Kinderschutzbund kritisiert: «Super Nanny» schadet Kindern
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Kinderschutzbund kritisiert«Super Nanny» schadet Kindern

Was RTL als Hilfestellung für Problem-Familien darstellt, verurteilt der deutsche Kinderschutzbund scharf: «Die Super Nanny» könne bei Kindern zu psychosozialen Schäden führen.

von
lah

Nach der kürzlich ausgestrahlten Episode von «Die Super Nanny» auf RTL hagelt es Proteste. In der Sendung war das TV-Team zu Besuch bei Familie M. aus Glinde, wo sich brutale Szenen abspielten: Mutter Jacqueline M. schlägt ihre Kinder und brüllt sie pausenlos an. Die Kinder sind völlig verängstigt und zucken nur schon zusammen wenn ihre Mutter vorbeigeht. «Mama darf nicht mehr hauen, das tut so weh», flüstert der vierjährige Sohn in die Fernsehkamera.

Erniedrigung von Millionenpublikum

Dass ein Fernsehteam offensichtliche Kindesmisshandlung filmt ohne einzugreifen, stösst beim deutschen Kinderschutzbund auf Unverständnis, wie «express.de» berichtete. Johanna Suwelack, die Sprecherin des Verbands erklärte: «Es ist entwürdigend für das Kind, wenn es vor laufender Kamera in Situationen der Erniedrigung und Hilflosigkeit zur Schau gestellt wird».

Zwar informierte die RTL-Super-Nanny Katharina Saalfrank das Jugendamt über die Zustände bei der Familie, doch wäre diese Entscheidung wohl auch ohne RTL gefallen, vermutet der Kinderschutzbund. «Und ohne, dass die Kinder rechtlose Spielfiguren in einem medialen Millionengeschäft werden müssen – samt den möglichen Spätfolgen nach der Ausstrahlung, die von sozialer Ächtung bis zu psychosozialen Schäden reichen können.»

«Kranker Scheiss»

Ähnlich sehen das die «Super Nanny»-Zuschauer. So kommentiert ein User auf der RTL-Homepage: «Kranker Scheiss was RTL da zeigt. Wie kann RTL das seelenruhig filmen wie das Kind geschlagen wird?». Ein anderer Zuschauer versteht ebenfalls die Welt nicht mehr: «Man sollte die Kinder nicht noch extra für die Einschaltquoten vorführen. Ich dachte, diese Nanny hilft den Kindern, aber nein sie bekommt ja dafür Geld, die Kinder noch leiden zu lassen.»

Der Privatsender RTL ist sich jedoch keiner Schuld bewusst: «Wenn wir jetzt darüber diskutieren, ob die Offenlegung einer Misshandlung von Kindern im Fernsehen nicht angemessen ist, dann verschliessen wir die Augen und vergessen die Kinder, die Hilfe brauchen», teilte eine Sprecherin mit.

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