Führungswechsel: Sunrise-Chef geht per sofort
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FührungswechselSunrise-Chef geht per sofort

Nach der geplatzten Fusion von Sunrise und Orange nimmt Sunrise-Chef Christoph Brand nun doch den Hut. Er gibt die Führung per sofort an den Deutschen Oliver Steil ab.

Christoph Brand verlässt Sunrise nach vier Jahren.

Christoph Brand verlässt Sunrise nach vier Jahren.

Nach der geplatzten Fusion von Sunrise und Orange nimmt Sunrise-Chef Christoph Brand nun doch den Hut. Er gibt die Führung des zweitgrössten Schweizer Telekomunternehmens per sofort an den Deutschen Oliver Steil ab.

Brand hatte eigentlich geplant, nach der Fusion von Sunrise und Orange die Firma zu verlassen. Denn als Chef des neuen Unternehmens war Orange-Schweiz-Boss Thomas Sieber vorgesehen.

Nach dem Verbot der Fusion durch die Wettbewerbskommission (Weko) erklärte sich Brand bereit zu bleiben, bis ein Nachfolger bei der Tochter des dänischen Telekomkonzerns TDC gefunden worden sei. Umstossen konnte das Weko-Verbot indes seinen Abgangsentscheid nicht mehr.

Nach bald 20 Jahren in Telekombranche und knapp vier Jahren an der Spitze von Sunrise sei es Zeit, mal in eine andere Branche zu gehen, sagte der 40-jährige Berner am Donnerstag vor den Medien in Zürich: «Ich wurde eingestellt, um Sunrise auf den Wachstums- und Erfolgskurs zurückzuführen.» Diese Wende sei geglückt.

Nun wird Brand per 15. Oktober Chef und Aktionär bei der St. Galler Adcubum AG, die Standardsoftware für Versicherungen entwickelt. Das Unternehmen habe ein enormes Wachtsumspotential. Adcubum will das Angebot für Krankenversicherer ausbauen und im Schadensversicherungsgeschäft expandieren.

Wende geschafft

Unter Brand hatte Sunrise nach jahrelangem Krebsgang 2009 erstmals seit fünf Jahren wieder die Marke von 2 Mrd. Fr. Umsatz erreicht. Die Zahl der Kunden stieg seit 2006 von 2,17 auf 2,86 Millionen per Ende März 2010 an. Der Marktanteil im Mobilfunk wuchs von 19 auf über 22 Prozent.

Das Umsatz- und Betriebsgewinn-Wachstum von Sunrise sei grösser als bei Swisscom und Orange. «Auf diese Erfolgsgeschichte bin ich stolz», sagte Brand.

«Wir danken Christoph Brand für seinen grossen Einsatz und bedauern seinen Austritt», sagte TDC-Chef Henrik Poulsen vor den Medien. Ob Brand eine Abgangsentschädigung bekommen habe, wollte weder er selber noch Poulsen sagen. Genauso schwiegen sie, ob Brand bei seinem Austritt mit seiner Beteiligung am Unternehmen Kasse macht.

Steil wird Nachfolger

Brands Nachfolger wird Oliver Steil. Der 38-Jährige war zweieinhalb Jahre bei Debitel tätig, wo er bis zum Chef des deutschen Telekomunternehmens aufstieg. An der Spitze blieb der ehemalige McKinsey-Manager allerdings nicht lange. Ein Jahr nach seiner Ernennung schied Steil im Oktober 2008 abrupt aus.

Das dürre Debitel-Communiqué sprach damals von der sofortigen «Aufhebung seines Dienstvertrages im gegenseitigen Einvernehmen». Deutsche Medien bezweifelten dies: In einem Presseinterview Steils war klar geworden, dass es Zwist im Konzern gegeben hatte. Steil begründete dies am Donnerstag damit, dass er nach dem Besitzerwechsel bei Debitel eh nur noch für eine Übergangszeit zur Verfügung gestanden habe.

Nach dem Abgang von Debitel entschied er sich für eine Familienpause, um seiner Frau bei der Betreuung der drei kleinen Kinder zu helfen. Im Herbst werde die Familie von München in die Schweiz umziehen.

Schalke-Fan will angreifen

Bei Sunrise wolle er die Rolle des Angreifers auf die Ex- Monopolistin fortführen, sagte der Schalke-Fan, der 1971 im Schatten des einstigen Schalke-Stadions, der Glückauf-Kampfbahn von Gelsenkirchen, geboren wurde: «Für mich persönlich ist das ein längerfristiges Engagement.» Er strebe keinen schnellen Wechsel an.

TDC-Chef Poulsen bekräftigte, dass sein Konzern am Engagement in der Schweiz festhalte und weiter investieren wolle. Zur Unsicherheit über die Zukunft von TDC sagte Poulsen, die Private-Equity-Besitzer würden irgendwann aussteigen: «Wir wissen aber nicht wann und wie.» Ein Verkauf der TDC-Gruppe über die Börse oder anderswie könne auch mit Sunrise über die Bühne gehen. (sda)

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