Abfahrt in Wengen: Svindal vorn - Küng bester Schweizer
Aktualisiert

Abfahrt in WengenSvindal vorn - Küng bester Schweizer

Aksel Lund Svindal entscheidet das erste Training am Lauberhorn vor Werner Heel für sich. Mit Patrick Küng, Marc Gisin und Silvan Zurbriggen fahren drei Schweizer in die Top 30.

Svindal und das Lauberhorn, das hat bislang noch nicht so richtig zusammengepasst. Nach sieben Anläufen seit 2005 hat der am Stephanstag 30 Jahre alt gewordene Norweger Rang 8, errungen vor sechs Jahren, als Bestwert in seinem Palmarès stehen - eine äusserst bescheidene Ausbeute für einen Athleten seiner Klasse. Bei einer Siegerehrung in Wengen ist Svindal erst ein einziges Mal dabeigewesen; 2011 war er in der Super-Kombination hinter dem Kroaten Ivica Kostelic und Carlo Janka Dritter geworden.

Nicht nur sein gelungener Auftritt im ersten Training, nach dem er das Klassement mit fünf Hundertsteln Vorsprung vor dem Italiener Werner Heel anführt, stimmt Svindal für den Ernstkampf am Samstag zuversichtlich, dass er seinen Nachholbedarf zu decken vermag. Er ist auch mit dem Wissen um seine herausragende Form ins Berner Oberland gereist. Seine Bilanz im WM-Winter weist nach sieben Speed-Wettkämpfen mit drei Siegen, zwei in der Abfahrt, einem im Super-G, sowie zwei 2. und einem 3. Platz beeindruckende Werte aus. Eine Klassierung unter den ersten drei hat Svindal einzig in Val Gardena verpasst. In der vom Wetter beeinflussten Abfahrt auf der WM-Piste von 1970 war er Fünfter geworden. Selbstredend führt er die Klassemente in den beiden Disziplinen-Weltcups an.

Gegensätzliche Erinnerungen

Völlig diametrale Züge haben die Erinnerungen der Schweizer Abfahrer an die vorangegangenen Auflagen des Klassikers am Lauberhorn. Nach drei der letzten vier Abfahrten auf der mit viereinhalb Kilometern weltweit längsten Weltcup-Strecke sind Athleten von Swiss-Ski ganz oben auf dem Podium gestanden. 2009 hatte Didier Défago dominiert, 2010 Janka und vor zwölf Monaten der wegen seiner Knieprobleme rekonvaleszente Beat Feuz.

Die Gegenwart zeigt das seit Saisonbeginn immer wieder aufs Neue skizzierte triste Bild. Als bisherige saisonale Bestwerte im Speed-Bereich müssen die 10. Ränge von Défago in der Abfahrt in Beaver Creek (USA) und von Küng im Super-G in Lake Louise (Ka) herhalten. (Zumindest) die erste einstellige Klassierung soll vor heimischem Publikum endlich Tatsache werden. Der Glarner, der dazu noch Position 13 in der Abfahrt in Beaver Creek vorzuweisen hat, ist derzeit der Einzige, der die WM-Selektionskriterien von Swiss-Ski in den schnellen Disziplinen erfüllt hat. Für ein Aufgebot für Schladming gibt der Verband entweder eine Platzierung in den ersten 7 oder zwei in den ersten 15 vor. Aus dem Männer-Team können neben Küng bisher lediglich Défago nach Rang 5 im Riesenslalom in Sölden und Markus Vogel nach Rang 6 im Slalom in Madonna di Campiglio die Reise in die Steiermark fest einplanen.

Das Klammern an den Strohhalm

Es war zwar lediglich ein erstes Training, dazu auf verkürzter Strecke. Der oberste Teil der Lauberhorn-Piste konnte wegen den letzten Schneefällen und nach der aufgrund der Wetterprognosen nötig gewordenen Vorverlegung um einen Tag nicht termingerecht präpariert werden. Gestartet wurde deshalb ab Beginn Super-Kombinations-Abfahrt oberhalb des Hundschopfs. Gleichwohl ist in der aktuellen schwierigen Situation für Küng und seine Kollegen jedes noch so kleine Anzeichen eines Aufwärtstrends von Bedeutung. Das Klammern an den berühmten Strohhalm hat längst begonnen.

Küng, der sich von seinem Kreuzbandriss vollends erholt hat, dem aber seit Beginn der Saison (leichte) Hüftprobleme zu schaffen machen, hofft nach dem gelungenen Auftakt ins verlängerte Renn-Wochenende in Wengen mit Super-Kombination, Abfahrt und Slalom wie alle seine Konkurrenten auf weitere Trainingsfahrten - umso mehr, als sich die Prüfung am Lauberhorn in diesem Jahr auf eisigem, unruhigen Terrain als besondere Herausforderung ankündigt. «Zumindest ein weiteres Training wäre wünschenswert. Am liebsten natürlich vom Originalstart weg», sagt der seit fünf Tagen 29-Jährige aus Obstalden. Obs das Wetter zulässt, bleibt abzuwarten.

Janka hält Rückstand im Rahmen

Als nächstbeste Schweizer im Klassement folgen Marc Gisin, der seinen Platz in der Weltcup-Startliste in den ersten 30 eingebüsst hat, und Silvan Zurbriggen mit Rückständen von 1,20 respektive 1,29 Sekunden in den Rängen 17 und 18. Der nach seinem Startverzicht in Bormio auf die Abfahrt zurückgekehrte Janka hielt den Rückstand trotz noch nicht optimaler Abstimmung mit zwei Sekunden im Rahmen. Défago wurde auf dem Abschnitt Langenrejen auf der welligen Piste aus dem Rhythmus geworfen und lag im Ziel über vier Sekunden hinter Svindal.

Wengen. Erstes Training für die Weltcup-Super-Kombination vom Freitag und -Abfahrt am Samstag:

1. Aksel Lund Svindal (No) 1:50,92.

2. Werner Heel (It) 0,05 zurück.

3. Kjetil Jansrud (No) 0,36.

4. Travis Ganong (USA) 0,50.

5. Christof Innerhofer (It) 0,57.

6. Georg Streitberger (Ö) 0,58.

7. Florian Scheiber (Ö) 0,66.

8. Patrick Küng (Sz) 0,73.

9. Klaus Kröll (Ö) 0,80.

10. Brice Roger (Fr) 0,89.

Ferner die weiteren Schweizer:

17. Marc Gisin 1,20.

18. Silvan Zurbriggen 1,29.

36. Carlo Janka 2,01.

40. Vitus Lüönd 2,54.

42. Tobias Grünenfelder 2,60.

54. Sandro Viletta 3,21.

58. Didier Défago (Sz) 4,05.

68. Marc Berthod 5,73.

78 Fahrer gestartet, 77 klassiert. (si)

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