Technologiekonzern in der Krise: Sulzer baut 1400 Stellen ab
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Technologiekonzern in der KriseSulzer baut 1400 Stellen ab

Der Arbeitsplatzabbau in der Schweizer Industrie geht weiter. Nach Konzernen wie ABB, Rieter, Georg Fischer oder OC Oerlikon sieht sich auch Sulzer zu einem drastischen Sparprogramm gezwungen. Das Winterthurer Traditionsunternehmen baut weltweit 1400 Stellen ab.

Damit fällt rund jede neunte der 12 726 Vollzeitstellen weg, die Sulzer noch Ende 2008 zählte. Der Schwerpunkt des Abbaus werde in Europa sowie Amerika liegen, teilte Sulzer am Mittwoch mit.

Die Schweiz sei unterdurchschnittlich betroffen, sagte Konzernchef Ton Büchner ohne Angaben von Zahlen. Damit dürften hierzulande also weniger als 150 der 1336 Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen.

Der Verband Angestellte Schweiz und die Gewerkschaft Unia berichteten, an den Standorten Wohlen AG, Winterthur und Haag SG seien am Mittwoch 21 Entlassungen und 3 Frühpensionierungen verkündet worden.

Die Angestellten Schweiz lobten, dass Sulzer neben Kurzarbeit auch interne Versetzungsmöglichkeiten und die Fluktuation nutze. Der Verband und die Gewerkschaft Unia forderten allerdings, dass statt der Entlassungen die Möglichkeit zur Kurzarbeit ausgeschöpft werde. Laut Unia wird in Wohlen für einen Viertel der Belegschaft Kurzarbeit eingeführt.

Einsparungen von 110 Millionen

Vom Abbau erhofft sich Sulzer ab 2011 Einsparungen von rund 110 Mio. Fr. pro Jahr. Die einmaligen Kosten von rund 55 Mio. Fr. sollen rund zur Hälfte dem ersten Halbjahr 2009 belastet werden, der Rest gegen Ende 2009 und Anfang 2010.

Grund für den Abbau sei, dass sich die Bedingungen in den Hauptmärkten in den letzten Monaten weiter verschlechtert hätten und keine rasche Verbesserung erwartet werde. Seit Anfang Jahr hat Sulzer an verschiedenen Standorten Kurzarbeit eingeführt.

Kein Druck von Vekselberg

Der Abbau ist nach Angaben von Konzernchef Büchner alleine ein Entscheid des Managements. Grund sei die Marktentwicklung und nicht eine Vorgabe aus dem Verwaltungsrat oder von Aktionären.

Kapazitäten und Kosten müssen angepasst werden. Büchner verneinte damit indirekt, dass hinter dem Abbauentscheid der russische Grossaktionär Viktor Vekselberg steht.

Vekselberg hat unlängst den Machtkampf um den Winterthurer Traditionskonzern gewonnen und baut nun den Verwaltungsrat um: Der bei Vekselberg in Ungnade gefallene Präsident Ulf Berg wurde im April abgewählt. Übergangspräsident Luciano Respini wird per 18. August vom ehemaligen ABB-Sanierer Jürgen Dormann abgelöst.

Vekselberg hatte vor zwei Wochen auch den Abgang von zwei weiteren Verwaltungsräten gefordert. Mit einem Drittel der Anteile käme er damit auf zwei Drittel der Sitze im Verwaltungsrat. Ende Mai lief ein Stillhalteabkommen ab, wonach Vekselberg seinen Anteil nicht erhöhen konnte.

Prognosen bestätigt

Büchner bestätigte, dass Sulzer an den Prognosen für 2009 festhalte. Demnach rechnet der Konzern weiterhin mit einer Umsatzabnahme um 5 bis 8 Prozent sowie einem Rückgang der EBIT-Marge in den Bereich von 10 Prozent. 2008 hatte die EBIT-Marge 12,8 Prozent betragen, unter dem Strich stand ein Gewinn von 322,9 Mio. Franken.

Die Sulzer-Aktie reagierte positiv. Um 15.55 Uhr notierte der Titel 3,1 Prozent fester auf 65.50 Franken. Der Gesamtmarkt (SPI) legte 1,6 Prozent zu.

Das Restrukturierungsprogramm sei angesichts der drastisch veränderten Marktbedingungen vernünftig, kommentierte die Bank Vontobel. Vor allem wenn man sich vor Augen führe, dass bereits eine Reihe herausragender Schweizer Technologieunternehmen wie ABB, Rieter, Georg Fischer oder OC Oerlikon ähnliche Programme angekündigt haben. (sda)

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