Aktualisiert 14.11.2019 21:43

Berner Reitschule

SVP ärgert sich über falsche «Heizstrahler»

In einer Anfrage an den Gemeinderat behauptet die SVP, bei der Reitschule kämen unerlaubterweise Infrarotstrahler zum Einsatz. Da hat sie sich allerdings gehörig verrannt.

von
sul
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Dieses ein wenig verschwommene Bild sollte beweisen, dass bei der Reitschule Heizstrahler zum Einsatz kommen.

Dieses ein wenig verschwommene Bild sollte beweisen, dass bei der Reitschule Heizstrahler zum Einsatz kommen.

zVg
Zu sehen sind dem orange und violett leuchtende Balken an der Brückendecke..

Zu sehen sind dem orange und violett leuchtende Balken an der Brückendecke..

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SVP-Stadtrat Alexander Feuz wittert Rechtsungleichheit: Den Restaurants an der Bärenplatz-Front seien Heizstrahler seit Jahren untersagt. «Doch wenn es um die Reitschule geht, spielen kantonale Vorschriften offenbar keine Rolle», ärgert sich Feuz.

SVP-Stadtrat Alexander Feuz wittert Rechtsungleichheit: Den Restaurants an der Bärenplatz-Front seien Heizstrahler seit Jahren untersagt. «Doch wenn es um die Reitschule geht, spielen kantonale Vorschriften offenbar keine Rolle», ärgert sich Feuz.

sul

«Heizungen im Freien sind ausschliesslich mit erneuerbaren Energien oder nicht anders nutzbarer Abwärme zu betreiben»: So fordert es das Energiegesetz des Kantons Bern seit 2011. Für Gastrobetriebe sind elektrische Wärmestrahler oder gasbetriebene Heizungen deshalb seit Jahren tabu und dürfen nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden.

Um diese Anlage geht es:

«Rechtsungleichheit sondergleichen»

Gemäss einer Kleinen Anfrage, mit der die SVP-Fraktion der Stadt Bern an den Gemeinderat gelangte, halten sich jedoch nicht alle an das Verbot. Am Abend und am frühen Morgen würden unter der Eisenbahnbrücke bei der Reitschule nämlich oft Infrarot-Heizstrahler brennen, behauptet die Partei in ihrem Vorstoss.

Für SVP-Stadtrat Alexander Feuz ist die Situation unhaltbar: Den Restaurants an der Bärenplatz-Front seien Heizstrahler seit Jahren untersagt. «Doch wenn es um die Reitschule geht, spielen kantonale Vorschriften offenbar keine Rolle», ärgert sich Feuz. «Das ist eine Rechtsungleichheit sondergleichen.» Hinzu komme, dass die Energie für die Benutzung der Lampen möglicherweise gar über Steuergelder oder Kulturgelder finanziert werde.

«Wenn das keine Heizstrahler sind, bin ich ein Tram»

Als Beweis für den Einsatz der verbotenen Infrarotstrahler soll ein etwas verschwommenes Handy-Foto dienen, das Feuz von einem Bekannten zugetragen wurde und auf dem orange und violett leuchtende Balken an der Brückendecke zu sehen sind.

Feuz' Bekannter will den Einsatz der mutmasslichen Heizstrahler bereits mehrmals festgestellt haben, wie er gegenüber 20 Minuten äussert. Nach der Einreichung des SVP-Vorstosses Mitte Oktober habe sich die Situation kurzzeitig gebessert. «Erst am Mittwoch wurden die Strahler aber wieder verwendet», sagt er.

Der Mann, ein ETH-Maschineningenieur, ist sich seiner Sache sicher: «Wenn das keine Heizstrahler sind, bin ich ein Tram.» Auch sein Bruder, seines Zeichens Elektroingenieur, sei davon überzeugt. Hat die Stadtregierung der Reitschule tatsächlich einen energiepolitischen Freipass erteilt?

«Nicht wissentlich toleriert»

In seiner am Donnerstag publizierten Antwort zeigt sich der Gemeinderat verwundert: Bis anhin habe er keine Klagen oder Hinweise wegen Heizstrahlern bei der Reitschule erhalten. «Entsprechend werden solche Heizstrahler durch den Gemeinderat auch nicht wissentlich toleriert.»

Der Gemeinderat sei aber bereit, entsprechende Abklärungen zu treffen und – sollte sich der Einsatz von Heizstrahlern bewahrheiten – «das Einhalten der gesetzlichen Vorschriften ganz im Sinne der Gleichbehandlung aller Gastrobetriebe durchzusetzen».

Lampen seit 18 Jahren dort

Das wird allerdings nicht nötig sein. Wie die Reitschule auf Anfrage mitteilt, handelt es sich nicht um Wärmestrahler, sondern um eine gewöhnliche Beleuchtung. «Die Leuchtbänder haben wir schon seit 2001», sagt ein Mitglied der Mediengruppe. Dies wird von Immobilien Stadt Bern bestätigt. Christina Martig, zuständig für Kommunikation und politische Geschäfte, erklärt: «Die Lampen sind Teil eines Kunstprojekts im öffentlichen Raum und wurden bei der letzten grösseren Sanierung der Reitschule angebracht.»

Alexander Feuz bleibt derweil skeptisch: «Ich vertraue auf die Aussagen des Ingenieurs.» Daher müsse die Installation zwingend geprüft werden. Selber könne er dies allerdings nicht tun: Er habe Hausverbot in der Reitschule.

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