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TelekommarktSunrise begräbt UPC-Deal – 50 Millionen Strafe

Die geplatzte UPC-Übernahme geht für Sunrise richtig ins Geld. Der Telekom-Anbieter erwartet Zusatzkosten von insgesamt 70 bis 75 Millionen Franken.

von
chk
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Hat den Kaufvertrag mit der UPC-Mutter Liberty Global gekündigt: Sunrise. (Bild: Andrea Zahler)

Hat den Kaufvertrag mit der UPC-Mutter Liberty Global gekündigt: Sunrise. (Bild: Andrea Zahler)

Eine deutliche Mehrheit der Aktionäre unterstützt den Kauf von UPC durch Sunrise nicht. Eine ausserordentliche Generalversammlung wurde deshalb in letzter Minute abgesagt.

Eine deutliche Mehrheit der Aktionäre unterstützt den Kauf von UPC durch Sunrise nicht. Eine ausserordentliche Generalversammlung wurde deshalb in letzter Minute abgesagt.

Keystone/Manuel Lopez
Wortführerin des Widerstands war die deutsche Grossaktionärin Freenet, die 24,5 Prozent an Sunrise besitzt.

Wortführerin des Widerstands war die deutsche Grossaktionärin Freenet, die 24,5 Prozent an Sunrise besitzt.

Daniel Reinhardt

Sunrise hat den UPC-Deal am Dienstag offiziell begraben. Gegen die Zahlung einer Konventionalstrafe von 50 Millionen Franken soll der Kaufvertrag mit UPC-Besitzerin Liberty Global nun gekündigt werden, wie die UPC-Mutter am Dienstagabend in Denver mitteilte.

Der Schweizer Mobilfunkanbieter Sunrise beantragte bei der UPC-Mutter Liberty Global demnach offiziell die Auflösung der Vereinbarung für die inzwischen geplatzte Übernahme der Kabelnetzbetreiberin.

Liberty Global gibt nicht auf

Liberty Global hofft derweil auf einen neuen Deal für seine Tochter. Das Unternehmen will der Mitteilung zufolge weiter Gespräche führen mit dem Sunrise-Verwaltungsrat respektive der grössten Sunrise-Aktionärin Freenet. Diese hatte sich im Vorfeld lautstark gegen die geplante Übernahme von UPC gewehrt. Liberty Global hält fest, eine mögliche Übernahme sei für die Aktionäre und die Schweizer Konsumenten von erheblichem Mehrwert.

Die Schweizer Kabelnetzbetreiberin nahm die Ankündigung von Sunrise zur Kenntnis. UPC werde den Wachstumsplan weiterhin umsetzen und in die Weiterentwicklung ihrer Produkte sowie in den Ausbau ihrer Kabelnetzinfrastruktur investieren, wird Severina Pascu, CEO von UPC Schweiz, in einer Mitteilung zitiert.

Streit um Preis

Im Oktober war die Übernahme von UPC durch Sunrise am Widerstand grosser Sunrise-Aktionäre gescheitert. Sunrise-Grossaktionär Freenet kritisierte unter anderem den Kaufpreis als zu hoch. Eine ausserordentliche Generalversammlung wurde in letzter Minute abgesagt, an der über die Finanzierung des 6,3 Milliarden Franken schweren Kaufs der grössten Schweizer Kabelnetzbetreiberin abgestimmt worden wäre.

Dabei legten Sunrise und Liberty fest, dass der bis 27. Februar 2020 gültige Kaufvertrag frühestens nach dem 11. November gekündigt werden kann. Sunrise erhielt gleichzeitig das Recht, den Vertrag danach gegen die Strafzahlung von 50 Millionen Franken zu kündigen. Sunrise erwartet im Zusammenhang mit der Transaktion Zusatzkosten von insgesamt 70 bis 75 Millionen Franken. Diese würden sich aus Zeichnungsgebühren (19 Millionen), Beratungs- und Rechtskosten sowie bereits angefallenen Integrationskosten (24 Millionen Franken) zusammensetzen. Davon seien 27 Millionen Franken bereits in der Rechnung der ersten neun Monate 2019 enthalten.

Damit ist ein erneuter Versuch in die Hose gegangen, im Schweizer Telekommarkt einen stärkeren Herausforderer für Branchenprimus Swisscom zu bilden. Die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) untersagte vor neun Jahren die geplante Fusion von Sunrise und Orange. (chk/sda)

Sunrise steigert Umsatz und Gewinn

Sunrise hat im Sommer mehr umgesetzt und verdient. Von Juli bis Ende September erzielte der zweitgrösste Telekomkonzern der Schweiz einen Umsatz von 474 Millionen Franken. Das ist 1 Prozent mehr als im Vorjahr. Der bereinigte Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) legte um 9,4 Prozent auf 161 Millionen Franken zu, wie Sunrise am Mittwoch bekannt gab. Das Plus ist allerdings hauptsächlich einer Änderung der Buchführung für operatives Leasing (IFRS 16) zu verdanken. Auf vergleichbarer Basis wäre der EBITDA im dritten Quartal um 2 Prozent gestiegen. Unter dem Strich erzielte Sunrise einen Gewinnsprung. Der Reingewinn kletterte um gut die Hälfte auf 48 Millionen Franken.

Damit hat Sunrise die Erwartungen der Finanzgemeinde beim Umsatz und Reingewinn übertroffen, beim Betriebsgewinn knapp erfüllt. Analysten hatten im Schnitt gemäss der Nachrichtenagentur AWP mit einem Umsatz von 467 Millionen Franken und einem bereinigten EBITDA von 163 Millionen Franken gerechnet. Beim Reingewinn hatten sie lediglich 26 Millionen Franken prognostiziert.

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