Kommentar: Südkurve, wir müssen reden!
Aktualisiert

KommentarSüdkurve, wir müssen reden!

Knallkörper, Pyros, Spielunterbruch, Familien, die fluchtartig das Stadion verlassen. Ein paar Dutzend Idioten nehmen den Fussball in Geiselhaft.

von
S. Compagno
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Sonntag, 12. April 2015
Sonntag, 12. April 2015

Der Klassiker zwischen Basel und dem FCZ wird von einem Spielunterbruch nach Petarden-Würfen überschattet.

Keystone/Patrick Straub
Schiedsrichter Sascha Amhof unterbricht das Spiel in der zweiten Halbzeit beim Stand von 3:1.

Schiedsrichter Sascha Amhof unterbricht das Spiel in der zweiten Halbzeit beim Stand von 3:1.

Keystone/Georgios Kefalas
Zusammen mit den beiden Teams kommt der Schiedsrichter zum Schluss, dass die Sicherheit im St. Jakob-Park nicht mehr gewährleistet ist.

Zusammen mit den beiden Teams kommt der Schiedsrichter zum Schluss, dass die Sicherheit im St. Jakob-Park nicht mehr gewährleistet ist.

Claudia Minder/freshfocus

Erneut knallt es beim Klassiker FCB gegen FCZ. Und erneut sind es Zürcher Chaoten, die Stunk machen. Die Liga verspricht ein erstes Urteil «innerhalb von 4 Wochen». Das dürfte dann eine Geldstrafe für den FC Zürich sein, vielleicht wird sogar für ein oder zwei Spiele die Südkurve gesperrt. Fall abgeschlossen, Stempel drauf, Unterschrift, Fräulein, einen Kaffee bitte!

Um eines klarzustellen: Die Gewalt im Schweizer Fussball ist kein neues Phänomen. Und sie ist in den letzten Jahren auch nicht schlimmer geworden. Aber sie ist ein steter, unerwünschter Begleiter in unseren Fussballstadien. Was also ist zu tun?

Die Selbstregulierung der Kurven ist gescheitert. Das ist keine Überraschung: Wer hat schon Lust, sich eine blutige Nase zu holen beim Versuch, einen vermummten Chaoten argumentativ davon abzuhalten, Böller zu schmeissen? Die Aussperrung von Gäste-Fans, wie sie nach den Vorkommnissen vom St.-Jakob-Park gefordert wird, kann keine Lösung sein. Zu viele friedliche Supporter würden von dieser Kollektivstrafe betroffen.

Trotzdem: So kann es nicht weitergehen. Härte ist gefordert, von den Behörden, aber auch von den Klubs. Das Stadion darf nicht länger ein rechtsfreier Raum sein. Die Swiss Football League muss den Weg gehen, den die englische Premier League beschreitet, und zwar mit allen Konsequenzen:

• Tickets nur noch gegen Identitätsnachweis.

• Keine Stehplätze mehr, nur noch Sitzplätze.

• Ein Heer von Stewards sorgt dafür, dass jeder auf dem Platz sitzt, der auf seinem Ticket aufgedruckt ist.

• Vermummungen werden nicht toleriert.

• Während des Spiels steht keiner auf.

• Wer sich nicht an die Regeln hält, fliegt raus.

Auf der Strecke bliebe in diesem Fall die lateinisch geprägte Fan-Kultur in unserer Liga. Das ist schade, aber der Schweizer Fussball wird das überleben. Eher als die ewig gleichen Bilder von randalierenden Dummköpfen.

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