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BurmaSuu Kyi muss weiter warten

Im Prozess gegen Burmas Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ist das Urteil auf den 11. August verschoben worden. Als Begründung gab das Gericht an, dass es den Fall nochmals überprüfen wolle.

Das teilten der Anwalt der Friedensnobelpreisträgerin und ausländische Diplomaten am Freitag mit. Suu Kyi drohen bis zu fünf weitere Jahre Haft, weil sie gegen die Auflagen ihres Hausarrests verstossen haben soll. Eigentlich sollte das Urteil am Freitag fallen.

Ein Sprecher von Suu Kyis Partei «Nationale Liga für Demokratie» (NLD) sagte, die Richter wollten nach eigenen Angaben rechtliche Probleme überdenken. Deshalb hätten sie das Urteil verschoben.

Unerlaubter Besuch

Suu Kyi wird der Prozess gemacht, weil sie auf ihrem Seegrundstück, wo sie seit Jahren unter Hausarrest lebt, Besuch von dem Amerikaner John Yettaw empfangen hatte. Der Mormonenprediger war am 3. Mai - wenige Wochen vor Ablauf des Hausarrests - durch den See zu Suu Kyis Anwesen geschwommen, angeblich, um sie vor einem Anschlag zu warnen.

Weil er erschöpft war, nahm Suu Kyi den ungebetenen Gast für zwei Tage auf. Mit der 64-Jährigen müssen sich auch zwei ihrer Hausangestellten und Yettaw vor Gericht verantworten.

Yettaw hatte bereits im November 2008 versucht, mit Suu Kyi Kontakt aufzunehmen, was die Bürgerrechtlerin nach Angaben ihrer Verteidiger auch den Behörden gemeldet hatte.

Internationale Beobachter

In Erwartung der Urteilsverkündung waren am Freitagvormittag 16 Diplomaten, darunter auch Vertreter Deutschlands und Grossbritanniens, im berüchtigten Insein-Gefängnis eingetroffen, in dem der Prozess gegen Suu Kyi stattfindet. Zuvor waren die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Gefängnis verstärkt worden.

Beobachter gehen von einer Verurteilung der Friedensnobelpreisträgerin aus, die damit auch bei den für 2010 anstehenden Wahlen von der politischen Bühne ausgeschlossen bleiben würde. Das Verfahren war international als Schauprozess gebrandmarkt worden. Die Medien sind vom Verfahren ausgeschlossen.

Die Militärjunta in Burma wird kritisiert, Suu Kyi unter Vorwänden weiter unter Arrest und damit von den Wahlen fernhalten zu wollen. Erst am Donnerstag hatten die USA erneut die sofortige Freilassung der Oppositionsführerin gefordert. Suu Kyi hat bereits mehr als 13 der vergangenen 19 Jahre unter Hausarrest oder im Gefängnis verbracht.

Beharrliche Kämpferin für Demokratie

1991 hatte Suu Kyi für ihren Einsatz für eine gewaltlose Demokratisierung ihres Heimatlandes den Friedensnobelpreis erhalten. Erst Anfang dieser Woche hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sie als «Botschafterin des Gewissens 2009» ausgezeichnet.

Suu Kyi ist die Tochter des burmesischen Unabhängigkeitshelden Aung San, der 1947 ermordet wurde, als sie noch ein kleines Kind war. Von ihren Anhängern wird die zierliche Frau ehrfürchtig «Democracy-Lady» genannt.

Mit ihrem eisernen Willen lehrt sie die Generäle seit mehr als 20 Jahren das Fürchten. Junta-Chef Than Shwe soll einen solchen Hass auf sie haben, dass ihr Name in seiner Gegenwart nicht ausgesprochen werden darf.

(sda)

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