Winter der Gegensätze: Surfen im Norden, Schneemassen im Süden
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Winter der GegensätzeSurfen im Norden, Schneemassen im Süden

Graubünden und das Tessin ertrinken im Neuschnee, auf dem Urnersee vergnügen sich Windsurfer bei sonnigem Föhnwetter: Gegensätzlicher könnte dieser Winter kaum sein.

von
lüs

Auf der Alpennordseite herrscht Frühlingswetter: In Vaduz kletterte das Thermometer am Samstag auf 17 Grad, in Glarus, Ebnat-Kappel SG, Altenrhein SG und Genf wurden Temperaturen von mindestens 15 Grad gemessen. Ganz anders im Süden. Das Bündnerland und das Tessin zeigen sich in einem üppig weissen Kleid: Die Schneemengen sind bis zu doppelt so gross wie üblich zu dieser Zeit des Jahres.

Und es wird noch mehr: Bis am Montagmittag fällt auf der Alpensüdseite noch viel Neuschnee – 20 bis 50 Zentimeter. «Die Schneefallgrenze liegt dort bei rund 1000 Metern, es ist aber auch möglich, dass es bis in die Täler hinunterschneit», sagt Pascal Hobi, Meteorologe bei Meteonews. Das ist für Wintersportler nicht ungefährlich: «Die Lawinensituation dürfte sich nochmals merklich verschärfen», so Hobi.

Bis zu 50 Zentimeter Neuschnee im Süden erwartet

20-Minuten-Leser Philippe Gyarmati hat den Kontrast zwischen Süden und Norden am Samstag auf zwei eindrücklichen Bildern festgehalten: Das eine zeigt einen Windsurfer, der sich in Isleten bei 14 Grad warmem, sonnigen Föhnwetter auf dem Urnersee vergnügt – mit Böen von 90 km/h im Rücken. Das andere Foto nahm er gleichentags rund 45 Kilometer Luftlinie weiter südlich im Tessiner Val Bedretto auf: Dort türmen sich die Schneemassen 2,3 Meter hoch, und die Temperaturen liegen mit 2 Grad nur leicht über dem Gefrierpunkt.

Die krassen Unterschiede zwischen Nord und Süd werden in der kommenden Woche weiterbestehen: Auch Mitte Woche dürfte auf der Alpensüdseite wieder Schnee fallen. Im Norden bleibt es dagegen laut Hobi weiter mild mit Temperaturen um die 10 Grad.

«Sonne ist so stark wie Mitte Oktober»

Ist der Winter definitiv vorbei? Meteorologe Hobi sagt, es sei zwar nicht auszuschliessen, dass auch noch im März oder April Schnee bis ins Flachland fallen wird: «Doch dafür müsste sich die Grosswetterlage verändern, und danach sieht es für die nächsten ein oder zwei Wochen nicht aus», so Hobi.

Zudem würde man sich am gefallenen Schnee nicht lange erfreuen können: «Die Sonne ist heute bereits wieder so stark wie Mitte Oktober – der Schnee würde also schnell wieder wegschmelzen», sagt Hobi. «Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass wir auf der Alpennordseite in dieser Saison noch tiefwinterliche Verhältnisse erleben werden.»

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