Supermotos: Europäer geben Gas
Aktualisiert

Supermotos: Europäer geben Gas

Der aktuellste Trend für den Spass auf zwei Rädern: Supermotos mit zum Teil über 100 PS starken Motoren. Mit viel Vorsprung dabei sind die europäischen Hersteller KTM, BMW und Ducati.

2007 ist das Jahr der hammerstarken und gleichzeitig alltagstauglichen Supermotos. Bisher hatten diese Bikes nur einen Zylinder und waren entweder zu schwach, zu unbequem oder gleich beides. Damit hat es dank BMW, Ducati und KTM ein Ende. Die Hersteller aus Deutschland, Italien und Österreich drücken beim Trend Zweizylinder-Supermoto aufs Tempo und haben die Nase im globalen Wettstreit klar vorn: Solch krasse Geräte wie die Megamoto, Hypermotard und Supermoto sucht man bei den japanischen Herstellern derzeit vergebens.

Und was hat der Normal-Motorradfahrer davon, wenn er nicht wie die Renncracks um die Kurven rast (siehe

Kasten)? Eine ganze Menge Fahrspass und die süsse Versuchung, den Drift, das Wheelie (Vorderrad in der Höhe) oder den Bremsstoppie (das Hinterrad hebt ab) diskret zu üben und dann den staunenden Kollegen vorzuführen.

Die drei von uns getesteten Bikes sind pure Fahrmaschinen. Sie sind zwar nicht unbequem, doch fürs gemütliche Cruisen oder die lange Reise gibts Besseres. Die starken Supermotos fordern den Fahrer zum Spiel auf. Wohl am heftigsten die Ducati Hypermotard. Die Italiener haben den Motor des Allrounders Multistrada 1100 in ein verschärftes Chassis verpackt und das Ganze von Designer Pierre Terblanche stylen lassen. Die Gestalt der Hypermotard ist gazellenhaft schlank, die Sitzposition extrem Vorderrad orientiert. So sticht die Ducati manchmal schon fast übermotiviert in die Bögen, bleibt anderseits auch in sehr schnellen Kurven extrem stabil. Apropos schnell: Erstmals kann man Supermotos kaufen, die über 200 km/h schnell fahren.

Die Stärkste im Vergleich ist die BMW HP2 Megamoto. HP steht für High Performance, und es ist tatsächlich beachtlich, welche Leistung BMW aus dem an sich schon betagten Motorenkonzept (2-Zylinder-Boxer) rauspresst. Ist die Gerade lang genug, fliegt die Bayerische der Ducati und der KTM davon. Trotz ihrer Grösse (Leuten unter 180 cm ist sie zu hoch) ist die BMW sehr handlich, nur für ganz enge Kehren ist sie lang und etwas sperrig. Die Bremsen beissen sehr giftig zu. Ein Bike für grossgewachsene Motorrad-Könner.

Ganz anders die KTM. Auch sie bereitet kleineren Gestalten beim Manövrieren etwas Mühe, doch ein Berg wie die BMW ist sie nicht. Die Federelemente sind softer ausgelegt als jene von Ducati und BMW. So bleibt sie auch auf schlechten Strassen einerseits komfortabel, anderseits aber auch stabil. Die weniger giftige Bremse lässt sich beim Anbremsen von Kurven optimal dosieren, und wer den Bremsdrift draufhat, wird die perfekt dosierbare Hinterradbremse schätzen. Keine fährt sich so instinktiv leicht wie die Österreicherin.

Daniel Riesen, MSS

Grosser Test der drei Supermotos im neuen MSS

Supermotard: Die wilden Drifter

Geboren wurde die Idee Supermotard in Frankreich aus der alten Stammtischfrage, wer der beste Motorradfahrer sei: der Geschickteste im Gelände oder der Schnellste auf der Piste? Die Antwort heisst Supermotard, zu Deutsch Supermoto. Gefahren wird auf relativ engen Rundkursen, mehrheitlich auf Asphalt, doch ein Geländeteil und ein deftiger Sprung sind Pflicht. Der Fahrstil entspricht jenem aus dem Gelände: Die Kurven werden mit schrägstehendem Töff angedriftet, und auch aus den Kurven beschleunigen die Zweiradartisten mit ausbrechendem Heck und qualmenden Reifen.

Die Piloten fahren mit Einzylinder-Bikes (450 cm3 oder in der offenen Klasse mit über 600 cm3), neuerdings bringt Aprilia auch eine Zweizylindermaschine an den Start.

Die Rennen sind beste Unterhaltung für die Zuschauer: Gekämpft wird Rad an Rad, Ellbogen an Ellbogen, die Piloten – darunter einige Frauen – donnern beinahe in Reichweite am Publikum vorbei.

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