Sursee LU: Überraschender Fund aus der Bronzezeit
Aktualisiert

Sursee LU: Überraschender Fund aus der Bronzezeit

Bei den archäologischen Grabungen auf der Halbinsel Mariazell in Sursee LU ist ein überraschend gut erhaltener Hausbodenbelag aus der späten Bronzezeit zum Vorschein gekommen.

Die Funde sind aber bedroht: Sie trocknen aus.

Die derzeit stattfindende einmonatige Lehrgrabung von Studierenden der Universität Bern sei deshalb auch eine Notgrabung, sagte Ebbe Nielsen, stellvertretender Luzerner Kantonsarchäologe, am Montag vor den Medien. Die seltenen Funde seien nur dank der hohen Bodenfeuchtigkeit erhalten geblieben.

Bei der Ausgrabungsstelle am Ufer des Sempachersees liege der Grundwasserspiegel teilweise höher als der Seespiegel. Seit der Absenkung des Sees vor rund 200 Jahren sind die Funde aber zunehmend von der Austrocknung bedroht. Die Trockenperiode im Juli habe den Lehm- und Keramikfunden arg zugesetzt, sagte Nielsen.

Auch Bauholz gefunden

Bei den Grabungen entdeckten die Archäologen unter anderem überraschend gut erhaltene Reste eines Hausbodens aus der späten Bronzezeit. Nicht nur der abgedeckte Lehmfussboden - eine Art Vorläufer des Spannteppichs - konnte dokumentiert werden, auch gut erhaltene Bauhölzer kamen zum Vorschein.

Von ihnen erhoffen sich Werner E. Stöckli, Professor für Ur- und Frühgeschichte, und sein Team von der Uni Bern nähere Aufschlüsse über das genaue Alter der Funde. Auch stütze die gefundene Bodenkonstruktion neue Erkenntnisse, wonach die Pfahlbauer ihre Häuser am Boden und nicht auf Pfählen im Wasser gebaut hatten.

Im übrigen bestätige die Grabung die Befunde früherer Jahre, so Stöckli. Bereits wenige Zentimeter unter der Grasnarbe seien sehr viele Funde gemacht worden, darunter mehrere tausend Keramikscherben, aber auch Gegenstände aus Bronze, bearbeiteten Hirschgeweihen und Stein.

Eine Seltenheit

Derart gut erhaltende Funde in so grosser Zahl aus prähistorischer Zeit seien eine Seltenheit, sagte Stöckli. Sie ergänzten entsprechende Grabungen am Zürichsee und am Jurasüdfuss ideal und seien deshalb von nationaler Bedeutung.

Die Experten gehen davon aus, dass im Gebiet Mariazell auf einer Fläche von rund 5000 Quadratmetern mindestens drei verschiedene Dörfer aus der späten Bronzezeit verteilt sind. Darunter folgt eine Schicht mit Überresten aus der Jungsteinzeit um 3800 vor Christus.

(sda)

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