Aktualisiert 19.11.2007 15:55

Suva-Prozess eröffnet

Das Bundesstrafgericht hat mit der Aufarbeitung der Suva-Immobilienaffäre begonnen. Hauptangeklagte sind ein Ex-Suva-Chef und sein Komplize, ein Tessiner Makler. Sie schoben sich vor Gericht gegenseitig den Schwarzen Peter zu.

Unbestritten ist die Tatsache, dass der ehemalige Leiter der Liegenschaftsabteilung der Suva insgesamt rund eine Million Franken Bestechungsgeld erhalten hat. Wie es dazu kam, ist hingegen nicht klar.

Der 44-jährige Nidwaldner gab zu Protokoll, das Geld sei ihm vom Makler als Provision angeboten worden. Dem widersprach der gebürtige Kalabrese. Er behauptete, der Suva-Chef habe Geld verlangt, um die Immobilienverkäufe mit ihm abzuwickeln.

«Ich habe die Provisionen bezahlt, weil dies in der Immobilienbranche nun mal üblich ist», sagte der Makler, der insgesamt 98 Tage in U-Haft gesessen hatte.

Angeklagter widerrief Aussage

Laut Anklage der Bundesanwaltschaft (BA) verkaufte der Suva-Chef dem Makler, mit dem er später eine gemeinsame Firma gründete, Liegenschaften zu untersetzten Preisen; die Verkäufe unter Marktwert beruhten auf falschen Gutachten.

Als falsch entpuppte sich auch eine Aussage des Ex-Suva-Chefs. Dieser dementierte eine Passage in der Anklageschrift, wonach er im Herbst 2003 für einen nicht zustande gekommenen, günstigen Verkauf von Basler Liegenschaften 100 000 Franken erhalten habe.

«Die Bundesanwaltschaft wollte mich erledigen»

Es handle sich um eine Schutzbehauptung, die er während seiner 96-tägigen U-Haft gemacht habe, sagte der Nidwaldner. Auch der Makler beklagte sich über seine Zeit im Gefängnis.

Er sei damals gezwungen worden, zahlreiche Immobilien zu verkaufen. Wegen des Zeitdrucks habe er dabei Millionenbeträge verloren. «Die Bundesanwaltschaft wollte mich erledigen», sagte der Angeklagte. «Aber das hat sie nicht geschafft.»

Der 46-jährige gelernte Sanitärinstallateur ist mittlerweile offenbar wieder im Geschäft. In seinem Portfolio befänden sich heute Liegenschaften im Tessin im Wert von 50 bis 60 Millionen Franken, liess er verlauten.

Falsches Gutachten oder Worst-Case-Szenario?

Auch ein der Gehilfenschaft angeklagter Treuhänder klagte, dass er wegen der Affäre fast pleite gegangen wäre. Ihm wirft die BA vor, bei Schatzungen den Preis von Immobilien absichtlich zu tief eingestuft zu haben.

Der Treuhänder dementierte dies allerdings; er sprach stattdessen von Worst-Case-Szenarien, die er für die Suva erstellt habe.

Angeklagten droht fünf Jahre Gefängnis

Teilweise anerkennen sowohl die beiden Hauptangeklagten als auch die vier weiteren Angeklagten die von der BA erhobenen Vorwürfe.

Diese wirft ihnen Urkundenfälschung, Betrug, Korruption und ungetreue Amtsführung vor. Alle eingeklagten Strafbestände können mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafen geahndet werden.

Urteil voraussichtlich Ende Monat

Am Dienstag und Mittwochmorgen will das Gericht Zeugen und Experten anhören. Am Mittwochnachmittag steht das Plädoyer von Bundesanwalt Carlo Bulletti auf dem Programm. Das Urteil soll Ende dieses Monats bekannt gegeben werden.

Der Suva, die als Zivilklägerin am Prozess teilnimmt, ist durch die Affäre kein finanzieller Schaden entstanden, weil alle umstrittenen Liegenschaftsverkäufe rückgängig gemacht wurden.

. (sda)

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