China zensiert: Super-Girl mit zu viel Demokratie
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China zensiertSuper-Girl mit zu viel Demokratie

Chinas Behörden haben die populäre Castingshow «Super Girl» aus dem Programm gekippt. Kritiker vermuten einen Zusammenhang mit dem Publikums-Voting.

von
pbl

Seit 2004 läuft «Super Girl» – eine chinesische Variante von «MusicStar» mit rein weiblicher Besetzung – erfolgreich auf Human Satellite Television, dem zweitgrössten Fernsehsender des Landes nach dem staatlichen CCTV. Das Finale der zweiten Staffel erreichte mehr als 400 Millionen Zuschauer und war damit eine der erfolgreichsten Fernsehsendungen der chinesischen Geschichte. Doch nun ist (vorläufig) Sendeschluss.

Die staatliche Kontrollbehörde hat angeordnet, «Super Girl» im nächsten Jahr nicht auszustrahlen. Offizielle Begründung: Die Castingshow habe zu oft die maximal erlaubte Sendezeit von 90 Minuten überschritten. Doch das dürfte nur ein Vorwand sein. Ein Kadermitglied von Human Satellite Television meinte gegenüber der BBC, die Regulatoren seien eifersüchtig auf die Popularität und den finanziellen Erfolg von «Super Girl».

«Vulgär» und «ungesund»

Daneben haben Funktionäre der Kommunistischen Partei die Sendung wiederholt als «vulgär» und «ungesund» kritisiert – sie gefährde die Harmonie der Gesellschaft. Die «Financial Times» vermutet überdies noch einen anderen Grund: Das Publikums-Voting via Telefon und SMS erinnere zu stark «an eine Demokratie westlicher Prägung». Der «arabische Frühling» hat auch die Chinesen nervös gemacht. Die Zensur im Internet wurde verschärft – so wurden populäre Microblogging-Dienste gesperrt.

Bei Human Satellite Television zeigt man sich einsichtig. Sprecher Li Hao erklärte gemäss staatlichen Medien, der Sender werde anstelle von «Super Girl» Programme ausstrahlen, die «moralische Werte und die öffentliche Sicherheit fördern und praktische Informationen für die Hausarbeit liefern werden». Ob da auch 400 Millionen zuschauen werden?

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