Neue Zahlen: Erstmals seit 60 Jahren haben weniger als 1000 Schweizer Suizid begangen

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Neue ZahlenErstmals seit 60 Jahren haben weniger als 1000 Schweizer Suizid begangen

Trotz Pandemie, Isolation und Zuhausebleiben ist die Zahl der Suizidfälle im Jahre 2020 gesunken. Die Sterbehilfe hingegen wurde öfter in Anspruch genommen.

von
Christina Pirskanen
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Das Jahr 2020 war für viele Menschen schwierig: Corona-Pandemie, Isolation und Schutzmassnahmen waren Alltag.

Das Jahr 2020 war für viele Menschen schwierig: Corona-Pandemie, Isolation und Schutzmassnahmen waren Alltag.

20min/Marco Zangger
Aufgrund der Einschränkungen während der Pandemie wurden Befürchtungen laut, dass die Suizidrate stark ansteigen könnte.

Aufgrund der Einschränkungen während der Pandemie wurden Befürchtungen laut, dass die Suizidrate stark ansteigen könnte.

BZ
Dies ist nicht der Fall: Seit über 60 Jahren sank die Suizidrate erstmals wieder auf unter 1000 Fälle für das Jahr 2020.

Dies ist nicht der Fall: Seit über 60 Jahren sank die Suizidrate erstmals wieder auf unter 1000 Fälle für das Jahr 2020.

Pixabay

Darum gehts

Isolation, Masken, fehlende soziale Kontakte: Das Jahr 2020 war für viele Menschen schwierig. Die weltweite Corona-Pandemie zwang die Bevölkerung dazu, zuhause zu bleiben und auf Treffen mit Freunden und Freundinnen zu verzichten. Nahe Angehörige oder Personen aus dem Freundeskreis starben infolge einer Infektion mit dem Virus.

Aufgrund solcher Einschränkungen und Erlebnisse während des Pandemiejahres 2020 wurden teils Befürchtungen laut, die Suizidrate könnte durch die Decke schiessen. Neue Zahlen zeigen jedoch, dass dies nicht der Fall war – im Gegenteil.

Zahl der Todesfälle durch Suizid sinkt weiter

Wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilt, sank die Zahl der Suizide seit 1964 zum ersten Mal unter 1000 Fälle. 2020 verzeichnete das BFS 972 Todesfälle durch Suizid – 696 Männer und 276 Frauen nahmen sich das Leben. Die Zahl bleibt somit für die Frauen im Vergleich zum Vorjahr 2019 gleich, die Zahl der Männer sinkt um 46 Fälle. In über 70 Prozent der Fälle sind die Personen älter als 45 Jahre.

Ein leichter Anstieg der Suizidfälle lässt sich bei jungen Frauen feststellen: 2020 nahmen sich 33 Frauen unter 25 Jahren das Leben – 2019 waren es noch 25 Fälle. Von den 33 Fällen waren 17 unter 20 Jahre alt.

In den frühen 80er-Jahren standen die Suizidzahlen mit rund 1600 Fällen auf einem Höchststand. Seitdem hat sich diese Zahl um 40 Prozent verringert – auf unter 1000 Fälle. Die Rate pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner sank sogar von 24,9 auf 9,5 Prozent. Das ist eine Rückgang von über 60 Prozent.

Sterbehilfefälle nahmen zu

Zürich weist für das Jahr 2020 die höchste Suizidrate auf, gefolgt von der Genferseeregion und der Nordwestschweiz. Die geringsten Fälle zeigt der Kanton Tessin auf – und das schon seit 2010.

Eine Zunahme gab es bei den assistierten Suiziden: Waren es im Jahr 2019 noch 1196 Fälle, stiegen diese im Folgejahr auf 1251 an. In 88 Prozent der Sterbehilfefälle handelte es sich um Personen über 65 Jahren oder Menschen, die an einer unheilbaren Krankheit litten und somit in absehbarer Zeit an einem natürlichen Tod gestorben wären. 

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

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