Super-Pipeline in Betrieb
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Super-Pipeline in Betrieb

Die Ölversorgung des Westens wird seit Mittwoch durch eine neue Pipeline zwischen dem Kaspische Meer und der Türkei abgesichert.

In Aserbaidschan wurde in einer feierlichen Zeremonie der Ölhahn für die strategisch wichtige Pipeline aufgedreht.

Die von einem internationalen Konsortium mit Unterstützung der USA gebaute, 1770 Kilometer lange Leitung führt von Aserbaidschan über Georgien zum türkischen Hafen Ceyhan. Damit wird zum einen russisches Territorium umgangen, zum anderen der Transport per Tanker durch das Nadelöhr Bosporus vermieden.

Wirtschaftswachstum und Stabilität

An der Eröffnungszeremonie südlich der Hauptstadt Baku nahmen unter anderem US-Energieminister Samuel Bodman sowie der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew, sein kasachischer Kollege Nursultan Nasarbajew sowie zahlreiche weitere internationale Vertreter teil.

Der türkische Staatschef Ahmet Necdet Sezer sagte, die neue Ost- West-Verbindung spiele auch sicherheitspolitisch eine bedeutende Rolle in der Region. Es sei klar, dass es Wirtschaftswachstum und Stabilität ohne den Ölexport nicht geben könne.

Mit der rund vier Milliarden Dollar (rund 4,9 Mrd. Franken) teuren Pipeline wollen die beteiligten Partner vom Transport ihres Öls über Russland unabhängiger werden. Die USA hoffen, ihre Abhängigkeit von Lieferungen aus dem Nahen Osten zu verringern.

Die Pipeline soll Ende des Jahres ihre volle Betriebsstärke erreicht haben. Um die Pipeline vollständig zu füllen, sind zehn Millionen Barrel Öl nötig. Der erste Tanker soll an der Endstation Ceyhan im vierten Quartal 2005 gefüllt werden.

Bei Vollbetrieb wird die Pipeline mit einer Million Barrel pro Tag knapp ein Prozent der täglichen Weltproduktion transportieren. Das Öl wird dann mit einer Geschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde durch die Rohre gepumpt. Am Betreiberkonsortium hält der britische Energiekonzern BP 30 Prozent.

Greenpeace besorgt

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte den Betrieb der Pipeline. Es werde nun der Run auf die Ressourcen im Kaspischen Meer einsetzen, sagte der deutsche Greenpeace-Ölexperte Karsten Schmid der Nachrichtenagentur afp. Das ökologisch sensible Binnenmeer werde den Wirtschaftsinteressen geopfert.

Schmid wies zudem darauf hin, dass die Pipeline in Georgien aus politischen Gründen direkt an einem Umweltreservat vorbeiführe. Dies könne bei einem Austreten von Öl zur Katastrophe führen. Schmid betonte, dass die gesamte Region ein Erdbebengebiet sei, was Gefahren für die Pipeline deutlich erhöhe.

(sda)

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