31.07.2014 18:43

Reaktionen auf GedankenspielSupermacht Schweiz - «ich bin dabei»

Unsere Gedankenspielerei zur «Supermacht Schweiz» hat hohe Wellen geschlagen. Während manche spotten, reagieren andere euphorisch auf die Idee, bald Schweizer zu sein.

von
Florian Meier

«Die spinnen, die Schweizer!», antwortete die deutsche Tageszeitung «Focus» auf unser Gedankenexperiment einer Grossmacht Schweiz. Eine Umfrage zum betreffenden Artikel ergab, dass sich 80 Prozent von beinahe 60'000 20-Minuten-Lesern vorstellen können, Baden-Württemberg, Bozen, die Lombardei oder Sardinien als neue Kantone in die Eidgenossenschaft aufzunehmen.

Auch zahlreiche Zeitungen aus betroffenen Regionen nahmen das Thema auf, darunter etwa die «Neue Südtiroler Zeitung». Sven Knoll, Abgeordneter der Süd-Tiroler Freiheit, kann der Idee durchaus etwas abgewinnen: «Eigentlich müsste man ja meinen, dass bei uns das Motto gilt: Hauptsache weg von Italien.» Und besser als in Italien würde es den Südtirolern in der Schweiz allemal gehen, so Knoll. Auch Brigitte Foppa, Abgeordnete der Grünen, zeigt sich nicht abgeneigt: «Es war nur eine Frage der Zeit, bis im Südtirol über eine Angliederung an die Schweiz diskutiert wird.»

Auch ein Blick in die Kommentarspalten der deutschen und Südtiroler Onlinemedien zeigt: Längst nicht alle Leser tun den Artikel als Spinnerei ab. Manche sind von der Idee einer Angliederung an die Schweiz regelrecht begeistert.

«Einmal die Woche Käsefondue»

«Ich wäre sofort bereit, das Schweizer Demokratie- und Rechtssystem anzuerkennen», schreibt ein Focus-Leser. Und ein anderer frohlockt: «Bin dabei - echte Demokratie durch Volksabstimmungen, Franken statt Euro und einmal die Woche Käsefondue.» Ausserdem liebäugeln die User mit der Idee, dann nicht mehr zur EU zu gehören. In diesem Fall gäbe es laut einem Leser «endlich keine Gängeleien mehr mit Brüssel, geregelte Zuwanderung statt systematische Ausblutung der Sozialsysteme und vernünftige Löhne.»

Auch ein Leser aus dem Südtirol scheint nur auf den Vorschlag gewartet zu haben: «Habe mich schon oft gewundert, wieso bisher niemand mit diesem Gedanken gespielt hat», schreibt er auf dem Nachrichtenportal Stol.de. Die Schweiz sei «ein Alpenvolk wie wir und es leben vier Sprachgruppen friedlich nebeneinander». Ausserdem hätten die Schweizer Skifahrer dann endlich wieder einmal eine Chance gegen die Österreicher, stichelt er.

«Schweizerdeutsch verbieten»

Manche fragen sich gar ehrfürchtig, ob sie denn mit uns Schweizern mithalten könnten. Ein Focus-User schreibt: «Weg von Mutti wäre das Grösste, was mir im Leben noch passieren könnte. Nur können sich alle an die Ordnung gewöhnen?» Denn die Schweizer würden nicht nur auf Kosten der anderen leben, sie gingen auch arbeiten. Ein User auf tageszeitung.it, dem Online-Portal der «Neuen Südtiroler Tageszeitung» schwärmt: «Die Schweizer sind gebildete Leute und sehr demokratisch, sie zahlen ihre Steuern und halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen.» Er sähe da schwarz für die Österreicher und denke, sie seien viel zu italienisch und somit mit einem so ehrlichen Volk nicht kompatibel.

Ganz alle sind dann aber doch nicht begeistert von der Idee. Ein Leser wünscht sich, dass zumindest «der doofe Schweizer Dialekt» abgeschafft würde, sollten deutsche Bundesstaaten in die Eidgenossenschaft aufgenommen werden. Schwäbisch oder Bayrisch sollen Amtssprache werden. Ein anderer User will sogar den Spiess umdrehen und fordert: «Man könnte sich ja auch mal in Deutschland Gedanken machen, ob man sich die Schweiz nicht einverleibt.»

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