Aktualisiert 27.03.2013 19:09

Fussball-Exzentriker

Super Mario – zwischen Toren und Chaos

Italien liegt Mario Balotelli zu Füssen. Verändert der exzentrische Stürmer gar politische Realitäten?

von
Sandro Compagno

Der Kick in Malta war grauenhaft, Italien fehlerhaft und fahrig. Aber da war ja noch der Mann mit der Nummer 9. Ein cool verwandelter Elfmeter und ein toller Abschluss nach Vorlage von Milan-Kollege Mattia De Sciglio: Der vierfache Weltmeister gewann beim Fussball-Zwerg 2:0 und kann schon mal in Reiseprospekten für Brasilien 2014 blättern.

In den letzten neun Länderspielen hat Balotelli siebenmal getroffen. Schon vor dem Spiel in Malta zogen italienische Journalisten Vergleiche mit dem legendären Luigi Riva. Der Europameister von 1968 und Vize-Weltmeister von 1970 lief 42-mal für die «Nazionale» auf und schoss dabei 35 Tore.

Doch damit enden die Parallelen. Riva wurde 1944 am Gardasee geboren. Sein Vater verstarb früh, Gigi verliess die Schule mit 14 Jahren, um am Fliessband einer Autofabrik zu arbeiten. Balotelli, von einer italienischen Familie adoptierter Spross ghanaischer Einwanderer, hat noch nie eine Fabrik von innen gesehen, dafür eine Mittelschule. Auch sonst unterscheidet ihn so ziemlich alles vom bescheidenen Riva, der fast seine gesamte Karriere bei Cagliari Calcio verbracht hatte.

Parkbussen, Lokalrunden, Unfälle, Indoor-Feuerwerk...

Wo Balotelli ist, da ist das Chaos nicht weit. Parkbussen im vierstelligen Bereich, Lokalrunden im Pub vor wichtigen Spielen, Unfälle mit Luxus-Autos, Indoor-Feuerwerk... Sogar ein simples Abendessen in Mailand kann im Chaos enden.

So geschehen am 30. Januar, als sich Balotelli kurz vor Schliessung des Transferfensters mit Milan-Vize Adriano Galliani trifft. Die Kunde vom prominenten Rückkehrer spricht sich unter den Anhängern der Rossoneri rasch herum. Zu Hunderten versammeln sie sich vor dem Ristorante Giannini, das Galliani in den letzten Jahren zu seinem zweiten Büro gemacht hat.

Als «SuperMario» auftaucht, posiert er für ein paar Fotos, hüpft zu den Fan-Gesängen («Chi non salta, Interista è!») und betritt dann das Lokal. Draussen versucht die Polizei, die Fan-Masse aufzulösen. Flaschen fliegen, Tränengas füllt die Gassen in Mailands Innenstadt, ein Polizist wird verletzt, sechs Radau-Brüder festgenommen. Balotelli bestellt einen Teller «Spaghetti pomodoro», weiss das englische Fussball-Magazin «FourFourTwo» zu berichten.

«Ein Schwarzer als Symbol Italiens wäre das beste Mittel»

Italien oszilliert zwischen grenzenloser Bewunderung für den Fussball-Exzentriker Balotelli und rassistischem Dünkel wegen seiner Hautfarbe. Doch vielleicht hat der 22-jährige Stürmerstar das Potenzial, diese hässliche Seite des «Bel Paese» einzudämmen. Das jedenfalls hofft Riva, der Balotelli gerne als seinen Nachfolger sieht.

«Ein Schwarzer als Symbol Italiens wäre das beste Mittel gegen Rassismus überhaupt», sagte der 68-Jährige im «Corriere dello Sport». «Für mich ist Balotelli ein Symbol für Italiens Nationalität und das macht ihn sehr wichtig. Er kann der Bezugspunkt werden, durch den dieser ekelhafte Rassismus ausgemerzt werden kann.» Es wäre wichtiger als zwei Tore gegen Malta.

Balotellis 1:0 gegen Malta. (Video: YouTube)

Balotellis 2:0 gegen Malta. (Video: YouTube)

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