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Sumo-Kämpfer zu Tode trainiert

Der Tod des jungen Nachwuchsringers Takashi Saito erschüttert die Welt des japanischen Kampfsports. Die beste Sumo-Schule muss sich und ihre Prügelmethoden rechtfertigen.

Takashi Saito war erst 17 Jahre alt, als er im Mai von Japans grösstem Sumo-Meister Tokitsukaze vorgestellt wurde. Sein Meister gab ihm den Kampfname Tokitaizan. Als «Jonokuchi» steht Saito auf dem untersten Rang in den streng hierarchischen Ringställen - so der Name der Anlagen, in denen die Sumo-Kämpfer gemeinsam wohnen.

Dass «Jonikuchi» vom Lehrer misshandelt werden und von den anderen, höher situierten Kämpfern als Putz- oder Laufburschen missbraucht werden, ist bereits Tradition in Japan. Die jungen Kämpfer werden zum Beispiel mit einer Bambuslatte auf jene Körperteile geschlagen, die sie falsch bewegen. Der junge Saito wollte den Misshandlungen entfliehen, doch seine Eltern brachten ihn in den Stall zurück.

Als Strafe für seinen Fluchtversuch wurde er am 25. Juni fürchterlich bestraft: Stallmeister Tokitsukaze schlug ihm mehrmals eine Bierflasche auf den Kopf, seine Ringer-Kollegen prügelten mit Händen und einem Baseballschläger auf ihn ein. Am nächsten Tag trainierten sie Saito zu Tode: Statt der gewöhnlichen drei-Minuten-Kämpfe liessen sie den jungen Kämpfer immer wieder gegen die besten Ringer antreten – bis er schliesslich nach 30 Minuten zusammenbrach.

Vorfall wird zunächst vertuscht

Saito blieb eine Stunde lang im Ring liegen bevor er mit der Ambulanz abgeholt wurde. Im Spital konnte nur noch sein Tod festgestellt werden. Seine Leiche war von «Trainingswunden» übersät, sie wies zudem Brandwunden auf.

Der Vorfall wurde zunächst vom Stallchef vertuscht. Saitos Vater lanciert nun eine Aufklärungskampagne, in der Hoffnung dass nun der strenge – und zum Teil absurde – Kodex der Sumowelt mehr ins Licht der Öffentlichkeit gerät.

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