05.07.2014 15:26

Fiese Masche

Suissephone nutzt Ähnlichkeit zu Swisscom

Zum Geschäftskonzept des Telefonanbieters Suissephone scheint es zu gehören, Verwechslungen mit der Swisscom hervorzurufen. Gegen die Firma sind mehrere Strafanzeigen hängig.

von
Sarah Weissmann
Die Firma Suissephone legt Kunden am Telefon rein.

Die Firma Suissephone legt Kunden am Telefon rein.

«Ein Mitarbeiter der Telekommunikationsfirma hat bei meiner Frau angerufen und ihr ein besonderes Abo-Angebot vorgeschlagen: 60 Freiminuten pro Monat in ein ausländisches Telefonnetz nach Wahl», berichtet ein 20-Minuten-Leser über ein Telefonat mit einem Suissephone-Mitarbeiter.

Der Mann am Telefon habe sich als Swisscom-Mitarbeiter vorgestellt. «Mein Frau hat ausdrücklich nachgefragt, ob es sich um ein Vertragsangebot von der Swisscom handelt. Der Mann hat bejaht», so der Leser. Der Mann am Telefon habe seine Frau während des gesamten Gesprächs in diesem Glauben gelassen.

«Die Firma geht mit betrügerischer Absicht vor»

Das Ehepaar hat im Telefonbuch, neben ihrer eingetragenen Telefonnummer einen Stern, der besagt, dass Werbung nicht erwünscht ist. Nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb ist es bei einem solchen Vermerk gesetzlich verboten, unerwünschte Werbung zu betreiben.

Da das Paar bereits ein Festnetz-Abo bei der Swisscom abgeschlossen hatte, sei seine Frau auch davon ausgegangen, dass es sich nur um die Swisscom handeln könne, «nur diese wäre berechtigt, uns ein neues Angebot zu machen.» Die Frau hat in eine vermeintliche Ergänzung des Swisscom-Angebots eingewilligt - zwei Tage später kam ein Schreiben der Firma Suissephone, in dem sie als Kundin begrüsst wurde.

Bei der Stiftung für Konsumentenschutz ist das Problem bestens bekannt. «Wir haben sehr viele Fälle, bei denen die Menschen auf diese Art reingelegt wurden», erklärt Geschäftsleiterin Sara Stalder. Es handle sich dabei um ein Ärgernis von grossem Ausmass für die Betroffenen. «Bei uns erweckt es den Eindruck, dass die Firma mit betrügerischer Absicht vorgeht. Sie müsste vom Markt genommen werden», so Stalder.

Die Stiftung für Konsumentenschutz habe die Firma Suissephone auch schon eingeklagt wegen Missachtung des Sterneintrags im Telefonverzeichnis. Der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft.

Auch der 20-Minuten-Leser hat Strafanzeige erstattet: «Diese Firma geht mit verbotenen Mitteln vor und macht sich dadurch strafbar. Das muss gestoppt werden.» Die zuständige Staatsanwaltschaft hat den Eingang der Strafanzeige bestätigt; nun werde geprüft, ob ein Verfahren eröffnet wird. Der zuständige Staatsanwalt hat Kenntnis davon, dass dies in anderen Kantonen der Fall ist.

Swisscom verweist auf Bakom

Auch laut Oliver Schulze, Sprecher Swisscom, kommen solche Fälle immer wieder vor. «Wir raten den von Anbietern getäuschten Kunden, den Ratschlägen des Bundesamts für Kommunikation zu folgen.» Swisscom sei prinzipiell der Meinung, dass der Gesetzgeber ein sehr wettbewerbsfreundliches Instrument für einen reibungslosen Anbieterwechsel geschaffen habe. «Voraussetzung ist allerdings, dass alle Anbieter mit fairen Mitteln die Kundenakquisition betreiben», so Schulze.

Suissephone war auf Anfrage von 20 Minuten nicht bereit zu einer Stellungnahme zu den Vorwürfen.

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