Aktualisiert 31.10.2011 12:06

Interview«Superman ist ein Schleimer»

Benedict Wells, 27, legt schon den dritten Roman vor. Seine Spezialität: Problemhaufen, nicht Sonnyboys.

von
Nuria Furrer
Musiker kommen schneller an Mädchen ran, findet er: Der deutsche Autor Benedict Wells, 27.

Musiker kommen schneller an Mädchen ran, findet er: Der deutsche Autor Benedict Wells, 27.

Friday: Benedict, mit der Hauptfigur aus deinem neuen Roman «Fast genial» hat man Mitleid. Wie auch mit den Protagonisten deiner letzten zwei Bücher. Was magst du an Anti-Helden?

Benedict Wells: Die Brüche. Perfekte Menschen haben kein Entwicklungspotenzial. Ich mochte Spiderman mit seinen Zweifeln und Problemen immer lieber als den schleimigen Superman.

Du hast aufs Studieren verzichtet und alles auf die Karte Schreiben gesetzt. Woher das Selbstvertrauen?

Hatte ich erst gar keins. Ich habe mit 15 John Irvings «Das Hotel New Hampshire» gelesen und wusste: Solche Geschichten will ich auch schreiben. Also zog ich nach dem Abi nach Berlin, habe am Tag gearbeitet und nachts geschrieben.

Ein Klischee! Wolltest du damit die Mädels beein­drucken?

Klar, aber es hat nicht geklappt. Ein Mädchen nimmt dir den Schrift­steller nicht ab, solange du nichts veröffentlicht hast.

Aber jetzt klappt es.

Na ja, ich möchte mich nicht beklagen. Aber ich bin mal mit Musikern auf Tour gewesen, da habe ich schon einen Unterschied bemerkt. Die müssen nur einen einzigen Song singen und dazu auf der Gitarre spielen, und schon sind alle hin und weg.

Vielleicht hättest du Musiker werden sollen.

Ich hab mich als Sänger versucht, aber ich bin untalentiert. Musik ist aber meine zweite Leidenschaft. Ich bin wohl der letzte Mensch auf Erden, der noch CDs kauft.

Was hörst du denn so?

Bob Dylan, Arcade Fire, The Strokes. Die darf man ja jetzt wieder nennen, der Hype ist vorbei.

Als jüngster Autor beim re­nommierten Diogenes-Verlag machst du sicher auch einbisschen Geld. Welchen Luxus gönnst du dir, ausser CDs?

Hm. Freiheit? Reisen, mein Studentenleben nachholen. Immerhin hab ich da schon ein paar Sachen verpasst.

Was denn?

Ausgelassen zu feiern. Vor anderthalb Jahren bin ich von Berlin nach Barcelona in eine WG gezogen. Abends gehen wir oft noch an den Strand, trinken Wein oder Bier, unterhalten uns, dann gehts vielleicht noch auf eine Party. Solche Momente habe ich zu oft verpasst, das war der Preis fürs Schreiben.

Aber du schreibst schon noch?

Klar, ich bin an meinem vierten Buch.

Junge Autoren werden fast schon als Popstars gefeiert. Gefällt dir das?

Nicht wirklich. Die Geschichten sollen im Vordergrund stehen, nur die sind wichtig. Deshalb schreibe ich ja. Ich will Geschichten erzählen. Interviews machen mich immer nervös. Hast du das nicht gemerkt?

Darum gehts

Francis, 18, wohnt mit seiner depressiven Mutter in einem Trailerpark in New Jersey. Als er erfährt, dass sein ihm unbekannter Vater ein Genie ist, macht er sich mit seinem besten Freund und seinem Schwarm auf die Suche nach ihm. Road­trip nach einer wahren Geschichte.

Benedict Wells: «Fast genial». Diogenes, Fr. 36.90

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