Cavalier King Charles Spaniels - Süss, aber oft schwer krank – keine Hunderasse hat mehr Genmutationen
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Cavalier King Charles SpanielsSüss, aber oft schwer krank – keine Hunderasse hat mehr Genmutationen

Grosse Kulleraugen und flauschige Schlappohren machen Cavalier King Charles Spaniels aus. Doch ausgerechnet diese Merkmale werden ihnen zum Verhängnis. Denn diese sind das Resultat jahrelanger Überzüchtung.

von
Fee Anabelle Riebeling
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So tragen sie mehr krankheitsverursachende Genmutationen in sich als andere Hunderassen, wie Forschende aus Schweden nachgewiesen haben.

So tragen sie mehr krankheitsverursachende Genmutationen in sich als andere Hunderassen, wie Forschende aus Schweden nachgewiesen haben.

Wikimedia Commons/Andrew Branch/PD
Die Hunde haben damit beispielsweise ein erhöhtes Risiko für eine bestimmte Herzerkrankung, die sogenannte myxomatöse Mitralklappenerkrankung, kurz MMVD.

Die Hunde haben damit beispielsweise ein erhöhtes Risiko für eine bestimmte Herzerkrankung, die sogenannte myxomatöse Mitralklappenerkrankung, kurz MMVD.

Wikimedia Commons/Andrew Branch/PD
Zudem werden sie häufiger wegen Epilepsie, Herz- und Kreislaufbeschwerden und Verhaltensstörungen beim Tierarzt vorstellig.

Zudem werden sie häufiger wegen Epilepsie, Herz- und Kreislaufbeschwerden und Verhaltensstörungen beim Tierarzt vorstellig.

Wikimedia Commons/Andrew Branch/PD

Darum gehts

  • Zuchthunde weisen oftmals gesundheitliche Probleme auf.

  • Die Cavalier King Charles Spaniels bilden da keine Ausnahme.

  • Laut einer neuen Studie sind sie sogar die Hunderasse mit den meisten schädlichen Genmutationen.

Die besten Freunde des Menschen wurden nicht immer wie Freunde behandelt: Dank Zucht haben sich viele Hunderassen im Lauf der Zeit ganz schön verändert. Und das nicht immer zum Guten. Das belegen Forschende der schwedischen Uppsala Universität am Beispiel der Hunderasse Cavalier King Charles Spaniels: Die Art weist mehr krankheitsverursachende Mutationen als jede andere Hunderasse auf.

Für die im Fachjournal «Plos Genetics» erschienene Studie hat das Team um Erik Axelsson das Genom von 20 Hunden acht gängiger Rassen untersucht, darunter Beagle, Deutscher Schäferhund und Golden Retriever.

Ganze Palette von Krankheiten

Axelsson und seine Kolleginnen und Kollegen stiessen dabei unter anderem auf solche Genvarianten, die mit der sogenannten myxomatösen Mitralklappenerkrankung (MMVD, siehe Box) in Verbindung stehen, die bei Vertretern der, auch in der Schweiz beliebten Spanielart, häufig vorkommt. Grundsätzlich könne eine MMVD zwar gut behandelt werden, so Julika Fitzi, Veterinärin und tierärztliche Beraterin beim Schweizer Tierschutz (STS). «Allerdings nur, wenn sie frühzeitig diagnostiziert wird und die Gewebeschäden noch nicht zu stark ausgeprägt sind.» Doch die Erkrankung werde oft erst viel zu spät erkannt.

Die MMVD ist allerdings nicht das einzige Leiden, mit dem sich die Spaniels plagen. «Sie werden häufiger wegen Epilepsie, Herz- und Kreislaufbeschwerden und Verhaltensstörungen vorstellig», sagt Fitzi, die in ihrer Praxis schon mehrfach mit Vertretern der Art zu tun hatte. «Manche haben auch einen Wasserkopf mitsamt den damit verknüpften neurologischen Problemen.» Dazu zählen unter anderem Koordinationsstörungen, Sehstörungen, Schielen und Kopfschmerzen.

Was ist MMVD?

Die MMVD ist unter verschiedenen Namen bekannt: Mitralklappenendokardiose, myxomatöse Mitralklappenerkrankung, chronisch degenerative Mitralklappenerkrankung, DMVD und myxomatöse Klappendegeneration. Sie alle beschreiben jedoch dasselbe Krankheitsbild: eine degenerative Erkrankung des Herzens, bei der die Herzklappe zunehmend zerstört wird. Das sorgt dafür, dass Blut aus der linken Herzkammer zurück in den linken Vorhof fliesst. Auf Dauer führt das zu einer Überlastung des Herzens. Betroffen sind von MMVD vor allem kleine Hunderassen wie Dackel, Pudel, Yorkshire Terrier und Chihuahua.

Mindestens 1000-jährige Zuchtgeschichte

Dass die Cavalier King Charles Spaniels derart viele schädliche Gene aufweisen, führen Axelsson und seine Kollegen auf deren mindestens 1000-jährige Zuchtgeschichte zurück (siehe Box). Immer wieder habe es «Flaschenhälse» gegeben, bei denen nur ein kleiner Prozentsatz der Population seine Gene an die nächste Generation weitergegeben habe, zitiert Sciencedirect.com aus der Studie: «Diese Engpässe könnten dazu geführt haben, dass die schädlichen Gene im Genom des Cavalier King Charles Spaniels häufiger vorkamen, bevor der Hund schliesslich 1945 als Rasse anerkannt wurde.»

Beliebt bei Hofe

Cavalier King Charles Spaniels zählten mehrere 100 Jahre zu den beliebtesten Hunden an den königlichen Höfen in Asien und Europa. Schriftliche Erwähnungen finden sich auch in 500 Jahre alten Aufzeichnungen aus Grossbritannien. Die kleinen Spaniels gelten als direkte Nachfahren der Hunde des britischen Hochadels. König Charles I. (1600-1649) liess seine Vierbeiner gar in einem Gemälde neben seinen Kindern verewigen.

Bei den Cavalier King Charles Spaniels handelt es sich um eine sogenannte «Nasenvariante» des King Charles Spaniel. Das heisst: Er hat eine längere Nase als dieser und ist nach Rassestandard durchschnittlich auch etwas grösser. (DPA/fee)

Zwei Cavalier King Charles Spaniels im Gemälde «Bildnis der Kinder Karls I.» von Anthonis van Dyck (1635). Das Bild ist Teil der Royal Collection im Schloss Windsor.

Zwei Cavalier King Charles Spaniels im Gemälde «Bildnis der Kinder Karls I.» von Anthonis van Dyck (1635). Das Bild ist Teil der Royal Collection im Schloss Windsor.

Wikimedia Commons/PD

Gesundheitliche Probleme treten bei Zuchthunden häufig auf. Denn um den Schönheitsidealen der Menschen zu entsprechen, wurde oft Inzucht betrieben. Das führte dazu, dass die Tiere vermehrt genetisch bedingte Krankheiten vererben. Beispiele dafür sind etwa die in den Sozialen Medien gehypten Teetassen-Hunde, Möpse oder Französischen Bulldoggen, American-Staffordshire-Terrier und Labradore mit besonderen Fellfarben:

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Keine Frage: Labradore in anderen als den klassischen Farben sind schön und edel anzusehen. Doch für die aussergewöhnliche Färbung zahlen einige der Tiere einen hohen Preis. Um eine solche Farbe zu erhalten, implantieren Züchter den Tieren ein spezielles Gen. (Im Bild: Ein Exemplar mit der Färbung Charcoal)

Keine Frage: Labradore in anderen als den klassischen Farben sind schön und edel anzusehen. Doch für die aussergewöhnliche Färbung zahlen einige der Tiere einen hohen Preis. Um eine solche Farbe zu erhalten, implantieren Züchter den Tieren ein spezielles Gen. (Im Bild: Ein Exemplar mit der Färbung Charcoal)

Instagram/castorcontent
Das Dilute-Gen (engl. «to dilute»: verdünnen) sorgt für eine Aufhellung des Originalfellfarbtons. Dadurch wird aus Braun Silber, aus Schwarz Charcoal und aus Gelb der Farbton Champagner. (Im Bild: Labrador mit der Fellfarbe Champagne)

Das Dilute-Gen (engl. «to dilute»: verdünnen) sorgt für eine Aufhellung des Originalfellfarbtons. Dadurch wird aus Braun Silber, aus Schwarz Charcoal und aus Gelb der Farbton Champagner. (Im Bild: Labrador mit der Fellfarbe Champagne)

Instagram/torontolabradorpuppies
Doch das Gen, das weder bei Labradoren ... (Im Bild: silberfarbener Labrador)

Doch das Gen, das weder bei Labradoren ... (Im Bild: silberfarbener Labrador)

Instagram/kovaandkayda

Entsprechend rät Fitzi beim Kauf von Zuchttieren, besondere Vorsicht walten zu lassen. «Ich stehe dem schon kritisch gegenüber, gehe aber davon aus, dass seriöse Züchter versuchen werden, durch entsprechende Zuchtauslese diese Prädispositionen und Erbkrankheiten so gut es geht zu eliminieren. Es gibt sicher Zuchtlinien, die ohne eine Vergrösserung des Genpools nicht mehr zur Zucht verwendet werden sollten.»

Dass es unter den Cavalier King Charles Spaniels auch gesunde Tiere gibt, will die Veterinärmedizinerin nicht ausschliessen. «Aber sie können trotzdem noch die genetischen Anlagen für bestimmte Krankheitsbilder vererben, wenn sie zur Zucht eingesetzt werden, und dann zeigen sich die Symptome erst beim Nachwuchs oder sogar ‹nur› bei einem Teil des Nachwuchses.» Daher sei es wichtig, dass Züchter ihre Nachzucht genau im Auge behalten «und alle diagnostischen Möglichkeiten ausschöpfen, um (Erb)Krankheiten frühzeitig und sicher vor dem Zuchteinsatz zu erkennen und die Zuchttiere entsprechend sorgfältig auszuwählen.»

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