Aktualisiert 16.07.2019 08:56

Nachahmer-Produkte

Supreme ist machtlos gegen Fake-Shops

Firmen lassen ihre Marken in der Regel schützen. Bei der Skater-Marke Supreme klappt das nicht. Nachahmer eröffnen darum Fake-Shops.

von
Raphael Knecht

Das Supreme-Logo prangt auf Schuhen, Shirts und Käppli: weisse Buchstaben auf rotem Grund. Zu kaufen gibt es die trendigen Skater-Kleider und -Accessoires online und in einigen Supreme-Stores, etwa in New York, Paris oder Tokio.

Erst vor kurzem wurde in Shanghai ein zweistöckiger Supreme-Store eröffnet. Der Haken: Er stammt gar nicht von der New Yorker Firma, sondern von zwei europäischen Unternehmen namens Supreme Italia und Supreme Spain. Auch in Europa gibt es bereits mehrere solcher Fake-Shops. In der Schweiz verkaufte Lehner-Versand bis vor kurzem Produkte von Supreme Spain. Warum der Händler sie Anfang Monat wieder aus dem Sortiment nahm, verrät das Unternehmen auf Anfrage nicht.

«Fälscherorganisation»

Supreme NY versucht sich seit längerem gegen die Nachahmer zu wehren – bisher ohne Erfolg. Die europäischen Unternehmen, die beide zur britischen Mutterfirma IBF gehören, verkaufen ihre Fake-Artikel mit dem Supreme-Logo sowohl in Läden als auch online. Die US-Firma bezeichnet IBF als «Fälscherorganisation».

Supreme Italia hatte Ende 2018 sogar einen Deal mit Samsung abgeschlossen. Der Elektronikhersteller sollte für die Firma exklusive Produkte entwickeln. Nach negativen Reaktionen seitens der Konsumenten krebste die koreanische Firma zwei Monate später jedoch zurück.

Marke nicht auffällig genug

Supreme NY scheitere daran, dass das Wort «Supreme» die Grundanforderung an Marken in Europa nicht erfülle, sagt Marc Schwenninger, Rechtsanwalt und Dozent für Markenrecht an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW): «‹Supreme› ist ein beschreibender Begriff und die grafische Gestaltung ist nicht besonders auffällig.»

Die US-Firma müsste nun beweisen, dass «Supreme» bei einem Grossteil der Bevölkerung effektiv als Marke wahrgenommen wird. Laut Schwenninger ist es schwierig abzuschätzen, ob es Supreme NY gelingen wird, einen Richter davon zu überzeugen. Dazu müsse das Gericht die tatsächlichen Marktverhältnisse im jeweiligen Land beurteilen.

Bis dann sei es für das US-Unternehmen schwierig, den rein beschreibenden Begriff (deutsch: «höchst») als Marke zu registrieren. Und solange das nicht geschieht, können Nachahmer Produkte mit dem Schriftzug verkaufen, ohne gegen Markenrecht zu verstossen.

Unlauterer Wettbewerb

Derweil versucht Supreme NY, über das Wettbewerbsrecht gegen die Nachahmer vorzugehen. Die Argumentation: Supreme Italia schaffe mit seinen Produkten bewusst Verwechslungsgefahr am Markt und nutze so die fremde Bekanntheit aus – unlauterer Wettbewerb.

Ein italienisches Gericht in Mailand urteilte vor zwei Jahren zugunsten von Supreme NY, und der italienische Nachahmer musste den Verkauf einstellen. Doch ein Jahr später verweigerte die EU der US-Firma die Eintragung der Marke «Supreme» – daraufhin erlaubte ein italienisches Gericht auch Supreme Italia, wieder zu geschäften.

Jahrelanger Rechtsstreit

«Ein Rechtsstreit wegen unlauteren Wettbewerbs kann locker mehrere Jahre dauern», sagt Schwenninger von der ZHAW. Zudem sei das Wettbewerbsrecht national sehr unterschiedlich, Supreme NY müsste also einzelne Prozesse in verschiedenen Ländern anstrengen.

Bis dann können die Nachahmer weiterhin ihre Produkte verkaufen. Auf Antrag könnte ein Gericht zwar vorsorglich den Verkauf verbieten – Richter seien diesbezüglich aber zurückhaltend, so Schwenninger.

Supreme-Fakes erkennen

Laut Markenrechtsexperte Marc Schwenninger werde es zunehmend schwieriger, Supreme-Fakes zu erkennen. Grund dafür sei die Qualität, die teils sehr gut sei. Wer keinen Fake kaufen will, sollte daher wissen, wie man das Original erkennt. «Wenn etwas unglaublich billig ist, gibt es immer einen Haken», warnt Schwenninger. Bei Hoodies kommt es oft vor, dass Fake-Produkte runde Bändel haben – Supreme hingegen verwendet in der Regel flache. Zudem kann man viele Fake-Produkte am inneren Kleider-Label erkennen. Dort steht oft explizit, dass es sich um Supreme Italia oder Spain handelt. Das Label hat zudem normalerweise ein Wasserzeichen auf der Rückseite. Und wenn einer der Punkte in «Made in U.S.A.» fehlt, dürfte es sich ebenfalls um eine Nachahmung handeln.

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