Super-Internet der Swisscom am Limit
Aktualisiert

Super-Internet der Swisscom am Limit

Noch ist die neue Breitbandinternet- Technik VDSL der Swisscom nicht flächendeckend eingeführt, und doch ist sie bereits am Anschlag. Für die Anwendungen der Zukunft reichen die derzeitigen Bandbreiten bei weitem nicht aus.

«Wir könnten die Bandbreite noch auf 30 Megabit pro Sekunde erhöhen (Mbit/s). Aber dann sind wir am Ende des Programms», sagte Swisscom-Netz- und IT-Chef Patrice Haldemann am Donnerstag am Rande eines Anlasses im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Derzeit bietet die Swisscom für Privatkunden eine maximale Geschwindigkeit von 20 Mbit/s an.

Der grösste Telekomkonzern der Schweiz hatte die «Very High Speed Digital Subscriber Line» oder VDSL abgekürzte Technologie im Jahre 2006 in der Schweiz als Weiterentwicklung der veralteten ADSL- Technik eingeführt.

Treiber hinter der Aufrüstung des Kupfernetzes war der Einstieg ins Fernsehgeschäft. Denn das im November 2006 gestartete Bluewin TV lief auf den ADSL-Leitungen nur schlecht, deren Geschwindigkeit auf maximal 5 Mbit/s beschränkt ist. Ruckelnde Bilder und Tonprobleme waren die Folge.

Turbo-Surfer

Im Internet surfen können Privatkunden mit der neuen VDSL- Technik erst seit dem vergangenen Sommer. Allerdings steht die volle Geschwindigkeit von 20 Mbit/s erst gut der Hälfte der Bevölkerung zur Verfügung.

Weitere 30 Prozent müssen sich mit 8 Mbit/s bescheiden. Die Swisscom will die Abdeckung von VDSL weiter erhöhen. Bis Ende 2008 werden gemäss früheren Angaben 600 bis 700 Mio. Fr. in den VDSL- Ausbau investiert.

Auch wenn die neue Technik nach so kurzer Zeit bereits praktisch am Limit angekommen sei, sei sie keine Fehlinvestition, betonte Haldemann: «Wir hätten eine Lücke ohne VDSL» im Vergleich zur Konkurrenz der Kabelnetzbetreiber.

Ohne VDSL könnte die Swisscom ihr Bluewin TV vergessen, das Leuten, die nur eine ADSL-Leitung haben, wegen der Qualitätsprobleme gar nicht mehr angeboten wird. Auch bei den Internetgeschwindigkeiten würde der «Blaue Riese» mit grossem Abstand hinter den Kabelanbietern herhinken.

Superscharfe Bilder

Doch für das Fernsehen der nächsten Dimension reicht VDSL nicht aus. Deshalb gebe es keine Alternative zu Glasfasern, mit denen Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s zur Verfügung stehen, sagte Haldemann.

Damit lassen sich gleichzeitig mehrere hochaufgelöste TV-Kanäle (HDTV) übertragen, so dass in mehreren Räumen gleichzeitig das HDTV geschaut oder aufgenommen werden kann. Derzeit braucht HDTV realistischerweise 10 bis 15 Mbit/s, was nur ein Fernsehgerät pro Haushalt erlaubt. Wer neben dem Wohnzimmer auch noch im Schlafzimmer scharfe Fernsehbilder sehen will, schaut heute noch in die Röhre.

Zudem wird bereits an der nächsten Generation von HDTV gearbeitet, das eine viermal grössere Auflösung bietet als heute maximal angeboten wird. Am Donnerstag zeigte die Swisscom in Zürich einen Film mit einer Auflösung von 3840x2160 Bildpunkten.

Derzeit sind 1920x1080 Pixel das Ende der Fahnenstange, die aber allerdings noch kein TV-Sender überträgt. Das Schweizer Fernsehen beschränkt sich bei «HD Suisse» auf 1280x720 Pixel.

Eine absehbare Weiterentwicklung sei das dreidimensionale Fernsehen, das zur Zeit nur auf Spezialgeräten läuft. Bilder aus 8 verschiedenen Kameraperspektiven werden zusammengemischt. Dank einer prismatischen Scheibe vor dem Bildschirm haben die Zuschauer einen 3D-Effekt. Dabei steigt der Bandbreitenbedarf aber um den Faktor 8, wie ein Swisscom-Techniker erklärte.

Glasfaserausbau

Der «Blaue Riese» werde in nächster Zeit ein Pilotprojekt starten, bei dem rund 500 Haushalte in Zürich mit Glasfasern ausgerüstet würden, sagte Haldemann. In dem einjährigen Versuch will die Swisscom Erfahrungen mit den Baukosten, Angeboten und den Hausbesitzern sammeln.

Ein flächendeckender Anschluss von Privatkunden mit Glasfasern würde viele Milliarden Franken kosten und Jahre dauern, sagte Haldemann. Denn um die Glasfasern zu legen, müssten die Strassen aufgerissen werden.

2015 bis 2020 könnten zwischen einem Drittel und der Hälfte der Bevölkerung ans Glas angeschlossen sein. Dies seien aber grobe Schätzungen, betonte Haldemann. Konkrete Pläne habe die Swisscom noch keine. (sda)

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