Die SVA in St. Gallen sucht einen Arzt mit «kriminalistischem Flair» 

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St. Gallen SVA St. Gallen sucht einen Arzt mit «kriminalistischem Flair» 

Die Sozialversicherungsanstalt St. Gallen SVA sorgt mit einem Stelleninserat für Diskussionen. Um Fälle mit Missbrauchsrisiko zu erkennen, sucht die SVA eine Ärztin oder einen Arzt mit «kriminalistischem Flair». 

von
Marion Alder
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Die SVA St. Gallen sucht per Stelleninserat eine Ärztin oder einen Arzt mit «kriminalistischem Flair».

Die SVA St. Gallen sucht per Stelleninserat eine Ärztin oder einen Arzt mit «kriminalistischem Flair».

20Min/Marion Alder
Ein Schwerpunkt der Tätigkeit soll die medizinische Beurteilung von Fällen mit hohem Missbrauchsrisiko sein. 

Ein Schwerpunkt der Tätigkeit soll die medizinische Beurteilung von Fällen mit hohem Missbrauchsrisiko sein. 

20Min/Marion Alder
Mit diesem Stelleninserat sorgt die SVA für Diskussionen. 

Mit diesem Stelleninserat sorgt die SVA für Diskussionen. 

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Darum gehts

Ein Stelleninserat der SVA St. Gallen sorgt auf Social Media für Diskussionen. «Ein Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit ist die medizinische Beurteilung von Fällen mit hohem Missbrauchsrisiko», schreibt die SVA im Inserat. Gesucht wird eine Ärztin oder ein Arzt, die oder der unter anderem eine hohe Belastbarkeit hat, offen und engagiert ist sowie über ein «kriminalistisches Flair» verfügt. 

Unter einem Twitter-Post zeigen sich diverse Nutzer und Nutzerinnen fassungslos. «Die Aufgabe des Arztes ist es, Menschen zu helfen, die krank sind», schreibt jemand. Ein Nutzer fände etwas mehr Unabhängigkeit wünschenswert und ist der Meinung, dass die Anreize der Person im Stelleninserat sehr einseitig gesetzt sind. «Es ist eine Schande», meint eine weitere Nutzerin. 

«Damit kann man Betrügern das Handwerk legen»

Der St. Galler SVP-Nationalrat Mike Egger findet die Stelle der SVA sehr begrüssenswert und absolut gerechtfertigt. «Mit diesen Massnahmen hilft man Menschen mit richtigen Beschwerden und kann Betrügern das Handwerk legen», so Egger. Es habe in der Vergangenheit immer wieder Missbrauchsfälle gegeben, die dank gesetzlichen Verschärfungen aufgedeckt werden konnten. «Wer sich gegen Massnahmen zur Missbrauchsbekämpfung wehrt, hilft den Tätern und verschliesst die Augen vor der Realität», sagt Egger.

Bettina Surber, Kantonsrätin und Fraktionspräsidentin der SP, findet es grundsätzlich richtig, dass man Sozialversicherungs-Missbrauch bekämpft. «Meiner Meinung nach ist die Stelle eines Arztes, mit kriminalistischem Flair, jedoch nicht gerechtfertigt», so Surber. Dadurch werde den Versicherten ein Grundmisstrauen gegenüber gebracht. 

Ausdruck sei missverständlich gewählt 

Die SVA St. Gallen prüfe, wie jede andere Versicherung auch, ob die ausgerichteten Leistungen rechtlich korrekt sind. «Dafür ist ein interdisziplinäres Team zuständig», sagt Reto Pfändler, Medienverantwortlicher der SVA St. Gallen, zu 20 Minuten.

Dieses setze sich unter anderem aus Juristen sowie einem Mediziner zusammen. «Es braucht Leute, die ein Auge dafür haben, Ungereimtheiten aufzudecken», sagt Pfändler. Der Ausdruck «kriminalistisches Flair» sei vielleicht etwas missverständlich gewählt. «Analytisches Flair würde es auch treffen», so Pfändler.

Solche Prüfungen werden einerseits aus einem finanziellen Hintergrund gemacht. Andererseits wolle man damit gewisse Vorurteile gegenüber IV-Renten bekämpfen. «Wir wollen zeigen, dass richtig hingeschaut wird und die Leistungen zu den richtigen Personen kommen, die wirklich einen Anspruch darauf haben», so Pfändler. 

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