Aktualisiert 30.06.2009 17:20

PauschalbesteuerungSuperreiche flüchten in die Berge

Im Februar hat das Zürcher Volk grünes Licht für die Abschaffung der Pauschalbesteuerung gegeben. Bereits jetzt reibt man sich in Graubünden die Hände. Die Superreichen ziehts in die Berge - und das nicht wegen der frischen Luft.

von
Marius Egger

Für Superreiche mit ausländischem Pass ist der Schongang im Kanton Zürich bald vorbei. Ab 2010 gehört die Pauschalbesteuerung der Vergangenheit an, nachdem das Volk im Februar einer entsprechenden Initiative zugestimmt hat. Im Kanton Graubünden leckt man sich darob bereits jetzt die Finger. «Wir führen derzeit Gespräche mit rund zehn Personen, die vom Kanton Zürich in den Kanton Graubünden umziehen wollen», bestätigt Urs Hartmann, Vorsteher der Bündner Steuerverwaltung, einen Bericht in der «Südostschweiz».

85 000 Franken Minimalsteuer

Namen nennt Hartmann keine, Zahlen ebenfalls nicht. Oberste Diskretion heisst das Gebot. Klar ist aber, dass es sich bei den Gesprächspartnern um Superreiche handelt, die weiterhin in den Genuss der Pauschalbesteuerung kommen wollen, sagt Hartmann gegenüber 20 Minuten Online. Im Gegensatz zum Kanton Zürich setzt der Bergkanton auch in Zukunft auf die Pauschalbesteuerung. Die Steueroase in der Höhenluft voll geniessen kann, wer mindestens ein Vermögen von rund 5 Millionen Franken und ein Einkommen von 260 000 Franken vorweisen kann. Die Minimalsteuer für die Superreichen beträgt 85 000 Franken. Im letzten Jahr lieferten die Pauschalbesteuerten dem Kanton und den Gemeinden je rund 12 Millionen Franken ab.

Derzeit sind rund 265 pauschalbesteuerte Superreiche in Graubünden wohnhaft - Tendenz steigend. Denn wer jetzt im Kanton Zürich wohnt und die Sonderregelung auch in Zukunft in Anspruch nehmen will, hat bis spätestens 31. Dezember 2010 Zeit, den Wohnkanton zu wechseln. Obwohl die Bündner Behörde noch keine konkreten Zuzüge verzeichnen kann, ist bereits klar, in welche Region es die Superreichen aus dem Kanton Zürich drängt: «Die meisten zieht es in die Tourismusorte», sagt Hartmann. Davos? St. Moritz? Die Diskretion des Steuervorstehers verbietet auch hier eine konkrete Angabe.

Noch kein Aderlass in Zürich

Von einem Aderlass ist im Kanton Zürich aber offenbar noch nichts zu spüren. «Seit der Abstimmung über die Pauschalbesteuerung ist bis jetzt eine Person weggezogen», sagt Adrian Hug, Chef des Kantonalen Steueramts Zürich, gegenüber 20 Minuten Online. Auf weitere Wegzüge ist man laut Hug aber gefasst. «Wir gehen davon aus, dass es noch zu weiteren Abgängen kommt.» Aber nicht alle Superreichen wollen offenbar den Standortvorteil Zürich aufgeben: «Wir haben bis heute rund ein Dutzend Personen beraten, die sich über das ab 2010 geltende Steuergesetz erkundigt haben», sagt Hug.

Wie viele «Zürcher» Superreiche tatsächlich in höhere Gefilde ziehen, wird sich spätestens Ende 2010 zeigen. In den Bergen werden sie zwar mit offenen Armen empfangen. Doch über das Abstimmungsresultat in Zürich ist man im Bergkanton nicht nur erfreut. Hartmann: «Dass die Diskussion um die Pauschalbesteuerung wieder neu entflammt ist, ist nicht nur ein Segen.» Die Bündner SP und der Gewerkschaftsbund brüten derzeit über einer Initiative, die Pauschalbesteuerung zu kippen und der «Steuergerechtigkeit» zum Durchbruch zu verhelfen. Dann würden die Superreichen wohl auch die Bergluft wieder verlassen.

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