Server-Ausfall: «Super-GAU» bei Ricardo – nichts ging mehr
Aktualisiert

Server-Ausfall«Super-GAU» bei Ricardo – nichts ging mehr

Ausgerechnet zur besten Auktionszeit stürzten bei Ricardo.ch die Server ab. Tausende konnten nicht mehr mitbieten – die Verkäufer mussten zusehen, wie ihre Produkte zum Schnäppchenpreis weggingen.

von
owi
Ein Drittel der Ricardo-Kunden war über mehrere Stunden vom Bieten ausgeschlossen.

Ein Drittel der Ricardo-Kunden war über mehrere Stunden vom Bieten ausgeschlossen.

An einem typischen Sonntagabend laufen die Server bei Ricardo heiss: Die meisten Leute sind zu Hause, tausende wollen Smartphones, Möbel oder Autos kaufen und verkaufen. Zahlreiche Verkäufer setzen den Endpunkt der Versteigerung daher bewusst auf einen Sonntagabend, im Wissen, dass besonders viele Kunden mitbieten werden. Vor zwei Wochen, am 28. Oktober, ging aber plötzlich nichts mehr. Die Server liefen nicht nur heiss, sie rauschten offenbar ganz ab.

Das grösste Online-Auktionshaus der Schweiz hat die massiven technischen Probleme inzwischen gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» bestätigt. Bei über einem Drittel der Angebote konnte niemand mehr mitbieten, wie Ricardo-Mediensprecherin Barbara Zimmermann sagte. Statt steigende Preise für ihre Produkte sahen die betroffenen Nutzer nur noch die Fehlermeldung «Error. Server steht nicht zur Verfügung».

Die Konsequenz für die Nutzer: Wegen dem Serverproblem wurden die Produkte oft deutlich unter dem erhofften Wert verkauft. Die Auktionen liefen aus, ohne dass jemand hätte weiterbieten können.

Unfaire AGBs sollen Kunden ruhig stellen

Gegenüber den geprellten Verkäufern stellte sich Ricardo zunächst auf den Standpunkt, dass ein Kaufvertrag entstanden sei und der Verkäufer an den Höchstbietenden verkaufen müsse. Ricardos Begründung: Die Auktionsplattform könne für technische Störungen nicht haftbar gemacht werden. Rechtlich ist nicht klar, ob eine solch einseitige Risikoabwälzung zulasten der Kunden zulässig ist. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verbietet unfaire und einseitige Vertragsbestimmungen zu lasten der Konsumenten, ein Gerichtsurteil steht allerdings noch aus. Für Rechtsexperten ist der Fall klar: Diese AGBs dienten alleine dazu, die Kunden abzuschrecken, eigene Ansprüche zu stellen.

Nachdem das Konsumentenmagazin den Serverausfall und Ricardos Reaktion publik machte, krebst das Auktionshaus zurück. Man sei zur Einsicht gekommen, dass ein Teil der Auktionen nicht rechtens abliefen und deshalb auch kein Kaufvertrag zu Stande gekommen sei. Die Angebotszeit hätte nach den technischen Problemen um 24 Stunden verlängert werden müssen. Da dies nicht geschehen ist, müssen die Verkäufer ihre Ware nun nicht zum Schnäppchenpreis verhökern. Der vermeintliche Billigkauf löst sich somit wohl für viele in Luft auf.

«Super-GAU»

Mediensprecherin Zimmermann spricht gegenüber «Espresso» von einem einzigartigen «Super-GAU». Kurze Ausfälle gibt es bei einem Online-Portal immer wieder, dass rund ein Drittel der Kunden über mehrere Stunden vom Bieten ausgeschlossen war, sei aber noch nie vorgekommen. Wer durch den Serverausfall geschädigt wurde, kann sich beim Kundendienst von Ricardo melden. Das Unternehmen verspricht, jeden Fall einzeln zu prüfen. Auch die konsumentenfeindlichen AGBs will Ricardo verbessern.

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