Letzigrund: Südkurve soll Stühle wieder anschrauben

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LetzigrundSüdkurve soll Stühle wieder anschrauben

Um Stehplätze zu schaffen, legten die Fans der Südkurve am Samstag im Letzigrund selber Hand an. Ab heute sollen sie die Stühle selber wieder montieren, fordert der Stadionmanager.

von
Marco Lüssi

Die Aktion kam überraschend und war generalstabsmässig geplant: Vor dem Spiel FCZ – St. Gallen schraubten die Fans von der Südkurve – versteckt unter einer riesigen FCZ-Fahne – über 2000 Stühle in den Sektoren D24 bis 27 ab. Sie seien gezwungen, ihren Wunsch nach Stehplätzen selber zu verwirklichen, begründeten die Südkurven-Vertreter den Griff zum Schraubenschlüssel: «Jahrelang wurden wir vertröstet, Politiker und Stadionmanagement schoben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu.»

Stadionmanager Peter Landolt sprach gestern gegenüber 20 Minuten von einer «originellen Demonstration». Zugleich verwies er aber da­rauf, dass die Aktion nicht ungefährlich gewesen sei: «Zum Glück gab es keine Verletzten. Gerade Kinder hätten bei Massenbewegungen in den Sektoren ohne Stühle niedergetrampelt werden können.» Zudem will Landolt klären, wie es möglich war, das nötige Werkzeug ins Stadion zu schmuggeln – passiert sei dies vermutlich bereits vor dem Spieltag.

Dass die Sache für den FCZ als verantwortlichen Stadionmieter ein kostspieliges Nachspiel haben werde, könnten die Fans verhindern, sagt Landolt: «Für Montagmittag erwarte ich die Antwort der Südkurven-Vertreter, ob sie dazu bereit sind, die Stühle unter unserer Aufsicht selber wieder anzuschrauben.»

Für das U2-Konzert im Letzigrund vom 11. September würden diese Sitze wieder gebraucht. Ob die Südkurve auf diese Forderung eingehen wird, liess sie gestern auf Anfrage offen.

Lauber: «Gespräch mit Fans suchen»

Gerold Lauber (CVP) war beeindruckt vom Organisationstalent der Südkurve: «Das haben sie sehr gut gemacht», kommentiert Zürichs Sportvorsteher gegenüber 20 Minuten die Aktion, die er selber im Stadion miterlebt hat. Lauber will nun das direkte Gespräch mit den Fans suchen. Dabei werde es auch darum gehen, ihnen zu erklären, dass die Schaffung von Stehplätzen nicht so einfach sei: «Die Sicherheitsfrage müsste geklärt werden, und es würden hohe Kosten entstehen.» Er könne sich nicht vorstellen, dass der Steuerzahler bereit sei, diese zu übernehmen – zudem werde wohl in wenigen Jahren ein neues Stadion in Betrieb genommen. Dass der FCZ die Kosten für Stehplätze im Letzi tragen würde, will Sprecher Giovanni Marti nicht ausschliessen. Es sei ein grosser Wunsch des FCZ-Präsidenten, dass es im geplanten Stadion auf dem Hardturm Stehplätze geben werde. (lüs)

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