Surfer suchen die ultimative Monsterwelle
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Surfer suchen die ultimative Monsterwelle

Sie tragen Spitznamen wie «Zyklop», «Schlund» oder «Verlies» und sind der neue Abenteuerspielplatz auf Leben und Tod für eine neue Sorte Surfer: Gigantische Wellen, etwa so hoch wie ein siebenstöckiges Haus.

Der Australier Alex Cater ist seit fünf Jahren auf der Jagd nach solchen Monsterwellen und lässt sich beim so genannten «Schlepp- Surfen» von Jetskis in die Wellen werfen. Er kennt die Mischung aus Todesangst und Ekstase, wenn der Surfer allein ist mit Wellengebirgen, die höher sind als Tsunamis.

«Wenn du nicht einen kleinen Rest von Angst in dir hast, solltest du nicht dort draussen sein», sagt er. «Wenn der Brecher aufs Wasser schlägt, macht es ein massives knackendes Geräusch. Das ist wie Donner.»

Im Juli machte der 25-Jährige mit einem Wellenritt in 12 bis 15 Metern Höhe Schlagzeilen. Mit einer Gruppe von Surfern bezwang er beim Riff Cowaramup Bombie vor Margeret River in Westaustralien die grössten Wellen, die jemals in Australien geritten wurden.

Während das Fernsehen seine Rekorde vermeldete, schlitterte Cater von der Wellenwand in den Schlund, und der gewaltige Rachen des Ozeans schlug über ihm zusammen. Drei massive Wellen drückten Cater in die Tiefe, wo der Ozean an ihm zog und zerrte.

«Die Wucht ist total. Du fühlst dich wie eine Stoffpuppe, du schlägst Räder und wirst brutal herumgeschleudert. Du musst dich einfachen entspannen und versuchen, das ganze zu geniessen», meint Cater lachend. «Sobald du dagegen ankämpfst, gerätst du ausser Atem und in Panik.»

Traum von der 110-Fuss-Welle

Doch dies ist Schlepp-Surfern nicht genug. Vor Hawaii, Kalifornien, Südafrika, Mexiko und Australien jagen sie mit den Winterstürmen einem Traum hinterher: einer Riesenwelle von 100 Fuss, 33 Meter.

Der Rekord liegt bisher bei 21 Metern. Pete Cabrinha aus Hawaii hält seit zwei Jahren den Titel der grössten jemals gerittenen Welle. Hinterlistige 100-Fuss-Wellen gehörten einst zum Seemannsgarn, heute aber reden Wissenschaftler von ihnen.

Während Hurrikan Katrina im vergangenen Jahr tobte, zeichneten Bojen im Golf von Mexiko einen Druck auf, der auf Wellen der Höhe von zehnstöckigen Gebäuden hindeutete.

Keine Toten

Erstaunlicherweise gab es beim Schlepp-Surfen noch keine Toten, sondern nur Verletzte: von gebrochenen Rippen und Beinen, zerrissenen Muskeln bis hin zu geborstenen Blutgefässen und Blut hustenden Surfern.

Fast zu ertrinken, gehört zur Extrem-Sportart, wenn die Surfer wie Flöhe über die gigantischen Wellen fliegen, die Füsse an winzige Bretter gezurrt, mit nicht mehr als einer kleinen Rettungsweste gegen Tonnen von Wasser, die über ihnen zusammenschlagen, wenn sie eine falsche Bewegung machen.

Damit es bei dem «Fast» bleibt, trainiert Cater seine Lunge wie ein Apnoe-Taucher, ohne Atemluftgeräte. Er taucht zweieinhalb Minuten unter Wasser, taucht auf, schnappt nach Luft, taucht für eine Minute unter, und wiederholt das Ganze.

«Keine Machos»

So extrem der Sport klingen mag, der Koordinator des «Big Wave Awards» in Australien-Neuseeland, Nick Carroll, wehrt sich dagegen, alle Grosswellensurfer seien Machos. «Die Jungs sind wie kleine Kinder. Sie haben noch dieselbe Begeisterung fürs Surfen, die sie mit 13 hatten.»

Die Faszination der riesigen Wellen reicht zurück bis 1950, als der erste kalifornische Wellenjäger der Winterdünung von Hawaii folgte. Mitte der 90er Jahre kamen hawaiianische Surfer auf die Idee, sich von Jet-Skis mit 48 Kilometern pro Stunde auf grosse, ungebrochene Wellen ziehen zu lassen.

(sda)

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