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Coco Sumner, 19, ist Londons neues Girl der Stunde. An wen erinnert nur ihre Stimme? Genau. An Sting, ihren Papa.

von
Roberta Fischli

Wieder so eine, dachte man, als Londons Musikmagazine über Stings Tochter und ihre musikalischen Ambitionen zu schreiben begannen. Eliot Pauline Sumner bedient alle Klischees: berühmte Eltern, hübsches Gesicht, viel Geld, cooler Spitzname. Und jetzt eine Band. Quelle surprise! Auf der Bühne im Lexington, einem kleinen Club in Nordlondon, erscheint sie natürlich zwei Stunden zu spät. Und klar besteht das Publikum aus Kiddies mit hoch geschnittenen Levi's-Shorts und Vintage-Shirts.

Ein Landei? Ja, und wie!

Eliot Pauline Sumner kommt am 30. Juli 1990 in Pisa zur Welt. Ihre Eltern sind Rock-Legende Sting und die englische Schauspielerin Trudie Styler. Familie Sumner-Styler ist gross und kreativ: Eliot (alle nennen sie Coco) ist das zweitjüngste von fünf Kindern. Ihr ältester Bruder hat ebenfalls eine Band, die Schwester ist Künstlerin, Halbschwester Fuchsia versucht sich als Schauspielerin. Die ganze Familie wohnt inzwischen in New York, Coco ist die Einzige, die noch in London lebt. Kürzlich hat sie sich sogar ein Haus auf dem Land gekauft, in ihrer Heimatprovinz Wilt­shire im Süden Englands. Dort ist sie aufgewachsen, dort machte sie mit ihrem Hund Jagd auf Hühner. Nach wie vor zieht sie das Land der Stadt vor. «Ich liebe es, Selbstversorgerin zu sein.»

Dabei könnte Coco ganz einfach zum berühmten Rock­star-Nachwuchs gehören. Wieso nicht auch ein bisschen DJ spielen, ein bisschen Skandalnudel, ein bisschen Model? Vergangenen Frühling war sie denn auch in einer Burberry-Kampagne zu sehen, neben Agyness Deyn und Lily Donaldson. Aber so richtig passt sie nicht dahin. Trotz endlos langen Beinen erinnert sie eher an ein schlaksiges Bambi als an ein Supermodel. Genauso wenig gehört sie in die kamerageile Pixie-Geldof-Clique — dafür ist sie zu intro­vertiert. Coco will mehr: Als Frontfrau ihrer Band I Blame Coco zeigt sie, dass sie etwas kann. Vor dem Video-Dreh zur Single «Self

Machine» war sie angeblich so nervös, dass sie erst einige Drinks kippen musste.

Die Musik spielt schon früh eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Mit vier Jahren lernt Coco, Gitarre zu spielen. Mit neun kann sie das ganze Album «Never Mind the Bollocks» der Punk-Helden Sex Pistols mitspielen. Mit fünfzehn fängt sie an, heimlich Lieder zu schreiben. «Ich mochte den Gedanken, meine Musik als Geheimnis zu haben.» Denn natürlich weckt es Erwartungen, wenn Stings Tochter Musik macht. «Forget my dad, you need to hear my band», singt sie im Song «My Name Is a Stain» (Mein Name ist ein Makel). Ihre Songs haben von den ersten Ska-Einflüssen bis zum aktuellen Elektro-Pop-Rock einen weiten Weg zurückgelegt.

Dünnes Mädchen, tiefe Stimme

Die Luft im Lexington wird stickig, die Debüt-Single «Caesar» erklingt. Die Melodien sind eingängig, die Songtexte sorgfältig geschrieben. Cocos Stimme ist rau und tief, sie erinnert stark an die ihres Vaters und passt irgendwie nicht zu ihrer zerbrechlichen Silhouette. Ein Geschöpf, so zart, man möchte es auf den rechten Weg führen. Aber Coco braucht keine Hilfe. Nach dem letzten Song lächelt sie, legt die Gitarre ab und blinzelt ins Publikum. Es liegt ihr zu Füssen.

Im Herbst gehts erst richtig los

Soeben ist Cocos zweite Single «Self Machine» erschienen, ein melodiöser Elektrosong. Ihr Debütalbum «The Constant» soll im September rauskommen. Zurzeit sind I Blame Coco an den gros­sen Festivals unterwegs.

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