Aktualisiert 07.01.2008 12:21

Supergeheimer US-Jet entschärft Bomben

Ein 36-jähriges Kampfflugzeug erweist sich für das US-Militär als eine der wertvollsten Waffen im Kampf gegen Bombenanschläge im Irak. Die geheime Störfunk-Technologie der EA-6B Prowler teilen die USA nicht einmal mit ihren engsten Verbündeten.

Im Kampf gegen Bombenanschläge am Strassenrand greifen die USA im Irak zu erstaunlichen Waffen: Mit speziell ausgerüsteten Flugzeugen versuchen die Streitkräfte, die Funksignale ferngesteuerter Sprengsätze bereits vor der Explosion zu unterbrechen. Vom Mobiltelefon bis zum Garagentoröffner können die Maschinen alles stören, was elektromagnetische Signale aussendet und damit als Fernzündung verwendet werden kann. Im High-Tech-Krieg gegen die irakischen Rebellen gelten die Störflugzeuge als eine der effektivsten Waffen.

«Sie sind eine Art Versicherungspolice», sagt der Marinepilot und Geschwaderkommandeur David Woods. Sei eine der Maschinen des Typs EA-6B Prowler am Himmel, gebe es mehr erfolgreiche Einsätze und weniger explodierende Sprengsätze, betont er. Zwar sei es schwierig, die Anzahl tatsächlich verhinderter Bombenanschläge zu messen, räumt der 49-Jährige ein. Von der Wirksamkeit der Störflugzeuge ist er aber dennoch überzeugt. Die Prowlers werden dringend gebraucht: Explosionen am Strassenrand töten im Irak inzwischen mehr amerikanische Soldaten als jede andere Waffe.

Schon seit dem Vietnam-Krieg setzen die USA die Störflugzeuge gegen feindliche Signale ein. Bislang wurden sie allerdings verwendet, um Funksprüche zu stören und amerikanische Kampfjets vor den Radarwellen und Boden-Luft-Raketen des Gegners zu schützen. Die militärische Bedeutung dieser Technik für die elektromagnetische Kriegsführung wird offenbar so hoch eingeschätzt, dass die Prowler nicht einmal an enge Verbündete verkauft wurde. Auch Einzelheiten über das Training der Besatzung sind streng geheim.

Im Cockpit der Maschinen drängen sich neben dem Piloten drei Techniker, die das System aus Computern, Sendegeräten, Antennen und Empfängern kontrollieren. Auf einer Flughöhe von 6000 bis 9000 Metern werden die abgehörten Funkwellen analysiert und mit einer Datenbank bekannter feindlicher Signale abgeglichen. Wird eines als gefährlich eingestuft, wird die entsprechende Frequenz Experten zufolge mit Störwellen überzogen. Neben Mobiltelefonen und Garagentoröffnern können so auch Fernsehen, Radio und drahtlose Internetverbindungen unterbrochen werden. Die eigenen Funksignale bleiben unbehelligt.

Die rund 120 Maschinen der nicht mehr ganz frischen Prowler-Flotte sind stark gefragt: Kein Flugzeugträger der USA zieht ohne vier oder fünf Störflugzeuge in den Krieg. Zwei Geschwader sind Woods zufolge derzeit in den Gewässern des Mittleren Ostens unterwegs, zwei weitere im Irak stationiert. Bis 2013 will das Pentagon die Maschinen durch 90 umgerüstete Kampfflugzeuge des Typs F/A-18 ersetzen. Unter der Bezeichnung EA-18G Growler sollen sie die ferngezündeten Bomben künftiger Konflikte lahm legen, bis diese Aufgabe von unbemannten Dronen übernommen werden kann. Bei Bomben, die per Kabel gezündet werden, ist die elektromagnetische Verteidigung allerdings wirkungslos. (dapd)

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