Telekom-Kahlschlag: Sunrise entlässt 140 Mitarbeiter
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Telekom-KahlschlagSunrise entlässt 140 Mitarbeiter

Also doch: Das Telekomunternehmen Sunrise setzt den Rotstift bei den Mitarbeitenden an. Die betroffenen Angestellten werden am Mittwoch und am Donnerstag informiert.

von
mlu/egg
Stellenabbau: Der Telekomanbieter Sunrise entlässt 140 Mitarbeitende.

Stellenabbau: Der Telekomanbieter Sunrise entlässt 140 Mitarbeitende.

Es war ein Schrecken mit Ankündigung, heute Morgen wurde es konkret: Sunrise entlässt 140 Mitarbeiter. Nach dem Stellenabbau wird Sunrise noch 1689 Mitarbeiter und 89 Lehrlinge beschäftigen, wie das Unternehmen am Mittwoch bekannt gab. In den vergangenen Tagen hatten bereits verschiedene Medien über den Aderlass berichtet.

In einem internen Mail wurden die Sunrise-Store-Manager informiert: «Das Management Board hat zusammen mit dem Board of Directors beschlossen, den Personalbestand zu reduzieren, davon sind 140 Personen betroffen.» Diesen Entscheid habe man nicht leichtfertig getroffen. Sunrise habe in diesem Jahr bereits viele Massnahmen getroffen, um seine Strukturen effizienter zu machen.

Einladungen für Gespräche

Im verschickten Mail hiess es zudem, dass «die betroffenen Shop-Mitarbeitenden im Raum Zürich» bald eine Einladung für ein Gespräch bekommen würden. Von den Entlassungen nicht betroffen sein sollen die Lehrlinge sowie der Kundendienst.

Der gesamte Arbeitsplatzabbau ist aber noch deutlich umfangreicher als der heute kommunizierte. Ende Juni hatte der Telekomanbieter mit Lehrlingen noch gut 2000 Vollzeitstellen. Man habe in der letzten Zeit bereits durch Fluktuationen und Pensionierungen Jobs aufgehoben, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Insgesamt bereits 240 Arbeitsplätze abgebaut

Damit fallen insgesamt 240 Arbeitsplätze weg, nachdem der Personalbestand im laufenden Jahr wegen der Übernahme der Firma Nextira One sowie des Ausbaus des Kundendienst und die Eröffnung neuer Läden deutlich gewachsen war. Anfang Januar hatte Sunrise erst gut 1700 Vollzeitstellen gezählt.

Für die Entlassenen kommt ein Sozialplan zur Anwendung. Er war mit der Personalvertretung und der Gewerkschaft Syndicom ausgehandelt worden. Wer seinen Job verliere, werde freigestellt und erhalte bei der Arbeitssuche Unterstützung durch ein spezialisiertes Unternehmen, hiess es.

Wachstumsstrategie geht weiter

Als Grund für den tiefen Einschnitt führt Sunrise an, dass man die eingeschlagene Wachstumsstrategie auch bei einem zunehmend härteren Wettbewerb fortsetzen wolle. Dafür müsse Sunrise effizienter werden, sagte Unternehmenssprecher Michael Burkhardt.

Branchenprimus Swisscom hatte Mitte Juni seine Konkurrentinnen Sunrise und Orange mit einer Offensive bei der Handytarifstruktur überrascht, welche die Preise unter Druck setzte. Sunrise musste innert Kürze nachziehen und ihre Tarife ebenfalls senken.

Investitionen nötig

Gleichzeitig stehen erhebliche Investitionen für den Ausbau des Handynetzes auf die neue Mobilfunkgeneration LTE an. Alleine für die Ersteigerung der dafür nötigen Mobilfunklizenzen muss Sunrise inklusive Zinsen für die Ratenzahlung 504 Mio. Fr. auf den Tisch legen.

Zudem verschlingt der Ausbau der Netze Geld: Sunrise werde im nächsten Jahr über 200 Mio. Fr. in die Infrastruktur von Fest- und Mobilfunknetz investieren, hiess es weiter.

Gewinnsteigerung für Börsengang

Ein Interesse an mehr Profitabilität hat auch die Sunrise-Besitzerin CVC. Der Finanzinvestor will den Telekomanbieter in wenigen Jahren an die Börse bringen. Da macht sich eine Gewinnsteigerung nicht schlecht, um Aktionäre anzulocken. (mlu/egg/sda)

Lob für Sunrise von der Gewerkschaft Syndicom - Kritik an Weko

Die Gewerkschaft Syndicom kritisiert im Zusammenhang mit dem Stellenabbau bei Sunrise die Wettbewerbskommission Weko, die einem Zusammenschluss mit Orange im Jahr 2010 den Riegel vorschob.

Der Preiskampf in der Telekombranche sei hart und Skaleneffekte für Unternehmen in der Grösse von Sunrise nicht möglich. Syndicom habe Verständnis für die Situation, sagte Giorgio Paradini, Leiter des Sektor Telekom/IT bei Syndicom auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Wir bedauern den Abbau ausserordentlich», sagte er.

Doch Sunrise habe glaubwürdig aufzeigen können, dass die wirtschaftliche Situation den Abbau nötig mache. Die Gewerkschaft sei frühzeitig informiert und einbezogen worden, sagte er weiter. Der Stellenabbau bei Sunrise habe dadurch reduziert werden können. Zudem konnte der Sozialplan verbessert werden. (SDA)

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