Aktualisiert 28.02.2019 11:42

Milliarden-DealSunrise wird die Marke UPC sterben lassen

Was bedeutet es für den Kunden, dass Sunrise UPC kauft? Und was passiert mit der Marke UPC? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

von
R. Knecht
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Hat den Kaufvertrag mit der UPC-Mutter Liberty Global gekündigt: Sunrise. (Bild: Andrea Zahler)

Hat den Kaufvertrag mit der UPC-Mutter Liberty Global gekündigt: Sunrise. (Bild: Andrea Zahler)

Eine deutliche Mehrheit der Aktionäre unterstützt den Kauf von UPC durch Sunrise nicht. Eine ausserordentliche Generalversammlung wurde deshalb in letzter Minute abgesagt.

Eine deutliche Mehrheit der Aktionäre unterstützt den Kauf von UPC durch Sunrise nicht. Eine ausserordentliche Generalversammlung wurde deshalb in letzter Minute abgesagt.

Keystone/Manuel Lopez
Wortführerin des Widerstands war die deutsche Grossaktionärin Freenet, die 24,5 Prozent an Sunrise besitzt.

Wortführerin des Widerstands war die deutsche Grossaktionärin Freenet, die 24,5 Prozent an Sunrise besitzt.

Daniel Reinhardt

Sunrise hat sich UPC Schweiz geschnappt: 6,3 Milliarden Franken zahlt Sunrise für die Tochterfirma des britischen Kabelnetzgiganten Liberty Global. Was bedeutet das für den Schweizer Telecom-Markt? Das sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was hat der Kunde von der Übernahme?

Obwohl es sich bei der Übernahme um einen milliardenschweren Deal handelt, bleibt erstmal alles so, wie es ist, sagt Telecom-Experte Ralf Beyeler von Moneyland zu 20 Minuten. Die Kunden dürften die bisherigen Produkte beibehalten. Sunrise schreibt in einer Mitteilung, dass mit der Infrastruktur, die UPC bietet, künftig höhere Geschwindigkeiten angeboten werden können – insbesondere in Regionen ohne Glasfaserabdeckung. «Es ist denkbar, dass die Preise steigen werden», sagt Beyeler. Schliesslich seien die Angebote von Sunrise bereits heute wesentlich teurer als die Angebote vieler kleinerer und unbekannter Anbieter wie UPC. Zudem hat die Erfahrung aus benachbarten Ländern gezeigt, dass die Preise nach Telecom-Übernahmen oft steigen, weil gerade die Anbieter gekauft werden, die mit attraktiven Preisen um Kunden werben.

Ist der Deal definitiv?

Zwar hat Sunrise einen verbindlichen Vertrag unterschrieben, zur Übernahme fehlt aber noch die Zustimmung der Wettbewerbskomission (Weko). Panagiotis Spiliopoulos, Head of Research bei Vontobel, glaubt aber nicht, dass sie etwas gegen eine Übernahme haben könnte, da sich die Angebote der beiden Firmen ergänzten und der Regulator erhöhtes Investitionspotenzial, wie es diese Übernahme biete, generell begrüsse. Beyeler von Moneyland rechnet jedoch damit, dass der Wettbewerbshüter Sunrise die Zustimmung zur Übernahme nur unter bestimmten Auflagen geben werde – etwa dass die Firma kleineren Mitbewerbern ihre Infrastruktur zu regulierten Preisen zu Verfügung stellen müsse. Sunrise geht davon aus, dass die Weko im zweiten oder dritten Quartal 2019 eine Entscheidung fällen wird. Die Übernahme soll noch dieses Jahr vollzogen werden.

Was passiert mit der Marke UPC?

«Dank der Transaktion wird das neue Unternehmen unter dem Namen Sunrise auftreten», sagt Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold zu 20 Minuten. Der Name UPC dürfte demnach verschwinden. Genauere Angaben könne Sunrise aber erst im zweiten Quartal des Jahres machen.

Was bedeutet der Deal fürs Personal?

Beyeler von Moneyland rechnet mit einem Stellenabbau, der sowohl Mitarbeiter von UPC als auch von Sunrise betreffen werde. «Nach eigenen Aussagen von Sunrise und UPC kann es zu einem späteren Zeitpunkt bei Doppelspurigkeiten zu einem Personalabbau im administrativen Bereich sowie im Management kommen», schreibt auch die die Gewerkschaft Syndicom. Sie verlangt von Sunrise, dass die Firma in Dienstleistungen und Infrastruktur investiert und damit zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen beiträgt.

Brauche ich jetzt eine neue TV-Box?

Für den Moment noch nicht. Es dürfte für Sunrise aber sinnvoll sein, künftig nur noch ein Hardware-Produkt anzubieten. Was sich noch zeigen muss ist, ob das die TV-Box von Sunrise oder UPC sein wird oder ob es sogar ein ganz neues Produkt geben wird.

Was bedeutet die Übernahme für die Swisscom?

Durch diesen Zusammenschluss erhält die Swisscom erstmals einen mächtigen Konkurrenten. Bisher hatte sie nur relativ kleine Gegenspieler. Die Swisscom macht sich aber keine Sorgen – CEO Urs Schaeppi sagte kürzlich zu 20 Minuten: «Die Swisscom ist gut aufgestellt und wird auch mit so einer Wettbewerbssituation gut umgehen können.»

Was sagt der Konsumentenschutz?

«Wenn Sunrise als Nummer zwei der Schweizer Telecom-Branche mit UPC den grössten Kabelnetzbetreiber übernimmt, etablieren sich zwei grosse Anbieter, welche den Markt unter sich aufteilen, und die Preise hochhalten können», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Wie im Schweizer Detailhandel spiele die Konkurrenz bei einem solchen Duopol nur vordergründig, weil die anderen Firmen der Dominanz der «grossen Zwei» zu wenig entgegensetzen könnten.

Spielt auch 5G eine Rolle?

Wahrscheinlich schon, sagt Frick. UPC hat nicht für eine 5G-Lizenz mitgeboten. Die Übernahme würde es UPC ermöglichen, über das Sunrise-Netz günstig 5G-Dienste anzubieten, was auch dem Kunden in Form von niedrigen Preisen zugutekommen könnte.

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