Aktualisiert 21.08.2012 18:02

Krise nach spanischer ArtSuppenküche mit Hauslieferdienst

Wenn der Stolz grösser ist als der Hunger: In Südspanien wird eine Volksküche eingerichtet, die Bedürftige zu Hause beliefert – damit sie sich nicht in einer Sozialinstitution blicken lassen müssen.

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In Spanien gibt es an vielen Orten betreute Volksküchen. Ab September wird es auch einen Hauslieferdienst geben.

In Spanien gibt es an vielen Orten betreute Volksküchen. Ab September wird es auch einen Hauslieferdienst geben.

Der Dienst, der ab September in der Stadt Cartaya, im Süden Andalusiens, der Bevölkerung zu Verfügung steht, ist wahrscheinlich einmalig: Ein Mittagstisch, der bedürftigen Menschen nach Hause geliefert wird. Der Zweck ist allerdings nicht, es den Opfern der Wirtschaftskrise bequemer zu machen – sondern zu vermeiden, dass sie aus Scham in ihren Wohnungen verhungern.

Wie die spanische Nachrichtenagentur EFE berichtet, hat die «Bruderschaft des Trosts» (Hermandad de Consolacion) in Zusammenarbeit mit der NGO «Fundación Europea para la Cooperación Norte-Sur» (Fecons) diesen Hauslieferdienst aufgebaut, damit «Personen, die Hemmungen haben, sich in solchen Einrichtungen zu zeigen» von der Dienstleistung Gebrauch machen können. «Der Mittagstisch will jene Arme auffangen, die auf keinen Fall eine Sozialeinrichtung betreten würden. Es gibt viele Menschen, die sich dafür schämen würden», erklärt Bruder Manuel Perez.

Lieferung im nicht gekennzeichneten Wagen

Perez und die Mitarbeiter der NGO wissen, wieso der Hauslieferdienst nötig ist: Im benachbarten Lepe betreibt «Fecons» bereits einen Mittagstisch. Dort habe man die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen aus der Region, die derzeit mit den Folgen der Wirtschaftskrise konfrontiert würden, sich fürchten, in einer Sozialinstitution gesichtet zu werden. Diskretion sei für solche Fälle entscheidend, so Perez weiter.

Die neue Volksküche wird im Gebäude des alten Gemüse- und Fleischmarkts von Cartaya entstehen. Von 11.30 Uhr bis 12.30 Uhr wird ein nicht gekennzeichneter Wagen die Menschen in Not beliefern, ab 13.00 Uhr ist die Einrichtung für alle offen.

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