenigen Minuten verletzt ausgewechselt werden musste.

Der 20-jährige Berner drückte noch vor wenigen Monaten bei Bellinzona die Ersatzbank in der Promotion League und ist nun mittendrin im südamerikanischen Profifussball. Die harte Gangart in Peru bekam der junge Berner sofort zu spüren. Schon vor der Szene, bei der er sich verletzte, ging es hoch zu und her. Unter höhnischem Applaus der Ayacucho-Supporter habe er schon beim ersten Ballkontakt einen Ellbogen eines Gegenspielers ins Gesicht abbekommen, schildert Wildhaber.

Alex Frei als Mentor

Cajamarca ist eine Stadt im Nordwesten Perus, gelegen auf 2750 Meter über Meer und bekannt für sein sonniges Klima. Bislang noch weniger bekannt ist, dass hier auch grosse Fussball-Karrieren starten können. Wildhaber hat die Hoffnung, genau dies zu schaffen. Der frühere Schweizer Junioren-Nationalspieler wechselte im März in die Heimat seiner Mutter, um dort einen neuen Anlauf zu nehmen, sich im Profifussball durchzusetzen. 

Der bekennende YB-Fan durchlief einst die Nachwuchsabteilungen bei den Young Boys und dem FCB, wo ihn Nati-Rekordtorschütze Alex Frei als Trainer der Basler U-18 unter seinen Fittichen hatte und dem aufstrebenden Talent bis heute als wichtiger Ratgeber zur Seite steht. In der abgelaufenen Vorrunde fungierte der Berner (mehrheitlich als Ergänzungsspieler) im Kader der AC Bellinzona in der Promotion League, bevor er in den Weihnachtsferien in Peru mit Vertretern der peruanischen Junioren-Nationalmannschaft in Kontakt kam.

Vergleiche mit Özil und grosse Fussball-Euphorie in Peru

«Eigentlich hätte ich schon früher für die U-20 von Peru aufgeboten werden sollen, wegen der Corona-Pandemie klappte das leider nicht», meint der 20-Jährige. Verbandsvertreter haben ihm vor Ort die Infrastruktur der Nationalmannschaften gezeigt. Berater vermittelten ihm dann den Kontakt zu «UTC», wie Universidad Técnica de Cajamarca abgekürzt genannt wird. Ein leihweiser Transfer kam zu Stande.

Wie bei seinem Debüt in Ayacucho musste sich der Offensivspieler auch nach der Bekanntgabe seines Wechsels mit Fan-Reaktionen auseinandersetzen. Auf diversen Online-Portalen kritisierten einige den Transfer eines «verheissungsvollen Talentes in eine mittelmässige Liga», andere hingegen freuten sich. Viele Fans verglichen Wildhaber wohl auch wegen einer gewissen optischen Ähnlichkeit mit einem deutschen Weltmeister und feierten den Neuzugang als «peruanischen Mesut Özil» ab.

Fussball geniesst gemäss dem Offensivspieler in Peru einen immens grossen Stellenwert. Die drei besten Clubs in Lima zählen mehrere Millionen Sympathisanten, bei Cajamarca selber kommen immerhin 10’000 bis 15’000 Fans regelmässig in die Stadien. «Spätestens seit Peru in der WM-Quali Kolumbien hinter sich liess, ist die Fussball-Euphorie im Land riesig», erzählt der Schweiz-Peruaner. Bei einem Sieg im Playoff gegen Australien oder die Vereinigten Arabischen Emirate verbunden mit dem definitiven Ticket für Katar würde jene wohl noch grösser werden, so der 20-Jährige.

WM-Teilnahme als Traum

Wildhaber absolvierte einst drei Länderspiele für die Schweizer U-15-Nati. Nun habe er sogar bereits Kontakt mit Leuten von Perus A-Nationalmannschaft gehabt, wie er auf Nachfrage bestätigt. «Gerade bei jungen Spielern wie mir ist die Chance gross, nach fünf bis sechs guten Partien für die Nationalmannschaft aufgeboten zu werden. Die Möglichkeit ist auf jeden Fall da, das haben sie mir gesagt.»

Eine allfällige WM-Teilnahme mit der «Rojiblanca» sei natürlich ein Riesen-Traum sagt der «Peru-Özil», aber auch mit der U-23-Auswahl ans olympische Turnier in Paris 2024 zu reisen, sei ein Fernziel, das ihm von Verbandsseite in Aussicht gestellt worden sei.

Wildhaber betont trotz seinen Peru-Plänen, dass er sich immer noch sehr verbunden zur Schweiz und speziell zu Bern fühle. «Müsste ich mich für ein Land entscheiden, würde mir der Entscheid schwerfallen», offenbart der ambitionierte Kicker mit zwei Herzen in seiner Brust.

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